An einem tollen syrischen Büfett durften sich die Besucher des Nachmittagskaffees am Samstagnachmittag gütlich tun. Foto: Ranft Foto: Schwarzwälder-Bote

Familien sind in Ergenzingen beliebt / Sprachbarriere derzeit noch vorhanden / Freundeskreis Asyl leistet ganze Arbeit

Von Klaus Ranft

Rottenburg-Ergenzingen. Rottenburgs größter Stadtteil beherbergt derzeit 49 Flüchtlinge – 37 davon sind auf der Liebfrauenhöhe untergebracht, zwölf wohnen im Haus der evangelischen Kirchengemeinde neben der Christuskirche.

In dem nicht gerade großen Haus zwei Familien mit je drei Kindern und ein weiteres Ehepaar unterzubringen, ist nicht ganz einfach, zumal die drei syrischen Familien sich Küche, Toiletten und Bad teilen müssen. Da bedarf es schon einiges an Organisationstalent, Absprachen und Rücksichtnahme.

Unterstützung bekommen die Flüchtlinge durch den Freundeskreis Asyl, dem über zehn Menschan aus der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde angehören. Diese kümmern sich um die kleinen und großen Nebensächlichkeiten, unterstützen bei Arztterminen und springen in der Kinderbetreuung ein, wenn die Eltern ihren Sprachkurs absolvieren.

Eine derjenigen, die selbstlos tätig ist, heißt Irmgard Kussauer. "Wir müssen diesen Menschen bei der Integration helfen", sagt sie. "Sie haben Unfassbares durchgemacht", weiß sie. Eine Familie sei über zwei Jahre lang auf der Flucht gewesen. "Wir helfen beim Einkaufen, bei der Beschaffung von Einrichtungsgegenständen und vielem mehr", so Irmgard Kussauer und weiter: "Diese Menschen zahlen uns das Engagement mit sehr großem Dank zurück."

Dass die Syrer nur wenig oder gar kein Deutsch verstehen, macht die Sache nicht einfacher. Mittlerweile ist ein Ehepaar eingezogen, von dem der Mann die englische Sprache beherrscht. Das macht man sich zu eigen und man hofft, dass dadurch die Kommunikatin besser wird.

Die syrischen Familien sind im Ort gerne gesehen. Viele Ergenzinger bezeichnen sie als freundlich und höflich. Ihren Teil dazu tragen auch die Kinder bei. Sie scheinen schon angekommen zu sein und wenn man am Haus der Bewohner in der Königsberger Straße vorbeigeht, schallt einem des Öfteren ein herzliches Hallo entgegen. Drei der Kinder gehen in den evangelischen Kindergarten, ein Kind besucht die Schule und hat auch am Kinderferienprogramm teilgenommen.

Am Samstagnachmittag hatte der Freundeskreis Asyl in Ergenzingen zu einem Nachbarschaftskaffee in den Saal unter der Christuskirche eingeladen. Irmgard Kussauer konnte im Lauf des Nachmittages gut und gerne an die 30 Personen, darunter auch Pfarrer Timo Stahl und Schwester Renate Kober von der Liebfrauenhöhe, nebst Nachbarsfamilien und Bürgern aus dem Ort willkommen heißen.

Dabei durften sich die syrischen Familien fast als Gastgeber fühlen. Von dem wenigen, was ihnen zur Verfügung steht, hatten sie ein tolles syrisches Büfett auf den Tisch gezaubert und mit einem "Guten Appetit" – natürlich auf Deutsch – wurde die Tafel eröffnet, von der die Besucher gerne Gebrauch machten.

Auch die Kinder der Flüchtlinge standen im Mittelpunkt. Sie präsentierten ein von Irmgard Kussauer einstudiertes Tänzchen und durften dafür viel Beifall entgegen nehmen. Künftig, so ist es geplant, wollen der Freundeskreis Asyl und die Liebfrauenhöhe enger kooperieren. Die Frage, ob die Schönstätter Marienschwestern weitere Flüchtlinge aufnehmen werden, verneinte Schwester Renate Kober. "Wir sind am Ende unserer Möglichkeiten", sagte sie.