Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Rottenburg "Hier gehen abends die Lichter aus"

Von
Das Areal mit dem Neubau in der Mitte, der an die vor über 200 Jahren abgerissene Jesuitenkirche erinnern soll. Foto: Diözese Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Lena Müssigmann Rottenburg. 39 Millionen Euro kostete das neue Bischöfliche Ordinariat in Rottenburg – 8 Millionen Euro mehr als der Bischofssitz in Limburg, der heftige Diskussionen über Verschwendung von Kirchengeldern ausgelöst hat.Doch in Rottenburg blieb es trotz der Riesen-Summe vergleichsweise ruhig, auch wenn das eine oder andere Murren in der Bürgerschaft durchaus zu vernehmen ist. Wir fragten bei der Diözese nach, wo dort die Unterschiede der beiden Fälle gesehen werden.

"Man kann unseren Neubau nicht mit dem von Limburg vergleichen", sagt Uwe Renz, Pressesprecher der Diözese. "Dort geht es um die Bischofswohnung und bei uns um ein Verwaltungsgebäude für 320 bis 350 Mitarbeiter." Der Rottenburger Ordinariats-Komplex beinhalte gar keinen Wohnraum. "Hier gehen abends die Lichter aus – hoffentlich", sagt er.

Die Sanierung sei "nach 50 Jahren Nichtstun" dringend nötig gewesen. Sarkastisch fügt er hinzu: "Da man ohnehin was am Gebäude machen musste, sollte es ja danach nicht unbedingt hässlicher sein als vorher." Außerdem wurde eine neue Eingangshalle gebaut. "Wir haben sehr darauf geachtet, dass wir was Vernünftiges hinstellen, aber kein Geld verprassen", sagt Renz und zählt funktionale Arbeiten auf. Der Brandschutz, die Wärmedämmung und die Heizung seien auf den Stand der Technik gebracht worden. Bei Böden und Wandanstrichen habe man darauf geachtet, kostengünstige Varianten zu wählen.

Während Kirchengemeinden oft jahrelang mühsam ihre Gottesdienst-Kollekte ansparen müssen, bis zum Beispiel der Kirchturm saniert oder eine neue Orgel gekauft werden kann, hat die Diözese offenbar keine Geldsorgen. Es scheint eher so, als ob sie das Geld mit beiden Händen ausgibt. "Dieser Eindruck könnte entstehen, wenn man das Projekt nur auf die Schnelle betrachtet", sagt Renz.

Gemeinden tragen Projekt indirekt mit

Die Gemeinden der Diözese trügen das Projekt aber indirekt mit. "Jedes Finanzierungsdetail wurde im Diözesanrat abgesegnet – da sitzen auch Vertreter der Dekanate und Gemeinden drin." Er wisse, dass es mühsam sei, Geld für Gemeindeprojekte zusammenzubekommen. Aber auch für das Ordinariat habe man über Jahre Geld zurückgelegt. Aus seiner Sicht offenbar nur eine Frage der Organisation: "Ich denke eine planende Kirchengemeinde wird auch wissen, wann bei ihr größere Arbeiten anstehen."

Nach Abschluss der Bauarbeiten sagte der Sprecher des Diözesanrates, Johannes Warmbrunn, das Bauprojekt habe die Zuweisungen für Kirchengemeinden nicht geschmälert. Das Geld für den Bau habe man dem Kirchensteueranteil entnommen, der der Diözese zustehe.

Vorwürfe der Verschwendung, wie sie in Limburg laut werden, habe er in Rottenburg nicht gehört. Vielmehr seien die Rottenburger "dankbar" für diesen Beitrag zum Stadtbild. Das Ordinariat thront gleich einer Festung am östlichen Eingang zur Altstadt. Bei diesem Gebäude gehe es auch um die Wertschätzung der Geschichte, der Wertschätzung all dessen, was an diesem Ort schon passiert sei – in der jüngeren Vergangenheit etwa das Aufbegehren von Bischof Johannes Baptista Sproll gegen die Nationalsozialisten. "So ein Ort braucht Würde", sagt Renz. Außerdem sei das Bischöfliche Ordinariat der Ort, an dem sich die Katholiken in Württemberg mit ihrer Diözese identifizieren, meint der Pressesprecher.

Wer selbst nachschauen möchte, ob nicht doch goldene Türgriffe verbaut wurden, kann morgen, 13. Oktober, von 11 bis 16.30 Uhr zum zweiten Tag der offenen Tür gehen oder das Gebäude bei Gelegenheit einfach so betreten. "Die Tür steht zu unseren Dienstzeiten offen", sagt Renz. "Wir haben nichts zu verbergen."

Die Baukosten von gut 39 Millionen wurden aus Kirchensteuer-Mitteln über sieben Jahre hinweg finanziert.

u Mehrkosten: Der Kostenrahmen wurde durch unerwartete Schäden gesprengt: Ursprünglich waren 36,5 Millionen Euro für Sanierung und Neubau veranschlagt. Durch verrottete Decken entstanden 2,1 Millionen Euro Mehrkosten, stark zerstörte Balken im Gebäude Rohrhalder Hof verursachten ein Kostenplus von 600 000 Euro. u Denkmalschutz: Gut ein Viertel der Kosten waren laut Baufachleuten besonderen Arbeiten aufgrund des Denkmalschutzes geschuldet. u Einsparung: Acht von 19 Dienststellen der Diözese in der Stadt konnten aufgegeben werden, die Mitarbeiter sitzen nun am neuen Standort.

u Nutzfläche: Das Ordinariat hat eine Bruttogeschossfläche von 22 500 Quadratmetern.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.