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Rottenburg Rund 600 Demonstranten für den Erhalt

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Eine Menschenkette bildeten rund 600 Demonstranten vom Schlachthof zum Marktplatz.Fotos: Baum Foto: Schwarzwälder Bote

Die Debatte um den Erhalt des Rottenburger Schlachthofes fand am Samstag ihren vorläufigen Höhepunkt. Hunderte Menschen bildeten am Vormittag eine Menschenkette vom Schlachthof bis zum Rottenburger Marktplatz. Zudem gab es auf dem Marktplatz eine einstündige Kundgebung, an der ebenfalls einige hundert Menschen teilnahmen.

Rottenburg. Aufgerufen hatte zur Demonstration und zur Kundgebung die "Initiative zum Erhalt des Rottenburger Schlachthofes". Der BUND beteiligte sich an der Menschenkette ebenso wie einige Stadträte sowie Bürger, die den Vorstoß der Initiative für Faires Fleisch gut heißen. Kritik wurde am Gemeinderat und an der Verwaltungsspitze laut, die mehrheitlich für dem Bau eines neues Regional-Schlachthofes sind.

Gregor Rauser als einer der Organisatoren der Initiative "Fair und Regional" betonte bei der Kundgebung auf dem Marktplatz, dass sich "Fair und Regional" für den Erhalt des Schlachthofes als denkmalgeschütztes Gebäude und als Schlachtstätte einsetzt. Zudem soll eine regionale Erzeugung von Lebensmitteln erhalten und unterstützt werden. Auch fordert die Initiative den Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe, insbesondere der klein strukturierten, die zur Erhaltung der Biodiversität in der gewachsenen Kulturlandschaft beitragen. Kurze Wege zum Schlachthof seien für die Metzger wichtig, um Tiere schonend schlachten zu können. Gregor Rauser rief die Bürger auf, ihm und der Initiative Ideen mitzuteilen, wie der Schlachthof erhalten werden kann.

Klaus Weber als einer der Redner sprach ebenfalls bei der Demonstration und forderte den Erhalt des Rottenburger Schlachthofes, der der Massentierhaltung entgegenwirke, mit all ihren negativen Auswirkungen. Die regionalen Schlachthöfe in Rottenburg, Balingen und Metzingen müssten erhalten werden. "Der Rottenburger Schlachthof hat außergewöhnlich viele Zulassungen und Leistungsangebote. Daher kann er individuell wesentliche Leistungen auch für Nebenerwerbslandwirte und private Tierhalter anbieten. Dies kann auch Gärtringen nicht abdecken", so Weber. Erschrocken habe er erfahren, "dass rund 30 Prozent der Metzger und die Selbstvermarkter die Schafhaltung, Schweine- und Rinderaufzucht einstellen müssten ohne den Rottenburger Schlachthof".

Bei den Schafhaltern betreffe das praktisch alle größeren Betriebe der Umgebung und auch die Privathalter. "Der Mehraufwand ohne den Schlachthof vor Ort macht die Tierhaltung vollends unlohnend." Arbeiten und zuzahlen sei niemand zuzumuten.

Die rund 600 Demonstranten applaudierten immer wieder und unterstützten die Redner. Klaus Weber erklärte, dass die Berechnungen immer davon ausgegangen seien, dass ein neuer Schlachthof teurer wird als die Sanierung des alten. "Jetzt soll plötzlich ein neuer Schlachthof billiger sein." Bemerkenswerterweise habe sich die Stadtspitze am Donnerstag geweigert, einen Kostenvergleich und eine Vergleichsplanung für Alt- und Neubau durchführen zu lassen. Ein Neubau führe nicht zuletzt zu einer Flächenversiegelung, die dann als landwirtschaftlicher und Naturraum fehlt.

Stefan Ruge von der Hochschule für Forstwirtschaft war einer der Redner bei der Kundgebung. Er sprach darüber, welchen Einfluss die gewachsene Kulturlandschaft und deren Erhaltung auf die Tierhaltung haben. Ruge ging auf die geschichtlichen Hintergründe der zunächst extensiven Beweidung mit Rindern, Pferden, Schafen, Ziegen und Schweinen ein. Hieraus habe sich ein abwechslungsreiches Mosaik mit Biotopen und Biohabitaten entwickelt sowie eine Vielzahl an ökologischen Nischen, die in der Folge zu einer sehr großen Artenvielfalt und Biodiversität führten. Erst mit dem Beginn der intensiveren Landwirtschaft und einer Ausräumung der Landschaft sowie dem Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden nahm die Artenvielfalt wieder ab, mit einer Beschleunigung ab den 70er-Jahren.

Ruge ging auf den Rückgang der Artenvielfalt und auf das Aussterben zahlreicher Tierarten ein. Er zeigte auf, welche Vorteile die extensive Beweidung von landwirtschaftlichen Flächen hat, etwa für den Hochwasserschutz, die Wasserfilterung oder die Förderung der Artenvielfalt und den Klimaschutz. "Leider gibt es heute kaum noch weidende Nutztiere in unseren Landschaften", kritisierte Ruge. Dies habe viel mit der eventuellen Schließung des Schlachthofes zu tun. "Für viele kleinbäuerliche Betriebe und Nebenerwerbslandwirte wird sich der Viehtransport zum 30 Kilometer entfernten Gärtringen nicht mehr lohnen, viele haben schon angekündigt, dann aufzuhören." Denn es bleibe dann für den betroffenen Landwirt nicht bei der Strecke von 30 Kilometern – das Fleisch muss auch noch abgeholt werden, so dass sich alles zu 120 Kilometern aufsummiert. "Bei einer mittleren Transportentfernung nach Rottenburg von fünf Kilometern ergeben sich insgesamt für die vier Fahrten 20 Kilometer, also ein Sechstel der Strecke nach Gärtringen."

Der Stress, den die Tiere bei einer längeren Fahrt haben, führe zu einer höheren Adrenalinausschüttung und damit zu einer schlechteren Fleischqualität. Ruge: "Die Verlagerung des Schlachthofes an einen entfernteren Ort mit einer größeren Einheit ist ein erster Schritt weg von der regionalen Nutztierhaltung und entweder hin zu einer intensiveren großflächigeren Landwirtschaft oder zur Verbuschung der Landwirtschaft und damit dem Verlust von Lebensräumen."

Die größeren Transportentfernungen würden auch zum Klimawandel beitragen. Das Argument der Geruchsbelastung durch den Schlachthof greife nicht, da Schlachtabfälle in Kühlräumen gelagert werden können. Ruge sprach sich gegen einen eventuellen Neubau in der Region aus, da dann mehr Fläche versiegelt werde. Es gelte, global zu denken und regional zu handeln. Die kleinbäuerliche Struktur und damit den Rottenburger Schlachthof zu erhalten, trage zum Erhalt der Kulturlandschaft und Biodiversität bei.

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