Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) referiert in ihrem Festvortrag für den Zusammenhalt. Foto: Baum Foto: Schwarzwälder Bote

Geschichte: Gedenkstätte Synagoge Baisingen feiert 20-jähriges Bestehen / Zeitzeugen waren schon zu Besuch

Gemeinsam mit Ehrengästen feierte der Förderverein Synagoge Baisingen am Wochenende das 20-jährige Bestehen der Baisinger Synagoge als Gedenkstätte.

Rottenburg-Baisingen. Schüler des Paul-Klee-Gymnasiums und der Musikschule Rottenburg gestalteten eine Gedenkstunde zum 80. Jahrestag der Pogromnacht, in der die Synagoge in Baisingen wie viele andere auch von den Nazis geschändet wurde.

Am Samstagabend gab es einen Festakt mit zahlreichen Grußworten und Festreden. Oberbürgermeister Stephan Neher begrüßte die rund 100 Gäste im Schlosssaal, die der Einladung des Fördervereins Gedenkstätte Synagoge Baisingen gefolgt waren. Neher betonte, dass es wichtig sei, an die Geschehnisse der Pogromnacht von 1938 zu erinnern. Ein schleichender Prozess von rechtsradikaler Gesinnung könne irgendwann auch einmal in Gewalt münden.

Manch einer sei auch in religiösem Wahn unterwegs, daher sei der Auftrag ernstzunehmen, Integration zu fordern und sie gelingen zu lassen. Es müsse einen Zusammenhalt gegen das Vergessen geben.

Neher ließ die Geschichte der Gedenkstätte Synagoge Revue passieren und erinnerte daran, dass in früheren Jahren auch schon Überlebende des Holocausts eingeladen worden waren. Auch Nachkommen von Baisinger Juden wurden bereits mehrfach eingeladen. "Die Menschen gehen hier auf Ahnenforschung", so Neher.

Vor 80 Jahren von den Nazis geschändet und zerstört

Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert betonte, dass der "Blick zurück weht tut, aber was noch mehr weh tut, wenn vergessen wird, was hier vor aller Augen passiert ist." Geppert zeigte die wechselvolle Geschichte der Baisinger Synagoge auf, die vor 80 Jahren von den Nazis geschändet und zerstört wurde. Zu Beginn der 1930er-Jahre lebten in der Oberamtsgemeinde Baisingen 90 Juden, damals gehörte jeder achte Baisinger zur jüdischen Gemeinde.

An deren Spitze standen der Vorsteher Hermann Kahn sowie der Lehrer und Kantor Helmut Kahn. Die Schikanen der Nazis wurden damals immer drückender und drohender und mündeten in das Pogrom von 1938. Dies war der Höhepunkt der antisemitischen Ausschreitungen.

Doch die schlichte barocke Baisinger Synagoge entging dem Feuer. Ihre unmittelbare Nähe zu Nachbarhäusern verhinderte, dass SA-Leute das Gebäude niederbrannten. Die Spuren jener Schreckensnacht sind auch heute noch in der Synagoge sichtbar, so Geppert. Das Innere der Synagoge wurde schwer verwüstet, zudem wurden die Einrichtungsgegenstände verbrannt und zerstört.

Geppert berichtete auch von der Deportation der Baisinger Juden in die Konzentrationslager Theresienstadt. Nach dem Krieg wurde die Synagoge als Scheune genutzt. Nach der Gründung des Fördervereins Gedenkstätte Synagoge wurde die Einrichtung einer Gedenkstätte vorangebracht.

Heute ist die Gedenkstätte gedenk- und Lernort. Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) referierte in ihrem Festvortrag für den Zusammenhalt und wandte sich gegen das Vergessen dere damaligen Zeit. Die Baisinger Synagoge sei nicht zuletzt ein wichtiger Leuchtturm gegen das Vergessen in dunkler Zeit. Man könne die Geschichte der damaligen Zeit visuell erleben. Sie forderte dazu auf, gemeinsam gegen das Vergessen ein zustehen.

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