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Rottenburg Kindergrab in Wurmlingen bleibt mysteriös

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Die weiteren archäologischen Grabungen schließen unmittelbar an den kürzlich untersuchten Bereich am Ortsausgang von Wurmlingen an. Die Arbeiten sollen am Montag beginnen. Foto: Begemann

Rottenburg-Wurmlingen - Welche archäologischen Schätze schlummern im Wurmlinger Erdreich? Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart ist sich sicher, dass noch weitere Siedlungsbefunde auf die Archäologen warten, die dort ab Montag wieder graben. Möglicherweise existieren noch mehrere unentdeckte Gräber.

Erst im September präsentierten das Landesamt für Denkmalpflege und die Tübinger Archäologiefirma ArchaeoConnect die Funde auf dem Grundstück, wo das neue Wurmlinger Feuerwehrhaus westlich der L 372 am Ortseingang gebaut werden soll. Die Archäologen waren auf Erdverfärbungen gestoßen, die von Pfosten ebenerdiger Holzgebäude und mehrerer Grubenhäuser stammen und die wohl als Werkstätten und Vorratskeller genutzt wurden. Auch Brunnen und Abfallgruben kamen zum Vorschein.

Rätsel gibt den Wissenschaftlern nach wie vor ein Kindergrab auf, das das Skelett eines größeren Kindes oder eines Jugendlichen enthielt. Auch ein vollständig erhaltenes Hirschskelett wurde gefunden.

Es bleibt weiterhin spannend

Da in dem Kindergrab keine Beigaben gefunden wurden, wird das Alter des Skeletts derzeit in einem Labor mit Hilfe einer C14-Datierung ermittelt. Nach Angaben von Lisa Schlager, Sprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart, liege das Ergebnis des naturwissenschaftlichen Datierungsverfahrens noch nicht vor.

Es bleibt auch weiterhin spannend, was Archäologen noch im Erdreich am Ortsrand von Wurmlingen finden. Denn ein zweiter Grabungsabschnitt wird ab kommendem Montag untersucht. Die erneuten Grabungen werden nach Angaben der Stadt Rottenburg wohl bis zum Frühjahr dauern und rund 210.000 Euro kosten. Schlager sagt dazu: "Die Grabungen im zweiten Abschnitt schließen nordwestlich an den jetzt untersuchten Bereich an und werden voraussichtlich ab 21. Oktober von einer Fachfirma (ArchaeoConnect, Anm. d. Red.) durchgeführt. Bei Voruntersuchungen im Herbst 2018 wurden hier Befunde einer Siedlung entdeckt. Auf Grund der Struktur der Befunde und des Fundmaterials kann die Siedlung in die eisenzeitliche Latènezeit – ab circa 450 v.Chr. bis zur Zeitenwende – datiert werden. Es sind weitere Siedlungsbefunde zu erwarten, unter anderem Hausgrundrisse, oder auch Gruben."

Möglicherweise weitere Gräber vorhanden

Und wie sieht es mit weiteren Gräbern aus? Ein einzelnes Kindergrab erscheint aus heutiger Sicht ungewöhnlich. Schlager erläutert, welche Theorien zu dem einzelnen Grabfund denkbar sind: "Die Entdeckung eines einzelnen Grabes kann unterschiedliche Gründe haben. Das Grab liegt am Rand des Grabungsareals und möglicherweise befinden sich weitere Gräber außerhalb der Grabungsfläche.

Da dort bereits Bebauung besteht und aktuell keine Baumaßnahmen anstehen, werden in diesem Bereich aktuell keine weiteren Grabungen stattfinden. Die Erhaltung archäologischer Befunde ist zudem von verschiedenen Faktoren abhängig. Es ist unter anderem denkbar, dass durch jahrhundertelanges Pflügen in diesem Bereich weitere Gräber unerkannt zerstört wurden. Weiterhin gibt es immer wieder Beispiele von vereinzelt liegenden Bestattungen, auch im Bereich von Siedlungen."

Das Kindergrab in Wurmlingen bleibt mysteriös. Ist es gar älter als bisher angenommen? Die Archäologen vermuten bisher, dass es aus dem Frühmittelalter stammen könnte. Es handelt sich um ein Hockergrab.

Zusammenhang zwischen Wurmlingen und Pfäffingen?

Das heißt, das Skelett wurde mit angewinkelten Beinen und Armen in einer Art Schlafposition gefunden. Vor wenigen Tagen haben Archäologen auch in Ammerbuch-Pfäffingen ein Hockergrab entdeckt. Dort wurde eine 30- bis 40-jährige Frau aus der frühen Jungsteinzeit entdeckt. Laut Laboranalyse ihrer Knochen muss sie etwa 5200 vor Christus gestorben sein.

Ist ein Zusammenhang zwischen den Funden in Wurmlingen und Pfäffingen denkbar? Schlager sagt: ­ "Ein Zusammenhang kann hier zunächst nicht hergestellt werden. Es handelt sich sowohl in Pfäffingen als auch in Wurmlingen um Hockergräber, also um auf der Seite liegende Personen mit angezogenen Beinen und Armen. Menschen wurden allerdings über Jahrtausende in dieser Haltung bestattet. Ein zeitlicher Bezug kann somit aufgrund dieser Tatsache nicht hergestellt werden. Die Bestattung aus Pfäffingen konnte mit Hilfe eines naturwissenschaftlichen Datierungsverfahrens (C14-Datierung) auf 5200 vor Christus datiert werden in die sogenannte Bandkeramische Kultur, benannt nach der typischen Verzierung auf der Keramik."

Bis weitere Aussagen zu einer zeitlichen Verbindung zwischen den Funden in Wurmlingen und Pfäffingen getroffen werden können, muss also das Ergebnis der C14-Datierung an dem Wurmlinger Skelett abgewartet werden.

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