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Rottenburg Tagebuch aus der Corona-Quarantäne

Von
Tee, Lutschtabletten gegen Reizhusten, Paracetamol - Medizin unserer Mitarbeiterin Angela Baum. Sie musste auf Corona getestet werden. Foto: Baum

Rottenburg - Bin ich an Covid-19 erkrankt? Diese Frage stellen sich derzeit viele Menschen. Unserer Mitarbeiterin, die unter Fieber, Halsschmerzen und Husten litt, ging es so. Deshalb musste sie sich auf dem Tübinger Festplatz einem Test unterziehen. Ihren Erfahrungsbericht lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Grippe oder Coronavirus? Diese Frage stellte sich mir vergangene Woche. Ich hatte Fieber – 39 Grad. Dazu kamen Gliederschmerzen, Husten sowie starke Halsschmerzen. Das ganze Wochenende lag ich fast komplett im Bett oder auf dem Sofa. Am Montag rief ich meine Hausärztin an. Diese sagte, ich solle wegen der Ansteckungsgefahr auf keinen Fall in die Praxis kommen. Die Krankmeldung schicke sie mir zu, ich solle zu Hause bleiben – 14 Tage lang. Wie gut, dass ich immer einige Vorräte zu Hause habe und am Samstag Großeinkauf gemacht hatte. Im Fernsehen jagte eine Nachricht über den Coronavirus die nächste.

Newsblog zur Ausbreitung des Coronavirus in der Region

Da ich am Dienstagvormittag immer noch Fieber hatte, rief ich bei der Corona-Hotline des Gesundheitsamtes an. Die Dame war sehr freundlich und meinte, ich solle mich auf dem Festplatz in Tübingen einem Corona-Test unterziehen. Gesagt, getan. Gegen 16 Uhr war die Warteschlange immer noch recht lang. Im Zugangsbereich bekam ich ein Formular, das ich ausfüllen musste. Dort musste ich auch angeben, dass ich mit jemandem Kontakt hatte, der sich in Corona-Quarantäne befindet und ebenfalls unter Fieber leidet. Nach einer Dreiviertelstunde warten wurde dann der Corona-Test gemacht. Ich musste meine Krankenkassenkarte vorzeigen und bekam ein Teströhrchen ausgehändigt. Dieses gab ich ein paar Meter weiter einem Mann im Schutzanzug. Es wurde ein Rachenabstrich gemacht, das war etwas unangenehm.

Danach die Info: Solange in Quarantäne bleiben, bis ein Anruf kommt. Falls sich nach sieben Tagen niemand gemeldet habe, kann man davon ausgehen, dass man keinen Coronavirus hat.

Nun gut. Es heißt also, abwarten und ganz, ganz viel Tee trinken. Bei der Heimfahrt ziehe ich Bilanz: Okay, es kann sein, dass ich Corona habe. Krank fühle ich mich auf jeden Fall. Ich bin froh, dass ich einen Parkplatz in Hausnähe finde. Gehe heim, lege mich aufs Sofa und schaue fern. Ich messe stündlich Fieber. Meine Mutter wirft mir am frühen Abend Paracetamol über den Gartenzaun, da ich im Internet gelesen habe, dass Paracetamol bei einer Corona-Erkrankung helfen soll. Natürlich hatte ich mal wieder keines daheim, und bin über die Medikamente froh. Ich nehme gleich mal zwei Stück. Zudem nehme ich Bronchialtropfen mit Thymian und Lutschtabletten gegen Reizhusten. Die hatte ich noch daheim, da ich im Januar Grippe hatte. Am Abend reibe ich mich mit Tigerbalsam ein, sodass ich das Gefühl habe, das Virus aktiv zu bekämpfen.

Mehl und Brot am Gartenzaun

Schwierig ist jedoch die Versorgung mit alltäglichen Lebensmitteln. Am Mittwoch geht mir das Brot aus. Ich rufe meine Mutter an, und die stellt mir Mehl und ein Brot an den Gartenzaun. Ich kann mich glücklich schätzen, dass sich jemand um mich kümmert.

Im Fernsehen kommt gefühlsgemäß auf allen Sendern nur ein Thema: die Corona-Pandemie. Ich warte auf einen Anruf vom Gesundheitsamt. Und bekomme im Gegenzug Anrufe von meinen Geschwistern, den Eltern, Kollegen und Freunden. Per Telefon halte ich mich auf dem Laufenden, was so alles passiert.

Große Vorteile bringt in meiner Situation auch mein Smartphone. Hierüber verfolge ich beispielsweise die Absagen von Konzerten. Für ein Konzert in Pforzheim am 3. April hatte ich bereits Karten. Es wurde auf den Oktober verlegt. Die Stadt cancelt ebenfalls viele Termine, schade eigentlich. Aber der Schutz der Bürger geht vor.

In meiner Isolation bekomme ich zudem mit, dass ein Gerücht grassiert: Oberbürgermeister Stephan Neher sei an Corona erkrankt. Zumindest sei er krank, heißt es.

Währenddessen versuche ich, mein Immunsystem wieder in die Spur zu bringen. Ich trinke sehr viel Multivitaminsaft, vermischt mit Sanddornsaft. Ich hoffe, dass es hilft. Mein Fieber sinkt.

Coronaprobe unbrauchbar - wie 1000 andere auch

Wenigstens über eine Sache brauche ich mir in meiner Quarantäne keine Sorgen zu machen: Toilettenpapier habe ich nämlich ausreichend zu Verfügung. Denn beim Einkauf vor der Isolation konnte ich noch einen Pack ergattern. Ich sehe im Fernsehen Bilder von leeren Regalen im Supermarkt und fühle mich an einen Science-Fiction-Film erinnert. Im Fernsehen informieren die Virologen über die Gefahr der Corona-Pandemie, Bayern verhängt in einigen Gemeinden eine Ausgangssperre. Zwischendurch schlafe ich ein wenig auf dem Sofa ein, und ich träume von einer leckeren großen Pizza. Ich wache auf, und koche mir Pasta mit Soße, da ich keine Hefe zuhause habe. Sonst hätte es Pizza gegeben. Ich genieße den Gang zum Briefkasten und die ersten Strahlen der warmen Frühlingssonne.

Am Wochenende verfolge ich das Ringen um eine Ausgangssperre. Letztendlich kommt ein Kontaktverbot, das die Bundesregierung verhängt hat. Damit kann man einige Wochen leben. Hoffentlich dauert es nicht allzu lange.

Am Montag dann die Nachricht, dass meine Coronaprobe unbrauchbar ist – wie 1000 andere auch. Ich rufe bei der Hotline des Gesundheitsamtes an. Die freundliche Dame teilt mir mit, dass ich bei Symptomfreiheit davon ausgehen kann, dass ich nicht am Coronavirus erkrankt bin und auch kein weiterer Test bei mir gemacht werde. Hm. Ich glaube es ihr und gehe erst einmal einkaufen. Frischen Salat, Gemüse und ein Steak. Das muss jetzt sein.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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