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Rottenburg Strobl greift AfD, FDP und Linke an

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Innenminister Thomas Strobl (CDU) beim Jahresempfang der CDU Rottenburg Foto: Lück

Rottenburg - Humorvoll, empathisch, klare Kante und eine Perspektive. So präsentiert sich Vize-Ministerpräsident und CDU-Landeschef Thomas Strobl beim Jahresempfang seiner Partei in der Zehntscheuer.

Den ersten Lacher holt Strobl gleich am Anfang: "Danke für die freundliche Begrüßung. Und das bei der CDU!" Dann setzt er den nächsten an. Der Innenminister: "Ich freue mich, dass der OB aus Rottenburg noch unter uns ist." Denn Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher hat Chancen, OB-Kandidat von Stuttgart zu werden (wir berichteten).

Innenminister Strobl: "Was lachen sie denn? Vom Schmotzigen bis Aschermittwoch haben die Narren das Sagen im Rathaus!"

Fiktion oder schon Realität?

Dann wird der Landeschef der CDU ernst: "Meine Frau ist im Filmgeschäft und produziert die Serie Babylon Berlin. Die neuen Folgen spielen Ende 2034: Es gibt Großkapitalisten, die den Staat verachten und Nazis, die überlegen, wie sie den Staat destabilisieren können. Das sollte man im Hinterkopf haben, denn das neue Jahr hat für mich nicht gut angefangen. Genau vor einer Woche war die Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen. Der Rottenburger Eugen Bolz hat gesagt: ›In Württemberg wird weder rechts noch links regiert, sondern vernünftig.‹ Mein größter politischer Irrtum war, dass ich gedacht hatte, dass Antisemitismus und Nazis in Deutschland keine Rolle mehr spielen. Jetzt sitzen sie im Landtag direkt neben mir."

Die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) auch mit Stimmen der AfD in Thüringen und die ersten Gratulationen aus der Landes-FDP – für Strobl unglaublich: "Klaus Kinkel und Hans-Dietrich Genscher würden sich im Grabe umdrehen. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke hat Kemmerich als zweiten liberalen Ministerpräsidenten der Nachkriegsgeschichte gratuliert. Der erste MP war Reinhold Maier im Ländle. Der litt unter den Nazis wie ein Hund. Unter dem Druck der Nazis musste er sich von seiner Frau Gerta scheiden lassen, die nach England floh. Maier im Zusammenhang mit Kemmerich zu erwähnen, halte ich für sehr geschichtsvergessen. Das hat mich sehr erschüttert!"

Noch klarer abgrenzen

Für Strobl klar: "Vielleicht hat das Ganze auch etwas Gutes: Ich werde jedenfalls mit noch mehr Entschiedenheit und ohne Toleranz dafür eintreten, dass es eine Zusammenarbeit von christlichen Demokraten und einer Partei mit Nazis, Antisemiten und Rassisten nicht geben darf. Das ist ein No-Go!"

Das gilt auch für die Linke. Strobl: "Als es die DDR noch gab, bin ich einmal im Jahr eine Woche dort rüber gefahren. Nicht nur nach Ostberlin. Bautzen, das Stasi-Gefängnis Oberschönhausen – das war eine Diktatur. Und die Linke ist die Nachfolge-Organisation der SED. Der Partei, die das zu verantworten hat."

Klare Kante. Und eine klare Perspektive. Strobl: "Der Markt muss bei der Mobilität entscheiden, was gewünscht wird. Die Politik kann und sollte das nur begleiten. Ich plädiere hier für absolute Technologieoffenheit. Ich halte nichts davon, jeden Tag die E-Mobilität mit grüner Hybris hochzuloben oder wie die FDP zu verteufeln. Möglicherweise ist sie das passende Modell für Innenstädte. Doch Lastkraftwagen mit Batterie –­ kann ich mir schwer vorstellen im Fernverkehr. Die Batterie ist so schwer, dass keine Last mehr drauf passt. Autos werden ohnehin weiter gebaut. Ich bin dafür, dass möglichst viele dort gebaut werden, wo sie auch erfunden wurden –­ in Baden-Württemberg."

Strobl betont, dass das Ländle weiterhin die innovativste Region in ganz Europa sei: "Sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden bei uns in Forschung und Entwicklung gesteckt – das zeigt, die CDU in der Mitregierung stellt die Weichen richtig." Dazu trage auch der von ihm als Minister für Digitalisierung forcierte Breitbandausbau bei. Strobl: "Als ich 2016 gesagt habe, dass auch der letzte Schwarzwaldhof schnelles Internet haben muss, haben einige geschmunzelt. Letzten Freitag habe ich wieder 148 Förderbescheide in Höhe von 92 Millionen Euro vergeben. Und Bürgermeister haben mir gesagt: Jetzt gibt es wieder 27 Schwarzwaldhöfe, die Glasfaser bekommen."

Dann ist der offizielle Teil vorbei und die Fragestunde beginnt. Ein Zuhörer will wissen, warum Strobl nichts von Ökologie erzählt hat. Der CDU-Landeschef: "In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass wir diese Herausforderungen durch den technologischen Wandel gelöst haben. Wir in Baden-Württemberg sind dabei besser als andere. Wenn wir es schaffen, auch in der Umwelttechnologie führend zu sein, ist das ein Zukunftsmarkt. Das haben viele in den Unternehmen erkannt."

Eine Frau will wissen, was Strobl vom Bildungssystem hält. Weil immer mehr Kinder auf internationale Schulen geschickt werden.

Strobl: "Verschiedene Schulformen sind gut, weil die Menschen verschieden sind. Wichtig ist, dass auch die berufliche Bildung genauso wichtig wie das Studium bleibt. Ein fleißiger Handwerker verdient inzwischen mehr als ein Ministerle in Stuttgart –­ und das ist auch gut so. Aus meiner Sicht ist eine exzellente Grundschulbildung das wichtigste. Im Gegensatz zum Ministerpräsidenten glaube ich, dass es absolut wichtig ist, dass die Kinder mit zehn Jahren gut rechnen und schreiben können. Das ist die Basis für alles. Deshalb kann man die Arbeit der Grundschul-Pädagogen nicht hoch genug bewerten."

Eigentlich ist der offizielle Teil jetzt vorbei. Doch Armin Schneider, Ortsverbandsvorsitzender, lässt "Das Sextett" noch ein Abschlussstück spielen. Schneider erwähnt, dass die Band in Altenheime und Krankenhäuser geht, um dort die Menschen zu erfreuen. Strobl geht auf die Bühne und schüttelt den Musikern die Hand: "Danke, dass ihr den Alten und Kranken eine Freude macht, indem ihr bei ihnen spielt."

Der Besuch von Strobl zum Jahresempfang: menschlich, klare Kante und Humor. Immer wieder bringt Strobl Bezüge zu Rottenburg wie Eugen Bolz oder den Neckar, der seine Heimatstadt Heilbronn und die Bischofsstadt verbindet.

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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