KZ-Gedenkstätte: Internationalen Wochen gegen Rassismus: Online-Seminartag aus Hailfingen-Tailfingen
Die Internationalen Wochen gegen Rassismus gehen los. Passenderweise veranstaltet die KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen am 20. März einen Online-Seminartag zum Thema Rechtsextremismus.
Rottenburg. Mit an Bord sind mehrere evangelische Jugendwerke und das katholische Jugendwerk Rottenburg.
"Wir haben seit letztem Jahr einen Zuschlag bekommen aus dem bundesweiten Programm „Jugend erinnert", erklärt Bernd Schlanderer, Mitarbeiter bei der Gedenkstätte. Hailfingen-Tailfingen ist damit die kleinste Gedenkstätte im bundesweiten Verband mit etwa 30 Mitgliedern. Auch bekannte Stätten, wie etwa die Gedenkstätte im ehemaligen KZ Flossenbürg sind hier vertreten.
Dabei ist die Gedenkstätte rein ehrenamtlich getragen. "Wir sind ein bisschen stolz, dass wir im Reigen der ganz großen mit dabei sind", freut sich Schlanderer. Bei dem lokalen Projekt "Jugend erinnert für eine humane Zukunft" gehe es darum, den jungen Menschen zu verdeutlichen, dass "Ausgrenzung, Antisemitismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auch auf den Rest der Bevölkerung Auswirkungen hat".
Für die Jugendverbände der Kirchen ist der Seminartag eine Möglichkeit, ihre Jugendarbeit für das Thema Rechtsextremismus zu sensibilisieren. "Wir möchten Jugendliche sprachfähig machen, wenn sie mit extremen Parolen in Kontakt kommen", erklärt Simon Wöhrbach vom evangelischen Jugendwerk Herrenberg.
Die Jugendleiter sollen bemerken, wenn jemand in die rechte Szene abzurutschen droht. Auch sollen sie lernen, wie sie damit umgehen können.
Denn auch in der kirchlichen Jugendarbeit ist Rechtsextremismus ein Thema, meint Anja Beck vom Jugendwerk Tübingen. "Es rückt aus dem historischen weg, Parolen kommen viel mehr im Alltag vor", betont sie. Und Wöhrbach ergänzt: "Für junge Menschen ist die Zeit damals vergangen. Ein KZ zu besuchen ist ein bisschen so, wie ein Museum zu besuchen."
Reitz hält Vortrag über seinen Werdegang
Greifbar soll die Präsenz von Rechtsextremismus schon am Abend vor dem Seminartag werden. Hier hat man Axel Reitz als Redner gewonnen, ein Aussteiger aus der rechten Szene, während seiner Zeit im Milieu als "der Hitler von Köln" bekannt. Er wird einen Vortrag über seinen Werdegang halten und am Seminartag selbst mitwirken. Wöhrbach erzählt aus einem Vorgespräch, Reitz habe ihm gesagt: "Man hätte mir nicht alles durchgehen lassen dürfen." Wöhrbach meint zu Reitz‘ Berichten, es sei wichtig, dass junge Leute Anschluss hätten, zum Beispiel in der Kirche oder im Verein, um nicht abzurutschen.
Am Tag darauf sind Workshops und Vorträge geplant. Unter anderem soll es darum gehen, was "rechts" ist und was "rechtsextremistisch".
Auch Rechtspopulismus wird am Seminartag eine Rolle spielen. "Das Nachplappern von Parolen am Stammtisch ist möglicherweise gefährlicher als das extreme Rechte", so Wöhrbach.
Da die Veranstaltungen online stattfinden, ist die Teilnehmerzahl nicht begrenzt. Interessierte können sich unter wwww.ejw-herrenberg.de/seminartag anmelden.