Die Gründungsmitglieder wurden von Stephan Neher (rechts) geehrt. Foto: Baum Foto: Schwarzwälder-Bote

Förderverein Synagoge Baisingen besteht seit 25 Jahren / Erinnerungen von ehemaligen Baisinger Juden

Von Angela Baum

Rottenburg-Baisingen. 25 Jahre existiert der Förderverein Synagoge Baisingen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die ehemalige Synagoge als Gedenkstätte erfahrbar zu machen.

Gestern wurde das Jubiläum gefeiert im Beisein von Landesrabbiner Netanel Wurmser und Nachfahren von Baisinger Juden. Im Mittelpunkt standen Podiumsgespräche, eine Gedenkstunde auf dem Jüdischen Friedhof sowie der Besuch der Synagoge.

Chancen, Möglichkeiten und Grenzen des Erfahrungsorts Gedenkstätte Synagoge wurden ausgelotet, zudem wurde die bewegte Geschichte der ehemaligen Synagoge vor Augen geführt.

Am Vormittag begrüßte OB Stephan Neher in seiner Funktion als Vorsitzender des Fördervereins Synagoge Baisingen die zahlreichen Gäste, die in den Schlosssaal gekommen waren. Neher hob die Bedeutung der Synagoge als Gedenkstätte hervor und betonte, dass es sich lohne, sich im Förderverein zu engagieren.

Positiv habe sich die Tatsache erwiesen, dass der jeweilige Oberbürgermeister auch Vorsitzender des Fördervereins ist. Neher freute sich, dass er unter den Gästen auch die neue jüdische Familie begrüßen konnte, die nun in Baisingen lebt. Man müsse weniger das Trennende zwischen Juden und Christen in den Vordergrund stellen, sondern müsse das Verbindende sehen. Neher ging auf die Laubhütte ein, die der Förderverein seit einigen Jahren besitzt und die im Herbst in der Gedenkstätte gezeigt wird.

Gründungsmitgliederwerden geehrt

Er ehrte Gründungsmitglieder des Fördervereins. Dies waren Adolf Hug, Winfried Löffler, Fredy Kahn sowie Hubert Dettling, der Geschäftsführer des Fördervereins ist.

Am Vormittag diskutierten Hubert Dettling und Adolf Hug vom Förderverein, der ehemalige Baisinger Jude Fredy Kahn aus Nagold sowie Winfried Löffler als ehemaliger Oberbürgermeister über die Entstehung, die Arbeit und die Zukunft des Fördervereins Synagoge Baisingen.

Unter dem Motto "Von der Scheune zur Gedenkstätte" ließ die Podiumsrunde mit Moderator Willibald Ruscheinski die Geschichte des Fördervereins und der Gedenkstätte Revue passieren.

Fredy Kahn berichtete aus seiner Kindheit, wie er etwa in der Nähe der ehemaligen Synagoge Ball gespielt habe und der Ball durch das offen stehende Scheunentor in die Synagoge gerollt war. Damals habe er erstmals den blauen Sternenhimmel gesehen, der an die Kuppel gemalt war.

Seinen Vater habe die Synagoge etwas bedrückt – er lebte und arbeitete unweit der Stätte, die von den Nazis zerstört worden war und die ihn daran erinnerte, dass auch Freunde von den Nationalsozialisten ermordet worden waren. Fredy Kahns Vater habe in kalten Nächten seinen Viehtransporter in der ehemaligen Synagoge, die damals als Scheune genutzt wurde, unterstellen dürfen. "Mein Vater hat es ignoriert, dass die Scheune früher Synagoge war, und so war sie auch für mich nurmehr ein Gebäude", berichtete Kahn.

Es war ein langer Weg von der Scheune bis zur heutigen Synagoge, viele kleine Schritte und die Zusage an Zuschüssen aus der Landesdenkmalpflege führten schließlich dazu, dass die Gedenkstätte so entstehen konnte, wie sie heute ist.

Mittlerweile besuchten über 30 000 Gäste die Gedenkstätte, berichtete Adolf Hug, der lange Jahre als Ortsvorsteher die Sanierung begleitete.

Am Nachmittag gab es eine weitere Podiumsrunde, die Erinnerungen an das jüdische Leben zum Thema hatte. Gegenwart und Perspektiven der Gedenkstättenarbeit wurden ausgelotet, dies mit Bernhard Purin als Direktor des Jüdischen Museums München und Benigna Schönhagen als der Direktorin des Jüdischen Museums Augsburg. Gestern waren beim Jubiläum zwölf Nachkommen von Baisinger jüdischen Familien zu Gast. Sie zeigten sich sehr interessiert an der Gedenkstätte und der Arbeit des Fördervereins.

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