Der Unternehmer Wilfried Ensinger hat die neue Marthaglocke und die Meinradglocke für die renovierte Sülchenkirche gestiftet.Foto: Baum Foto: Schwarzwälder Bote

Spende: Der Unternehmer vervollständigt das Geläut der Sülchenkirche in Rottenburg

Rottenburg. In Rottenburg ist der Herrenberger Unternehmer Wilfried Ensinger kein Unbekannter, tritt er doch des Öfteren als Sponsor von Vereinen oder kulturellen Veranstaltungen auf. So kennt man ihn etwa als Förderer und Unterstützer der Rottenburger Stadtkapelle, des Kulturvereins Zehntscheuer oder auch als Sponsor des TVR. Erst kürzlich stiftete Wilfried Ensinger zwei neue Glocken für die Sülchenkirche – die Marthaglocke und die Sankt Meinrad Glocke.

 

Die Marthaglocke trägt den Namen seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau und ist der Heiligen Martha gewidmet. Gestern wurden die neuen Glocken gegen 10 Uhr erstmals eingeläutet, und Wilfried Ensinger ließ es sich nicht nehmen, beim Einläuten der neuen Glocken persönlich dabei zu sein. Geweiht wurden die Martha- und die Sankt Meinrad Glocke bereits im November 2019 im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes. Gestern war Architekt Georg Eggert hochzufrieden mit dem Klang der Sülchenglocken. "Jetzt fehlt nur noch die Außenbeleuchtung, dann ist alles fertig." Der Glockenturm musste erst saniert werden, bevor die beiden neuen Glocken im Glockenstuhl hängen konnten (wir berichteten). Wilfried Ensinger sagt von sich, dass der Glaube ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens sei. Gelebte Religion ist dem 84-Jährigen wichtig.

So stammte seine Frau Martha aus einer katholischen Familie aus Vorarlberg, Ensinger selbst hat protestantische Wurzeln. Dies sei vor der Heirat im Jahr 1963 problematisch gewesen, "das passte damals nicht zusammen", erinnert er sich. Doch beide verband der Glaube an Gott – Martha Ensinger, geborene Graber, hatte sechs Tanten, die Nonnen geworden sind. Eine davon war auch in Brasilien tätig und wurde von Martha und Wilfried Ensinger mit Spendengeldern unterstützt. Ensinger erinnert sich gerne an die Zeit vor der Hochzeit, nahm er doch damals Unterricht und befasste sich intensiv mit dem katholischen Glauben. Dieser sagte ihm derart zu, dass er sogar konvertierte und heute bekennender Katholik ist. "Aus tiefster Überzeugung, den Schritt der Konvertierung tat ich sehr bewusst."

Glückliche Familie

Er sei in einer sehr glücklichen Familie aufgewachsen und hätte sich niemals vorstellen können, dass man in zwei verschiedene Kirchen zum Gottesdienst geht. An Sonntagen und den kirchlichen Feiertagen sei er mit seiner Frau und den Kindern daher immer in den Rottenburger Dom gegangen, um die Messe zu erleben. Alle kirchlichen Feste feierte er selbst sehr bewusst mit und bereitete sich am Vortag darauf vor, indem er sich mit der Lesung des jeweiligen Sonntages oder Feiertages beschäftigte. Kirchliche Feiertage wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten und andere religiöse Feste wie etwa Mariä Himmelfahrt feierte er immer sehr bewusst mit. "Der Kanon der kirchlichen Feste ist mir sehr wichtig", bekennt der Fabrikant. Er sei gerne in den Rottenburger Dom gegangen, "man war dort nicht zufällig anwesend, sondern innerlich vorbereitet".

Den Glauben und die Kirche bewusst zu erleben, sei ihm bis heute geblieben. "Auch mit 84 Jahren bedeutet mir der Glaube noch sehr viel", sagt Ensinger. Er habe auch religiöse Literatur gelesen und habe so den Glauben aus verschiedenen Sichtweisen betrachtet. "Glaube ist für mich eine innere Überzeugung, er half mir auch in schweren Zeiten und gab mir Halt." Seine verstorbene Schwipp-Schwägerin, die Nonne war und in Brasilien wirkte, sei dort vor Ort gewesen, als die Kirche dort schwere Zeiten durchgemacht habe. "Damals habe ich mich sehr intensiv mit der frohen Botschaft Jesu befasst."

Mit der Vervollständigung des Geläuts in der Sülchenkirche wollte er einen Ton zum Klingen bringen, der auch noch ertönt, wenn er selbst einmal gestoben ist. "Wenn ich nicht mehr lebe, gibt es etwas Schönes, das noch Fortbestand hat", erklärt der Unternehmer, dessen Firma weltweit aktiv ist und Firmensitze auf fast allen Kontinenten hat, nicht nur in Ergenzingen und Nufringen.

Ensingers Sohn Klaus leitet heute das Unternehmen gemeinsam drei anderen Geschäftsführern. Wilfried Ensinger ist Beiratsvorsitzender und seine Tochter Edith Holzberger leitet gemeinsam mit ihrer Nichte die Martha- und Wilfried-Ensinger-Stiftung. Diese fördert soziale, wissenschaftliche und kulturelle Projekte. Ensinger wurde erst kürzlich mit der Eberhard-Fuchs-Medaille der Universität Tübingen ausgezeichnet. Zudem ist er Ehrenbürger der Stadt Rottenburg und bekam die Ehrenmedaille der Stadt in Gold.