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Rottenburg Im Sommer lockt die listige Alraune

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Kathrin Ulmer-Herrmann (von links), Karlheinz Geppert und Janne Wagler vor dem Aufführungsort in der Spitalkelter Foto: Kaspschyk Foto: Schwarzwälder Bote

Die Premiere des Sommertheater-Stücks "La Mandragola" von Niccolò Machiavelli findet am Donnerstag, 2. Juli 2020, statt, geprobt wird aber jetzt schon fleißig. Theaterschauspielerin und Regisseurin Janne Wagler erzählt von den Proben mit engagierten Laienschauspielern und warum in der Handlung eine Alraune alles auf den Kopf stellt.

Rottenburg. Unter dem Dach der Spitalkelter liegt der feine Geruch von altem Holz. Die alten Balken, welche das hohe Dach stützen, haben Wagler schon mal einen guten Dienst erwiesen. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, dürfte man keine Schrauben für Lichttechnik und ähnliches anbringen, wodurch ein Mitarbeiter für eine Theatervor stellung mit Lichtmaschinengestell auf den Balken herumgeturnt sei.

Von soviel Engagement ist Wagler auch für das nächste Sommertheater umgeben. Seit Anfang November probt sie mit den Rottenburgern das Stück "La Mandragola" von Machiavelli ein, ursprünglich stammt dies aus dem 16. Jahrhundert und somit einer Hochzeit des Bürgertheaters.

Diesem Konzept möchte auch Karlheinz Geppert, Leiter des Kulturamts Rottenburg, gerecht werden. "Wichtig ist, dass wir sowohl Profis als auch Laien haben." Denn genau das mache den Charme des Bürgertheaters aus.

Im Gespräch mit Wagler und Mitorganisateurin Kathrin Ulmer-Herrmann kommt Geppert auch auf die Spitalkelter zu sprechen, unter deren Dach das Stück aufgeführt werden soll. Das alte Gebäude habe laut Geppert beide Stadtbrände von 1644 und 1735 überlebt, und wäre wahrscheinlich fast so alt wie das Theaterstück selbst. Außerdem liefere es die perfekte Atmosphäre für ein Bürgertheater, welche zu ihrer Zeit auch nur aus wenig Hilfsmitteln zusammengezimmert wurden.

Für Wagler ist der Spielort ebenso verlockend, man könne den Ort gut in das "rasante, geistreiche und höchst amüsante Stück" mit einbinden. Bereits zum zweiten Mal darf Wagler produzieren und freut sich über das Engagement der Rottenburger. "Man kann von ihnen als Laienschauspieler so viel Begeisterung abgreifen, und trotzdem kommt bei allen noch jahrelange Erfahrung auf der Bühne hinzu. Das hat einen anderen Charakter wie zum Beispiel Sommertheater, in welchen ausschließlich Profischauspieler unterwegs sind."

Intensiv mit Handlung auseinandergesetzt

Mit ihren Schauspielern ist sie gerade dabei, sich ausführlich mit der Handlung auseinanderzusetzen, und sie entdecken, wie viel Tiefgang die Commedia dell’Arte eigentlich hat. Dabei gehe es, wie Wagler erzählt, zunächst einmal um moralisch eher bedenkliche Tricksereien des jungen Callimacho. Im Stück kommt er mit seinem Diener Syrus nach Florenz und verliebt sich dabei in seine Nachbarin Lucrezia. Diese ist aber bereits mit dem alten und arroganten Doktor Nicia verheiratet, welcher nur eines will: Kinder. "Das Stück macht die Bühne frei für einen Herrschertypus, der mit etwas unlauteren und egoistischen Mitteln zu Macht kommt. Bei Machiavelli ist das Callimacho, der gemeinsam mit seiner Tante Agrippina und vielen anderen einen Plan ausheckt, wie er an die schöne Lucrezia kommen kann."

Wagler sieht in dem Stück aber mehr als nur eine komische und moralisch bedenkliche Typenkomödie. Das besondere an Callimacho wäre, dass er sein Schicksal in die eigene Hand nähme und sich sein Glück selber mache. "Um die Alraune und ihren Saft herrscht ja viel Aberglauben, und den kann er geschickt für sich nutzen, indem er dem alten Nicia einredet, dass der Saft seiner Lucrezia helfen kann, schwanger zu werden. Das klappt nämlich bisher nicht."

Trotz diesem betrügerischen Verhalten von Callimacho und allen Beteiligten sieht Wagler in allen Figuren etwas liebenswertes, die trotz ihrer archetypischen Charakterisierung immer wieder individuelle Züge zeigen würden. Deswegen entwarf sie für das Stück einen Chor, der in Form von "Alraunengeistern" und "Baumlämmern" das Böse und das Gute darstelle, das in jedem Menschen vorhanden sei. "Die Alraune ist das Chaos, die Leidenschaft aber auch das Unbewusste, und deswegen habe ich sie im Stück personifiziert." Ihre Version des Stücks mit freud’schem Charakter, wie Wagler auf Nachfrage lachend bejaht, wolle den ganzen Menschen mit all seinen Seiten und Tiefen zeigen.

D ie musikalische Umrahmung wird die Musikschule Rottenburg in die Hand nehmen. Das Blockflötenensemble unter Leitung von Pieter Minden und ein Gitarrenensemble wären bereits bei den Vorbereitungen, sagt Ulmer-Herrmann. Neben zeitgemäßer Musik von unter anderem Orlando di Lasso, einem berühmten Komponisten der Renaissance, wird die Theatergruppe auch die traditionellen "Canzone" aus dem Theaterstück selbst vortragen, erklärt Wagler.

­Musikschule sorgt für musikalische Umrahmung

Für die Schauspieler sowie alle I nteressierten möchte Wagler im Neujahr in der VHS Rottenburg zusätzlich einen Maskenbilderworkshop anbieten. Die Masken sollen später ins Stück eingebunden werden. Das gehöre zu ihrem lang gehegten Plan, wie sie erzählt: "Ich hatte die Idee mit dem Stück schon seit zwei Jahren und freue mich, es endlich umsetzen zu können."

Wagler selbst arbeitet seit Jahren als Regisseur und befindet sich momentan in ihrer fünften Spielzeit mit dem Naturtheater Reutlingen. Mit "Die Jüdin von Toledo" begann 2015 für sie nicht nur eine persönliche Erfolgsgeschichte, sondern auch eine wundervolle Zusammenarbeit mit der Stadt Rottenburg. "Es war für mich ein Herzstück und hat meinen persönlichen Weg in die Regisseurarbeit angestoßen", sagt Wagler.

Für Geppert ist die Unterstützung der Theaterkultur in Rottenburg selbstverständlich. "Das Theater Hammerschmiede und das Torbogen Theater werden regelmäßig von der Stadt gefördert und in der Produktion unterstützt, natürlich unabhängig von der Nachfrage." Um die müsse man sich in Rottenburg allerdings keine Sorgen machen: Alle Vorstellungen des Sommertheaters waren bis jetzt, laut Geppert und Ulmer-Herrmann, komplett ausverkauft.

Weitere Informationen: Die Premiere für "La Mandragola" ist am Donnerstag, 2. Juli 2020, um 20.30 Uhr. Weitere Aufführungen sind am 3., 4. und 5. Juli um die gleiche Uhrzeit. Einlass ist ab 19.30 Uhr. Die Spielzeit beträgt 50 Minuten im ersten Teil und 40 Minuten im zweiten Teil, mit einer Pause dazwischen.

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Florian Ganswind

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