Ein Ausschnitt aus dem großen Finale 1986, als das vierstündige Programm unter dem Motto lief: "Kleinparis wie’s Fasnet macht".Archiv-Fotos: Ranft Foto: Schwarzwälder Bote

Heimatgeschichte: Kostproben der Ergenzinger Fasnet gibt es auf der Homepage der Narrenzunft

Ein paar Tage noch, dann ist er da, der "Schmotzige Donnerstag", der im närrischen "Kleinparis" über viele Jahrzehnte hinweg die Haupttage der Ergenzinger Fasnet mit der Schülerbefreiung, der Amtsenthebung des Ortsvorstehers und dem großen Brauchtumsabend einläutete.

Rottenburg-Ergenzingen. Zu früheren Zeiten fand Letzterer noch im "Sonnensaal" statt, später dann im Pfarrgemeindesaal und mit Beginn der 1980er-Jahre dann in der neu erbauten Turn- und Festhalle. Damals hatten die Narren noch Angst, die Halle nicht voll zubekommen – im Gegensatz zu heute dachte da noch niemand an eingeschränkte Besucherzahlen – doch diese war völlig unbegründet. Die Besucher strömten in Scharen und das von Anfang an. Allerdings hatte die neue Halle eine nur bedingt taugliche Lautsprecheranlage, die lediglich für den Sportbetrieb taugte und so behalf man sich eben mit dem, was man sich damals ausleihen konnte.

Das ging dann einmal voll ins Auge. Da hatten sich die besseren Ehehälften der Narrenräte einen besonderen Auftritt mit aufwendiger Kulisse ausgedacht, aber das Problem war eben die Rückkopplung und so verstand man die Damen nicht und diejenigen, um die es inhaltlich ging, kamen damals mit einem blauen Auge davon. Aus diesem Fehler klug geworden, wurde ab dato eine Übertragungsfirma engagiert, die zwar nicht ganz billig war, dafür aber für einen wirklich guten Ton sorgte.

Programmabend ist durch Auftritte geprägt

Damals wie heute war der Rahmen des rund dreieinhalbstündigen Programmabends zunächst einmal durch Auftritte geprägt, die traditionell wiederkehrend waren: Der Tanz der Blätzlesbuaba, zu den Klängen des Ergenzinger Narrenmarsches, den einst Dirigent Horst Wengel komponierte. Der Narrenratstanz, der über viele Jahre hinweg zunächst die Handschrift von Julia Mayer, später dann die von Antonie Vater trug. Das Hexengericht, für das in der Regel Josef Mayer zuständig zeichnete und die beiden Ergenzinger Originale "Halag und Naze", die Günther Kleindienst und Willi Stopper über Jahrzehnte verkörperten. Dazu gesellten sich dann wechselweise Auftritte couragierter Bürgerinnen und Bürger wie Bürgermeister Alfred Thurner, Klaus Eisele oder Zahnarzt Rolf Wagner. Aber auch die Narren selbst hatten tolle Akteure in ihren Reihen. Dazu zählten Erika Grammer und Doris Kleindienst, die als Klatschbasen Interna aus dem Ort ausplauderten, Adam Ott, der als Rocker in eine unvergessliche Rolle schlüpfte, die Kellersänger, deren einzige weibliche Akteurin Doris Kleindienst dereinst OB Tappeser in den Arm nahm und ihn mit einem Lied begrüßte, oder auch Lorenz Baur und Dietmar Weiß, die als Wildecker Herzbuben auftraten. Letztlich wurde auch immer wieder das von Josef Mayer geschriebene Narrenlied gesungen.

Auch Werbeblöcke wurden in damaliger Zeit in das abendfüllende Programm eingebaut, ohne dass allerdings die örtlichen Firmen davon wussten. So staunte Edgar Nisch, Spätaufsteher und Firmeninhaber des gleichnamigen Elektrogeschäftes nicht schlecht, als folgender Werbeslogan zum Besten gegeben wurde: "Fernseher, Kabel, Wäschmaschena, älles des verkauf i ehna, wenn’s et vor Mittags zwölfe isch, no kauft mer bei Elektro Nisch". Ausgeklügelt wurden die Auftritte über einige Jahre hinweg im "Ahnastüble" von Erika Grammer und nicht selten entstand dort fast ein kompletter Programmabend. Kurzum, es war für alle Beteiligten eine tolle und sehr erfolgreiche Zeit.

Natürlich wechselten im Laufe der Jahre die Akteure, aber das Grundgerüst dieses Abends blieb bis in die heutige hinein Zeit erhalten. Das Ganze unter Einbeziehung digitaler Möglichkeiten, Videos und entsprechender Dekoration, für die das zunfteigene "Dekoteam" verantwortlich zeichnet. Seit ein paar Jahren findet der Brauchtumsabend allerdings am Fasnetsamstag unter Einbeziehung von kulinarischen Genüssen statt und so bleibt am "Schmotzigen" Donnerstag Platz für die Senioren- oder Wirtshausfastnacht.

Kostproben der Ergenzinger Fasnet gibt es auf der Homepage der Zunft oder auch über "NZE 1958" zu sehen. Außerdem gibt es am Fastnachtssamstag noch einen digitalen Rückblick in die Programmabende längst vergangener Zeiten.

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