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Rottenburg Gibt es einen Ausweg aus der Zinsfalle?

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Foto: Schwarzwälder Bote

Anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens lud die Volksbank Rottenburg ihre Anteilseigner zum zweiten Mitgliederforum in diesem Jahr in die Rottenburger Festhalle ein.

Ro t tenburg . Hatte man bei dem vergangenen Treffen im März den Stuttgarter Kabarettisten Christoph Sonntag zu Gast und widmete diesen Abend ganz dem Vergnügen, so ging es bei diesem Treffen ums Eingemachte. Um das Thema "Renditen unter null – der Ausweg aus der Zinsfalle" zu beleuchten, hatten die Banker die ntv-Moderatorin Corinna Wohlfeil eingeladen.

Die Redakteurin und Moderatorin des Nachrichtensenders ist gelernte Bankfachfrau mit Fokus Investment. Sie arbeitete nach ihrer Wirtschaftsprüfung mit dem Schwerpunkt Bankwesen zunächst als Anlageberaterin bei der Deutschen Bank. Dort war sie Leiterin des Wirtschaftssenders und Moderatorin von Großveranstaltungen. 20 Jahre Berufserfahrung als Moderatorin mit beeindruckender Fachkompetenz machen sie heute zu einer gefragten Expertin, die mit der Börse bestens vertraut ist. "Ich liebe Aktien", gab sie im Laufe des Abends zu. Pünktlich auf die Minute konnte Jörg Stahl, Gesamtvorstandssprecher der drei Banken, ans Rednerpult treten und einige Hundert Besucher begrüßen. Stolz konnte er berichten, dass die Volksbank Herrenberg, Nagold, Rottenburg nun schon zum zehnten Mal in Folge für beste Beratungsqualität ausgezeichnet wurde und diesen Titel auch erstmals für die Baufinanzierung einstreichen konnte.

Seinen Mitgesellschaftern in der genossenschaftlich ausgerichteten Bank versprach er ein solides Geschäftsergebnis für 2019. Den Gewinn wird man zur Stärkung der internen Reserven, aber auch für die Ausschüttung der Dividende nutzen. Nach diesen guten Nachrichten machte er Platz für den Stargast des Abends.

Diese stieg auch gleich mit einer Analyse der weltwirtschaftlichen Gegebenheiten in ihren Vortrag ein. Die erste und schlechteste Möglichkeit, aus dem Kreislauf "Renditen unter null – der Ausweg aus der Zinsfalle" auszusteigen, wäre sein Geld bei der Bank abzuheben und zu Hause oder im Schließfach zu bunkern, erklärte Wohlfeil.

Doch warum gibt es keine Zinsen mehr für das Ersparte? Um dies zu beantworten schaute die Fachfrau zuerst über den großen Teich und nach China. Zwischen Amerika und China herrsche ein Handelskrieg. Das Ergebnis sei, dass die Wirtschaft in der USA und Europa schwächelt und selbst das chinesische Wirtschaftswachstum um acht Prozent sank. Faktoren, die sich an den Börsen negativ bemerkbar machen. Dazu kommt noch Deutschland mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich scheinbar schon verabschiedet hat und Premierminister Boris Johnson in England, der mit dem Brexit auch nicht gerade zur wirtschaftlichen Optimierung beitrage.

Hierzu betonte die Expertin, dass Deutschlands derzeit gute Konjunktur vom intensiven Konsumverhalten der Bürger getragen wird. "Das Geld ist nichts wert – kaufen wir uns schnell noch was Schönes", so der Grundgedanke bei vielen.

Wohlfeil kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Geldpolitik der Bundesrepublik, die krampfhaft an der "schwarzen Null" festhält, obwohl sie durch Kreditaufnahme gut Geld verdienen könnte. In ihrer weiteren Analyse stellte sie fest, dass nur noch ein deutsches Unternehmen unter den 100 weltweit führenden Unternehmen zu finden ist.

Insgesamt müsse gegen den Trend der Krise auf den Finanzmärkten gegengesteuert werden. Merkel habe die Niedrigzinspolitik von Mario Draghi, dem früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), einst alternativlos genannt. Die Expertin aber sieht durch das "billige Geld" auf den Kreditmärkten die Wirtschaft Europas angekurbelt. "Da die Zinsen immer an das Inflationsziel der EZB von zwei Prozent angelehnt sind, das bisher nie erreicht wurde, haben wir heute ein Desaster in Bezug auf Zinserträge zu verkraften", erklärte Wohlfeil.

Insgesamt also keine guten Nachrichten aus weltwirtschaftlicher Sicht, trotzdem beantwortete die Referentin die Frage "Würden sie jetzt Aktien kaufen?" mit einem klaren "Ja". Und dies vor dem Hintergrund, dass die Wall-Street Minusrekorde verzeichnet, der Rentenmarkt als Kapitalvernichtungsmaschine zu bezeichnen sei und ein weltweiter Handelskrieg tobt.

Die vielen Zuhörer erfuhren aber auch, warum die Aktie der Rettungsanker für Anleger sei. Der zehnjährige Bullen-Index und der Dax seien so hoch wie selten und die meisten börsennotierten Firmen werfen zum Aktienerlös auch noch gute Dividende ab, war unter anderem zu hören. Insgesamt riet die Expertin ihren Zuhörern, sich einen Aktiensparplan, eventuell mit einer festen Sparrate, aufzubauen. Man solle auch die Trends, beispielsweise die Digitalisierungsthemen, nicht verpennen und tiefrote Aktien nicht mit Verlust aus dem Portfolio werfen, sondern irgendwo bunkern. "Ich selbst mache das auf dem Depot meines zehnjährigen Sohnes", verriet sie den interessierten Veranstaltungsbesuchern, die die Tipps mit großem Applaus belohnten.

Stephan Schwab, Bereichsleiter Vermögensberatung bei der Bank, stieß später ins gleiche Horn. Er glaubt, dass "viele Anleger bereits auf gepackten Koffern sitzen, jedoch noch Flugangst haben." Eine mögliche Anlagealternative könnte Sparen in Raten, etwa in Form von Misch- und Aktienfonds sein, lautet sein Ansatz.

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