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Rottenburg Ehemann würgt Frau bis zum Tod

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Warum hat der Angeklagte seine Frau mindestens vier Minuten lang gewürgt, wenn er doch an ihren Wehrversuchen erkannt hat, dass sie nicht sterben möchte? (Symbolfoto) Foto: Fisun Ivan / Shutterstock

Rottenburg/Tübingen - Hätte die Frau des wegen Totschlags vor dem Tübinger Landgericht angeklagten Rottenburgers tatsächlich nach einem Suizid ihres Mannes selbst nicht mehr leben wollen? Diesen Eindruck soll der Angeklagte vor der Tat von seiner Frau gehabt haben. Doch die Aussage des Sohns der getöteten Frau vermittelt ein komplett anderes Bild.

"Herr H. (Name geändert) ist ein guter Schauspieler", sagt der leibliche Sohn der Frau, die am 23. Dezember in ihrem Schlafzimmer von ihrem heute 54-jährigen Ehemann erwürgt worden ist. Der Zeuge ist ein Sohn aus der ersten Ehe der Frau und damit nicht Sohn des Angeklagten.

Vor der fünften Schwurgerichtskammer zeigt er dem Angeklagten mit einer ihm abgewandten Körperhaltung die kalte Schulter, würdigt ihn keines Blicks. Seine Aussage unterscheidet sich wesentlich von den bisherigen Schilderungen einer bis zuletzt harmonischen Beziehung seiner Mutter zu ihrem Mann, in der alles in Ordnung gewesen sei.

Schonungslos berichtet er, wie sich die Situation des Ehepaars für ihn, der mehrmals die Woche seine Mutter besucht habe, dargestellt hat: "Als Herr H. angefangen hat zu spielen, hat sie zu mir gesagt, dass sie das nicht mehr länger mitmacht." Seine Mutter sei nur noch froh gewesen, wenn sie aus dem Haus zur Arbeit gehen konnte. "Das war meines Erachtens nach keine eheliche Beziehung mehr", sagt ihr Sohn.

Glaubt man ihm, habe der Angeklagte nach dem Verlust seiner Arbeitsstelle und aufgrund seiner Krankheit nur noch zu Hause auf dem Sofa gelegen, Zigaretten geraucht und Kaffee getrunken. Zudem habe er in den Monaten vor der Tat weder seine Zigaretten selbst bezahlt noch Geld zur Miete beigesteuert. "Er hat sich von meiner Mutter betütteln lassen", sagt der Sohn. Er habe zu seiner Mutter mehrmals gesagt: "Mama, wenn es nicht mehr geht, dann kannst du zu mir kommen." Seine Mutter habe ein eigenes Bankkonto gehabt und sich finanziell mit zwei Jobs gut über Wasser halten können.

Schon gar nicht sei sie so verzweifelt gewesen, dass sie ihm gegenüber jemals geäußert habe, selbst nicht mehr leben zu wollen, falls ihr Mann einen Suizid begehe. Er bestätigt auch, dass seine Mutter einmal vorübergehend ihren Ehering abgenommen habe, da ihr Mann ohne zu fragen Geld von ihrem Konto abgehoben habe.

Den Tattag stellt sich ihr Sohn, der nach eigener Aussage ein "Mama-Kind" sei, anders vor als bisher angenommen. "Ich kann mir vorstellen, dass meine Mutter am Tattag irgendetwas herausgefunden hat und dann gesagt hat, dass sie ihn verlässt."

Auch die Tochter nutzt die Chance zur Aussage

Den bisherigen Schilderungen des Angeklagten zufolge sei hingegen nichts Konkretes vorgefallen. Er habe sich umbringen wollen und seine Frau habe darauf mit den Worten: "Dann nimm mich doch gleich mit" reagiert. Er habe sie dann bis zum Tode gewürgt, da er sie nicht in der finanziellen Misere habe allein lassen wollen.

Auch die Tochter des Angeklagten hat ihre Chance zur Aussage genutzt. Ihr zufolge habe ihre Stiefmutter die Situation ihres Vaters irgendwann kaum noch ertragen können und sei deswegen antriebslos gewesen. Nach dem ersten Suizidversuch ihres Mannes habe sie gesagt: "Da kommt noch mal etwas, und zwar etwas richtig großes, und dann kann er mich mitnehmen." So beschreibt die Tochter des Angeklagten die Angst seiner Frau vor einem weiteren Suizidversuch.

Nach den unterschiedlichen Zeugenaussagen ist die Fragen nach dem Motiv für das Gericht weiter unklar. Waren es wirklich Zugehörigkeitsgefühle, die den Mann dazu gebracht haben, seine "suizidale Perspektive", wie der psychiatrische Gutachter den Zustand des Angeklagten zum Tatzeitpunkt nennt, auf seine Frau zu übertragen? Die Aussage des Sohns, seine Mutter habe nie geäußert, dass sie nicht mehr leben wolle, spricht dagegen. Auch finanziell hätte ein Suizid ihres Manns aufgrund der getrennten Konten der Ehepartner keine großen Auswirkungen gehabt. Lediglich eine günstigere Wohnung hätte sich die Frau nach Ansicht des Gerichts in so einem Fall eventuell suchen müssen.

Unbegreiflich auch: Warum hat der Angeklagte seine Frau mindestens vier Minuten lang gewürgt, wenn er doch an ihren Wehrversuchen erkannt hat, dass sie nicht sterben möchte? Das Urteil verkündet das Landgericht am Donnerstag, 30. Juni.

 
 

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