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Rottenburg Erkenntnisse wirken sich auf Lebensstil aus

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Lisa Fritz (links) und Meta Lange (Zweite von rechts) zusammen mit Lehrern der Schule Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Bei der Mitgliederversammlung der Rottenburger Malawi Freunde berichteten zwei junge Frauen von ihrem Jahr in dem ostafrikanischen Land Malawi.

Rottenburg. Meta Lange und Lisa Fritz hatten gerade das Abitur hinter sich, als sie vor gut einem Jahr in das afrikanische Land ausreisten, das zu einem der ärmsten Ländern der Erde zählt. Ihre Motivation war vor allem, eine neue Kultur kennenzulernen. Als sie Malawi verließen, hatten sie sich in die Kultur und die Leute verliebt, berichteten sie am Samstag bei der Mitgliederversammlung der Malawi-Freunde Rottenburg.

Lange und Fritz halfen in der von den Malawi-Freunden unterstützten Schule in Tawuka. Sie legten in der Bibliothek mit einem gespendeten Laptop ein Ausleihsystem an und halfen beim Unterricht, weil Lehrer fehlten. Sie seien dafür zwar nicht ausgebildet gewesen, sagte Fritz. "Aber besser wir machen es als keiner." Fritz, die nach ihrer Rückkehr begann, in Bayreuth Informatik zu studieren, unterrichtete "Computer Studies". Lange half beim Biologieunterricht. Sie studiert jetzt in Jena Umwelttechnik und Entwicklung. Die jungen Frauen boten einen Kunstclub sowie einen Schwimmkurs im nahe gelegenen Malawisee an und initiierten Volleyballspielen.

Sie hatten viel Kontakt zu Nachbarn, berichteten sie. Die Kinder kamen gern zu ihnen, denn sie hatten Spielzeug wie Bälle, Springseile und Malsachen aus Deutschland mitgebracht. "So konnten die Kinder sich kreativ ausleben", sagte Lange. "Die Kinder in Malawi haben kein Spielzeug."

Wäsche gewaschen haben die jungen Frauen, wenn die Nachbarn am Sonntag in der Kirche waren. "Wir waren nicht so geschickt darin. Sie haben über uns gelacht." Verwundert waren die Malawier darüber, dass Lange und Fritz die Ziegen auf den Arm nahmen. "Für sie ist das Essen." Lange und Fritz mussten lernen, dass bei Regen die Schule später begann. Die Malawier gehen bei Regen nicht raus, sagte Lange.

Das Fazit der jungen Frauen: Sie haben eine neue Kultur kennengelernt, die sie nicht immer verstanden. Schockiert hat sie die krasse Armut in einem der ärmsten Länder der Welt. Das habe ihnen die Augen geöffnet, wie viel sie selbst besitzen. Diese Erkenntnis hat sich auf ihren Lebensstil ausgewirkt. "Es ist schwer, mit dem westlichen Standard weiterzumachen." Sie seien auch viel sensibler für rassistische Äußerungen geworden. Ihre Erfahrungen teilen sie seit ihrer Rückkehr mit Freunden und der Familie. Ihre Erlebnisse in Afrika haben so Auswirkungen über den Aufenthalt hinaus.

Holger Keppel, Vorsitzender der Malawi-Freunde, sagte, dass die Freiwilligen für den Verein auch deshalb sehr wichtig seien, weil so ein direkter Kontakt zu der Schule und dem Direktor hergestellt werden kann. Die Kommunikation mit den Freiwilligen laufe problemlos über Whatsapp.

Die Malawi-Freunde haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekt in Tawuka unterstützt: Brunnen- und Toilettenbau, Einrichtung eines Computerraums, sie haben Energiepatenschaften und ein Ziegenprojekt für Familien initiiert. Keppel berichtete von den neuesten Erfolgen: So wird die Dorfklinik im Dezember fertig. Der Verein bekam eine Zuschusszusage über 9900 Euro für zwei Lehrerwohnungen. In zwei Wochen startet das Nähprogramm mit 20 Frauen. Mit Fortbildung für Frauen, einer Pflanzschule und Hühnern für Familien werden Lebensgrundlagen für die Menschen im Dorf geschaffen.

Zusammen mit der Tübinger Uli-Schwarz-Stiftung wollen die Malawi Freunde Stipendien vergeben vor allem für handwerkliche Ausbildungen. Jede Ausbildung, jedes Examen kostet in Malawi, berichtete Keppel. Und akademisches Personal könne das Land, das einen Jahresetat hat wie die Stadt Bonn, gar nicht anstellen. Derzeit sind zwei neue Freiwillige an der Schule in Tawuka. Sie haben ein Müllsammelprojekt gestartet, in dem Schüler je nach gesammelter Müllmenge mit Punkten belohnt werden. Mit den Punkten können sie im Schulladen einkaufen. Geplant ist, dass Frauen, die im Nähkurs ausgebildet werden, T-Shirts für den Laden nähen. So hätten sie eine Einnahmequelle und die Schüler neue Kleidung. Florian Uhl berichtete von einem Spielplatzbau beim Kindergarten in Tawuka. Das 20 000 Euro teure Projekt haben die Malawi Freunde angestoßen und mit 8000 Euro unterstützt, Umgesetzt hat es der Stuttgarter Verein Kukuk Kultur.

Es sei schwer, Spenden für einen Spielplatzbau in Afrika zu bekommen, berichtete Uhl. Doch die Möglichkeit zu spielen, zu träumen und sich körperlich auszuprobieren, gehöre zum Recht auf Kindheit dazu.

Weitere Informationen: Wer an die Malawi Freunde spenden möchte, kann sich per E-Mail an holger.keppel@web.de wenden.

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Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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