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Rottenburg Ex-"Germanys Next Topmodel"-Kandidatin berichtet von Essstörung und Schwangerschaft

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Kera und Robert Deiss haben einen Schwangerschafts-Ratgeber geschrieben, in dem auch der werdende Vater seine Wahrnehmung schildert. Foto: Privat

Rottenburg - Einen etwas anderen Schwangerschafts-Ratgeber hat Ex-Model Kera Deiss zusammen mit ihrem Ehemann Robert geschrieben. In dem Buch berichten beide Elternteile von ihren Wahrnehmungen während Keras Schwangerschaft - die nicht immer unproblematisch war, da die ehemalige "Germanys Next Topmodel"-Kandidatin fast zwölf Jahre lang an einer Essstörung litt. Wie es zu dem Buch kam und wie die jungen Eltern dem Schönheitswahn den Kampf ansagen, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

Ratgeber für werdende Eltern gibt es eigentlich wie Sand an Meer - "vor allem für Frauen", weiß Kera Deiss, die erst vor vier Monaten selbst ein Kind bekam. Auch für werdende Väter gebe es jede Menge Tipps, "aber es gibt hauptsächlich Bücher zur Mutter-Kind-Bindung und so gut wie gar nicht zur Vater-Kind-Bindung. Das kam uns total merkwürdig vor", erzählt das Ex-Model. 

Deshalb haben sie und ihr Mann Robert sich kurzerhand dazu entschlossen, selbst ein Buch zum Thema Schwangerschaft zu schreiben - und zwar über ihre eigene. Die Besonderheit daran: Nicht nur Kera schreibt über ihre Wahrnehmung und Erlebnisse in der Schwangerschaft, sondern auch Robert über seine. 

"Wir haben zu jedem Schwangerschaftsmonat ein Kapitel geschrieben", erklärt das Ehepaar. Innerhalb dieser Kapitel gebe es zwei getrennt geschriebene Teile - einen von Kera und einen von Robert. "Dabei haben wir uns überhaupt nicht abgesprochen", erklären die Eltern. Lediglich ein paar Eckdaten, wann beispielsweise Frauenarzt-Termine oder andere Ereignisse waren, haben sie vorab in einer Tabelle aufgeschrieben, um daran ihre Erinnerungen und Wahrnehmungen festmachen zu können. Das Buch trägt den Titel: "Mama, Papa & Knöpfchen - Zwei Schwangere reden mehr als eine(r)".

Sorgen über Rückkehr der Bulimie

Wie es war, jeweils den Text vom Partner zu lesen? "Total lustig!", sind sich beide Eltern einig und lachen. "Es war echt witzig, wie unsere Wahrnehmung da teilweise auseinandergingen", erzählt Kera. In der Regel seien beide Ansichten sehr humorvoll wahrgenommen und auch im Buch beschrieben worden - doch es habe natürlich auch ernste Momente gegeben. 

Beispielsweise habe sich Robert Sorgen darüber gemacht, ob Kera durch klassische Schwangerschafts-Gelüste wieder in ihre Bulimie, an der sie fast zwölf Jahre litt, rutschen könnte. "Das war zum Glück nicht der Fall, denn Kera hatte solche Heißhungerattacken gar nicht", berichtet Robert erleichtert. Sie habe stattdessen mit der typischen Übelkeit gekämpft, weshalb es eher problematisch gewesen sei, Gerichte für sie zu kochen, die sie essen konnte, erinnert sich der junge Vater. 

Dennoch sei die Essstörung von Anfang an ein großes Thema für das Paar gewesen: "Wir wussten ja gar nicht, ob ich überhaupt schwanger werden kann. Viele Frauen, die an einer Essstörung leiden, werden unfruchtbar", erklärt das Ex-Model. Auch die ersten drei kritischen Schwangerschaftsmonate haben das Ehepaar sehr angespannt, weil sie nicht wussten, ob Keras Körper die Schwangerschaft überhaupt aushält.

