"Die Traufgängerinnen" konnten sich den ersten Platz beim Sebastian-Blau-Preis für schwäbische Mundart sichern.Foto: Jansen Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Sebastian-Blau-Preis für schwäbische Mundart geht an "Die Traufgängerinnen"

56 Bewerber wollten den Sebastian-Blau-Preis für schwäbische Mundart bekommen – acht von ihnen haben es ins Finale geschafft. Nun zeigten sie in der Festhalle mit jeweils zwei Songs ihr Können, um die Jury zu begeistern und den Gewinn nach Hause zu tragen.

Ro t tenburg . Besonders viel Publikum hatten die Künstler in der Festhalle nicht. Noch am Freitag mussten etwa neunzig Gäste ausgeladen werden, um die Corona-Beschränkungen einhalten zu können, erklärt Wolfgang Wulz vom Verein für schwäbische Mundart. Es sei "bloß ein Geisterspiel". Jedoch: "Spielt für die Welt", bittet Moderator Pius Jauch. Denn die Preisverleihung wurde vom SWR aufgezeichnet.

Gleich zu Beginn sorgten die "Gäumoggel" für Partyfeeling im Raum. "Festzelttaugliche Partymusik in schwäbischer Mundart", beschreiben sie ihren Stil – und dem bleiben sie treu. Mit Schlagzeug, Posaune, Gitarre und Quetsche legen sie eine Darbietung vor, bei der die Zuschauer mitwippen und mitklatschen.

Mundart und Rap – das schließt sich nicht aus. Das Trio Hoodlyn fährt ein DJ-Mischpult auf und rappt in reinem Schwäbisch.

"Oprofessionel", heißt das zweite Stück der Band Subber Sach, die mit Gitarre, Klarinette und Kontrabass auftritt. "Das ist irgendwie unser Credo", erklärt Gitarrist Tim Heumesser. Vorgetragen wird es dann aber in makellosem Schwäbisch: "Du bisch liedrig, du bisch lumpig, für dich isch jeder Dag en Sonndich", besingen sie eine absolut "unprofessionelle" Person. Das kommt an. Am Ende geht die Band mit dem dritten Platz in den Abend. "›Subber Sach‹ steht für ›sich selbst nicht so wichtig nehmen‹", heißt es später in der Laudatio.

Zumindest am Anfang alleine auf der Bühne stand Elena Seeger mit ihrer Gitarre. Sie spricht nicht nur Schwäbisch, sondern präsentiert auch gleich die schwäbische Eigenschaft schlechthin: Sparsamkeit. "Finanzminimalist" heißt ihr erstes Stück. Humorvoll erzählt sie von Kosten und Überlegungen über Sparmöglichkeiten. Für den zweiten Song hat sie ihren Vater, ihre beiden Brüder und einen Freund als Backgroundsänger verpflichtet – und macht ihr zweites Stück zum Familienprojekt. "Der Swing kommt ganz aus dem schwäbischen Sound", wird in der Laudatio gelobt. Elena Seeger verstehe ihr Handwerk.

Der erste Platz ging an "Die Traufgängerinnen" von der Alb. Besonders gelobt wird das Lied "Julius" über den geliebten Großvater. Der ist schweigsam und spricht nicht über seine Vergangenheit. Bei Beginn des Lieds wird ein Bild enthüllt, von einem jungen Mann. "Stolzer Blick, wie en Graf mit Geld", beschreibt das Lied ihn "hat noch nichts g’sehen von der Welt". Das ändert sich, als 1914 der erste Weltkrieg ausbricht und er den Marschbefehl erhält. Moderator Pius Jauch erklärt in seiner Laudatio, wie das Lied den Großvater als geliebten Menschen ansieht, unabhängig davon, wie seine Vergangenheit ausgesehen haben mag – er wird in Schutz genommen und einfach als Großvater betrachtet.

Erstmals wurde zusätzlich ein Internetpreis vergeben. Vorab konnten Internetnutzer für ihren Favoriten abstimmen. Hier haben die Gäumoggel überzeugt.

Doch auch die Künstler ohne Auszeichnung können sich über eine kleine Anerkennung freuen: Man könne ihnen 300 Euro zusagen. Gedacht seien diese als Aufwandsentschädigung. "Man kann sagen, dass jeder, der heute spielen durfte, geehrt ist", so Jauch.