Bei gutem Wetter "schwätzt" es sich besser. Dazu kam am Wochenende noch ein Höchstmaß an musikalischer und komödiantischer Unterhaltung. Fotos: Baum Foto: Schwarzwälder-Bote

Der Schwäbische Dialekt wird am Wochenende zum Zentrum des kulturellen Lebens in Rottenburg

Von Angela Baum

Rottenburg. "Ha dees isch aber schee", meinte eine Besucherin aus Esslingen, die eigens zu den Heimattagen und "Baden-Württemberg schwätzt" nach Rottenburg gekommen war. Mit dem Zug, klar, denn das geht allemal schneller – und man hat dann nicht Probleme mit dem Parken. Recht hatte sie: Etliche der Parkhäuser in Rottenburg waren am Samstag komplett belegt. Es war ein multikulturelles Miteinander – für alle Generationen.

Mundart-Unterhaltung an sieben Standorten

Viele kamen in Gruppen, und wer alleine kam, traf vielleicht Freunde oder Bekannte. Alleine blieb keiner, jeder fühlte sich im Städtle wohl.

Viele ließen sich den Spaß mit Heinrich DelCore, der mit schwäbischer Comedy die Lachmuskeln strapazierte, und Ernst Mantel nicht entgehen. Mantel war für den Blues zuständig, mit seinem Goschenhobel und der Gitarre vermochte er es, gegen Comedian Heinrich DelCore zu punkten. Der hatte zwar keine Gitarre dabei, dafür aber sein unverschämt freches Mundwerk und etliche Instrumente – etwa eine Spaghettizange mit Gebiss. Der ehemalige Zahntechniker – so recht wollte man es dann wirklich nicht glauben – überzeugte mit Sprachwitz und rasantem Zungenschlag. Erzählte von seinen Kids, denen er ab und an über Facebook Nachrichten schickt – dem Sohn etwa eine, dass er sein Zimmer aufräumen soll. Und erfährt dabei, dass dieser nicht mehr Zuhause wohnt. Ja, mit der langen Kneipennacht ging es los – am Freitagabend. Bespielt wurde das ganze Städtle: Im Hirsch waren die Gluzger, im Stanis die "Bisinger Brettle". Hier war kein Durchkommen mehr, und auch in der Cafébar war volles Haus mit "Schwobarock." Vor dem Haus am Nepomuk war am Neckarufer Ofuag zugange.

Am Samstag lockte die Mundart-Meile an sieben Standorten: In der Kirchgasse etwa gab’s ein tolles Kinder-Mitmachprogramm. Hier spielten Vladislava und Christof Altmann, "heute feiern wir ein Fest" – das war nicht nur das Motto der "Kinderstars." Ja, die ganze Stadt war in Festlaune: Man wusste gar nicht, wo anfangen. Denn derart vielfältig war das Angebot, dass man unmöglich alles und jeden erleben konnte.

16 Uhr: Dietlinge Elsässer, Bernhard Bitterwolf oder die "Böhmische Schwoba?" Ja, oder bei evangelischen Gemeindezentrum Rottenburger Eigengewächse erleben?

Auf dem Marktplatz saß man an Biertischen beisammen. Oder stand am Getränkebrunnen und direkt vor der Bühne. Hier garantierten musikalische Top-Acts wie "Wendrsonn" oder "Grauers Rock" fantastische Erlebnisse. Und wem es vielleicht direkt vor der Bühne zu laut war, der hatte die Möglichkeit, sich entweder im hinteren Bereich ein lauschiges Plätzchen zu suchen oder schwäbisches Kabarett und Liedermacher der feinsten Sorte zu erleben. In der Spitalkelter boten die "Sieba Schwoba" schwäbische Mundart par excellence.

"Sieba Schwoba" ist ein Veranstaltungsformat des Vereins "schwäbische mund.art e.V", dabei treten drei oder vier, und in Rottenburg gleich acht Mitwirkende aus dem Kreis der Vereinsmitglieder auf. Roland Buggle etwa agiert frei nach der Devise "Dialeggd isch ebbes fir’d Ohra".

Zum Abschluss rocken die "Wendrsonn"

Mit ihm standen Größen wie der schwäbische Blues-Rocker Johann Hahn oder Klaus-Dieter Reichert auf der Bühne. Hintergründig und pointenreich war auch der Auftritt von Rolf Pressburger – die Bandbreite seiner schwäbischen Lieder reicht von zeitkritisch bis poetisch-romantisch. Mit ihren "gloine Gschichdla uff Schwäbisch" wurde Susanne Zimmerer bekannt. Pius Jauch stammt ursprünglich aus Rottweil am Neckar – er liebt und pflegt die alte schwäbisch-alemannische Mundart seines Heimatdorfes Bösingen als farbiges Mosaiksteinchen im vielfältigen Sprachraum Europas.

Neben der Zehntscheuer ging es auch in der Morizkirche zur Sache: Scharfzüngig und mit hintergründigem schwäbischem Humor agierte hier zunächst Uwe Zellmer vom "Theater Lindenhof" in Melchingen. Ihn konnten die Rottenburger schon mehrfach im "Kino Waldhorn" erleben.

Nach so viel Programm trafen sich die munteren Freunde des schwäbischen Dialekts geschlossen zum Abschluss bei der Band "Wendrsonn": OB Neher freute sich, dass so viele Menschen in die Stadt gekommen waren.

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