Mit Kleidergröße 38 zu dick als Model

Für die werdende Mutter sei es außerdem schwierig gewesen, dass sie plötzlich wieder auf die Waage stehen musste, obwohl sie das zuvor durch ihre überwundene Essstörung nicht mehr getan habe. "Plötzlich stand da diese Zahl im Raum", erinnert sich Kera. Sie habe zunächst gar nicht gewusst, wie viel Gewichtszunahme in der Schwangerschaft normal sei. "Ich habe ein Kilo pro Monat zugenommen. Dann hat meine Frauenärztin mir gesagt, dass vor dem siebten Schwangerschaftsmonat jedes Kilo ein Kilo zu viel ist. Ich habe total Panik bekommen." Nach einer Rücksprache mit ihrer Hebamme und Robert habe sie sich jedoch wieder beruhigt. Vor allem die Gespräche mit ihrem Mann haben ihr sehr geholfen, wie sie sagt. "Ich wusste, dass ich meiner eigenen Wahrnehmung nicht trauen kann, deshalb habe ich mich auf seine Wahrnehmung verlassen."

In die Essstörung hineingerutscht sei Kera bereits mit 15 Jahren. Einerseits sei das ein Alter, in dem man sich viel Gedanken um seinen Körper und darum mache, wie man beim anderen Geschlecht ankomme. Zum anderen habe sie in diesem Alter angefangen, sich auf ihre Model-Karriere zu konzentrieren, was das Ganze nochmal gepusht habe, erinnert sich Kera. 

Nachdem sie sich jahrelang als "Straight-Size-Model" - also im normalen Modeling - versucht hat und 2010 auch Kandidatin bei der TV-Castingshow "Germanys Next Topmodel" war,  wurde sie ein "Plus-Size-Model" (ab Kleidergröße 38). Der Grund: Sie musste sich immer wieder anhören, dass sie im normalen Model-Bereich zu dick sei. Doch inzwischen hat Kera ihre Model-Karriere ganz an den Nagel gehängt: "Mir war es irgendwann einfach zuwider, nur auf meinen Körper reduziert zu werden. Ich habe mir irgendwann gesagt, dass ich sogar studiert und inzwischen meinen Master habe - mein Aussehen ist eigentlich das Langweiligste an mir", sagt die 33-Jährige selbstbewusst. 

Zweites Buch bereits in Planung

Und weil sie es endgültig satt hatte, "nur eine schöne Frau zu sein", beschloss sie stattdessen zusammen mit ihrem Mann in die Präventionsarbeit zu gehen und mit Jugendlichen, aber auch mit Erwachsenen, über falsche Ideale und den gesellschaftlichen Schönheitswahn zu sprechen. "Kera spricht dann mit den Mädchen darüber, was beispielsweise durch solche Sendungen wie 'Germanys Next Topmodel' für ein Schönheitsbild vermittelt wird und ich spreche mit den Jungs", erklärt Robert. Denn auch wenn es in der Gesellschaft noch selten ein Thema sei: "Auch Jungs wird ein falsches Bild von Männlichkeit vermittelt, zum Beispiel im Deutsch-Rap." Dabei heiße es oft, dass Männer einen großen Bizeps brauchen und keine Gefühle zeigen dürfen - und wenn sie Gefühle zeigen sollen, dann Aggression und Wut. Das sei ein total veraltetes Rollenbild und darüber spreche Robert mit den Jungs. 

Ob das junge Paar sich vorstellen kann, noch ein Elternratgeber zu schreiben, bejahen beide sofort. "Tatsächlich haben wir uns schon überlegt, nochmal so ein Buch über das erste Jahr mit Baby zu schreiben", sagt Robert. "Wer nämlich denkt eine Schwangerschaft sei kompliziert, hat die Rechnung ohne dem Baby gemacht", fügt Kera lachend hinzu. In Arbeit sei das Buch jedoch noch nicht - damit wolle sich das Paar noch etwas Zeit lassen, um den nötigen Abstand zu gewinnen und dann auch über ernste Situationen irgendwann lachen zu können.
 

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