Einer der Höhepunkte beim großen Brauchtumsabend der Ergenzinger Narren waren "s’ Mariele ond Kathree" (Gabi Schall und Nadine Schweinbenz), die sich getreu dem Motto "Bella Italia" mit dem Motorrad auf in den sonnigen Süden machten.Fotos: Ranft Foto: Schwarzwälder-Bote

Beim Brauchtumsabend werden allerlei Nägel reingehauen / Großer Bahnhof für Klaus Ranft / Per Gondel über den Katzenbach

Rottenburg-Ergenzingen (era). Allererste Sahne war der große Brauchtumsabend der Ergenzinger Narren in der prächtig – dem Motto "Bella Italia" entsprechend – herausgeputzten Breitwiesen-Halle.Gut und gerne drei Stunden lang boten die Akteure Brauchtum, Show und Unterhaltung vom Feinsten. Nach dem Einmarsch der Narren war es zunächst die Junioren-Tanzgruppe, die zum Titel "Singing in the rain" über die Bühne wirbelte und für einen Augen- und Ohrenschmaus sorgte.

Die Originale Halag und Naze (Markus Brendle und Johannes Baur) liefen zur Hochform auf und sorgten mit ihren Anekdoten für zwerchfellerschütterndes Lachen. So erfuhr man unter anderem, dass die Kirche bei der Investitur von Pfarrer Klaus Rennemann nur deshalb halb voll gewesen sei, weil er ja auch nur eine 50-Prozent-Stelle habe.

Nicht durch die Lagunenstadt Venedig, aber auf dem "Katzabach" durch "Kleinparis" schipperten die Gondoliere um Angelika Werth. Die Sängerinnen und Sänger brachten gar manches Missgeschick von Italienurlaubern der vergangenen Jahre ans Tageslicht. Sein Comeback auf der Narrenbühne feierte dabei der frühere Zunftboss Armin Geke, der sich krankheitsbedingt rar gemacht hatte. Dass der sangesfreudige Narr wieder unter seinesgleichen war, erfüllte alle im Saal mit besonderer Freude.

Als freche Berliner Göre entpuppte sich Ingeborg Wipper, die betonte, sich in Ergenzingen wohl zu fühlen. Die "Berliner Schnauze" hörte, einmal in Fahrt gekommen, allerdings nicht mehr auf und überzog den zeitlichen Rahmen, was beim Publikum letztlich auch das Interesse schmälerte.

Die beiden Ulknudeln Mariele und Kathree (Gabi Schall und Nadine Schweinbenz) machten sich gar mit dem Motorrad auf in den sonnigen Süden, suchten dort angekommen mit dem Feldstecher den Strand ab und fanden schließlich auch den ersten Bürgermeister Volker Derbogen nebst OB Stephan Neher. Die beiden verkörperten Witz und Humor und setzten die Pointen gewohnt gestochen scharf. Das war einmal mehr eine gelungene Darbietung, die mit lang anhaltendem Beifall endete.

Mit dabei waren wieder die Jugendlichen vom "Treffle". Sie brachten die Glocken von Rom ins Narrenspiel und kamen um eine stürmisch geforderte Zugabe nicht herum.

Für die große Politik war einmal wieder Oldtimer Klaus Ranft zuständig. Er wusste in der Rolle eines Italieners, der zu Wirtschaftswunderzeiten ins Ländle gekommen war, zu gefallen. Unter anderem empfahl er, die Fakultät Bayreuth zu schließen, bevor der Karle Ruoff sich auch noch einen Doktortitel hole. Die vielen Ehrenarrenräte betreffend stellte er fest: "Die habet jo jetzt mehr von diese, als wie die, die schaffe müsse". Für den langjährigen Akteur war es nach 30 Bühnenjahren am "Schmotzigen" der letzte Auftritt. Zunftmeisterin Gabi Schall würdigte Ranfts Verdienste um diesen Brauchtumsabend mit Dankesworten und einer Ehrenurkunde. Seine Kinder Stephanie und Manuel versüßten ihm den Abschied von der Bütt mit einer wohlgereimten Rede.

Das traditionelle Gericht der Lausbühlhexen wurde in diesem Jahr zu einem Possenspiel. Eigentlich sollte sich Rottenburgs erster Bürgermeister Volker Derbogen verantworten. Das tat der dann auch, die Strafe in Form eines Hexenstempels auf dem Bauch, bekam allerdings ein anderer, nämlich Klaus Ranft, der den Angeklagten vorher publik gemacht hatte. Derbogen jedenfalls kam mit einem blauen Auge davon und zeigte sich dafür in der Bar spendabel, was die Lausbühlhexen zu honorieren wussten.

Einen tollen und geschichtsträchtigen Auftritt präsentierte die Showtanzgarde. Die Gladiatorinnen bestachen durch Choreografie, Einklang und Akrobatik, was lang anhaltenden Beifall zur Folge hatte. Der traditionelle Tanz der Narrenräte und ein großes Finale rundeten das Programm ab, das vom Mühlbachtrio musikalisch umrahmt wurde.

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