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Rottenburg Nach Wolfs-Sichtung Angst um Schafe

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Tierfreundin Sonja Saile mit ihren Schafen und Ziegen: Sie sorgt sich, dass der Wolf nach seinem ersten "Besuch" am Montag bald wiederkommt. Foto: Lück

Rottenburg-Bad Niedernau - "Die Angst ist jetzt da, dass er jede Nacht kommt." Das sagt Sonja Saile. In der Nacht von Montag auf Dienstag hat ihre Wildtierkamera den Wolf aufgenommen –­ wie er rund um das Schafsgehege herumschleicht.

Was für ein Schock für die Sailes! Seit 22 Jahren züchten sie Schafe und Ziegen. Mit 80 bis 100 Muttertieren hoch oben über dem Ort. Am Dienstagfrüh dann der Schock: Beim Auswerten der Wildtierkamera am Schafsgehege ist deutlich ein Wolf zu sehen. Sonja Saile: "Man sieht, wie er am Gehege auf und ab geht, immer wieder rüberschaut!" Doch der Wolf – noch traut er sich nicht, an die Herde ranzugehen. Saile: "Vor Jahren wurde schon mal ein Schaf auf der Weide angefallen – seitdem haben wir dort einen Elektrozaun. Das hat sich als sehr praktisch erwiesen –­ teilweise haben Wanderer einfach Lämmer für ihre Kinder rausgeholt oder freilaufende Hunde sind die Schafe angegangen!"

Doch seitdem der Wolf auf ihrer Wildtierkamera an der Schafweide gefilmt und fotografiert wurde, hat sich für die Sailes alles verändert.

Mann Armin ist krankgeschrieben, und so hat Sonja den Stress, die Schafe zu schützen. Sie sagt: "Ich habe den Elektrozaun um die Weide noch enger aufgestellt, damit die Stromspannung höher ist und der Wolf – falls er gegen den Zaun kommt –­ hoffentlich deutlich abgeschreckt wird!" Das erhöhe zwar die Wahrscheinlichkeit, dass der Wolf, falls er durchbricht, in der Herde mehr Schaden anrichten kann. Schafzüchterin Sonja Saile: "Aber was will man machen? Ich denke, die größtmögliche Abwehr bringt am meisten!" Auch um den eigentlichen Stall hat Saile noch einen extra Elektrozaun gezogen –­ Abschreckung gegen den Wolf! Diese zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen sind auch notwendig, um Ausgleichszahlungen zu erhalten, falls das Raubtier doch noch Schafe reißen sollte.

Sicherungsmaßnahmen verstärkt

Sonja Saile sagt: "Als der Wolf im Landkreis Calw gesichtet wurde, haben wir noch einmal die Sicherungsmaßnahmen verstärkt. Weil das Wolfsgebiet knapp bei uns endet. Aber ich hätte nie gedacht, dass bei uns wirklich ein Wolf auftaucht."

Wann das Tier genau von der Wildtierkamera erfasst wurde, kann die Tierfreundin nicht sagen: "Leider war in der Kamera das falsche Datum und die falsche Uhrzeit gespeichert. Doch gestern war der Wildtierbeauftragte da – er hat Vergleichsfotos gemacht."

Und: Die Wolfssichtung von Bad Niedernau ist auch als offizieller "C1-Nachweis" auf der Homepage des Umweltministeriums Baden-Württemberg gelistet. "In der Tabelle sind die C1-Nachweise in Baden-Württemberg aufgeführt, da nur diese die Anwesenheit eines Wolfes zweifelsfrei bestätigen", heißt es auf der Internetseite des Ministeriums.

Ist das der Wolf, der am 24. Januar in Bad Wildbad sieben Schafe von Karl-Otto Hagenlocher gerissen hat? Dieses Raubtier hat die Bezeichnung "GW852m" und stammt aus dem Schneverdinger Rudel aus Niedersachen. Davor war dieser Wolf am 18. Januar in Gernsbach (Kreis Rastatt) nachgewiesen worden. Die Spur von Wolf "GW852m" zieht sich durch Oppenau (29. Oktober), Forbach (19. Oktober) oder auch Baiersbronn (9. Mai 2019) –­ also rund um den Nationalpark.

Allerdings: In der selben Nacht –­ also vom 24. auf den 25. Februar –­ soll ein Wolf in Baiersbronn gesehen worden sein. Das Umweltministerium kann diese Sichtung bisher nicht bestätigen.

Sailes bangen um ihre Tiere

Fakt ist: Die Sailes bangen jetzt um ihre Tiere. Sonja Saile: "Schlaf findet man keinen. Wenn man weiß, der Wolf ist da, dann kann man nachts nicht schlafen. Ich fahr immer mal wieder raus, um mit der Taschenlampe an der Weide nachzuschauen. Ich hoffe, dass sich die Angst in der nächsten Zeit wieder legt. Das ist auf Dauer eine Riesen-Belastung."

Bisher freuen sich die Sailes an ihren Tieren. Sonja zeigt auf die Weiden: "Sehen sie, die Streuobstwiesen, die Ziegen, die Schafe. Wir machen damit auch die Landschaftspflege auf der Weilerburg. Aber es wird immer schwieriger: Jede Menge Bürokratie –­ und der Schlachthof in Rottenburg soll auch geschlossen werden. Wir bringen unsere Tiere selbst dort hin –­ die haben dann keinen Stress. Aber wenn der geschlossen wird und Tiere nur noch zur Ware werden und durch halb Europa gekarrt werden –­ das Spiel spielen wir nicht mehr mit!"

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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