Die CDU hat im Wahlkreis Offenburg den bei der vorherigen Bundestagswahl verlorenen Boden wiedergutgemacht. Der Direktkandidat zeigte sich erleichtert, dass es für ihn persönlich gereicht hat. Knapp nicht geschafft hat es Amelie Vollmer (Linke).
Auch der bisherige Abgeordnete Martin Gassner-Herz (FDP) hat den Einzug verpasst. Somit ist Johannes Rothenberger der einzige Kandidat aus dem Wahlkreis, der im neuen Bundestag sitzen wird.
Die Ergebnisse: Rothenberger musste das schwere Erbe des „Rekordabgeordneten“ Wolfgang Schäuble antreten, der zuvor in 14 Legislaturperioden von 1973 bis zu seinem Tod 2023 durchgängig das Direktmandat im Wahlkreis Offenburg für die Christdemokraten holte. Deshalb kann Rothenberger insbesondere sein Erststimmenergebnis von 38,2 Prozent, das fast fünf Prozentpunkte über dem Zweitstimmenergebnis seiner Partei (33,6 Prozent) liegt, als deutlichen Wahlauftrag werten.
Wichtig war das gute Abschneiden Rothenbergers bei den Erststimmen vor allem, weil ein Direktmandat nach der Wahlrechtsreform nicht mehr automatisch den Einzug in den Bundestag bedeutet. Der 44-jährige Jurist musste im Kampf ums Bundestagsmandat landesweit sechs Parteikollegen hinter sich lassen, was ihm gelang. So bilanzierte Rothenberger im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich bin sehr dankbar für das hohe Maß an Unterstützung.“ Auch mit Blick auf das Wahl-Gesamtergebnis zeigte er sich zufrieden: „Ich bin sehr froh, dass es die Möglichkeit gibt, dass eine Koalition aus zwei Parteien eine Politik der Mitte gestalten kann.“
Das beste Ergebnis nach Stimmenzuwachs konnte allerdings die AfD verbuchen. War die rechtspopulistische Partei im Jahr 2021 mit 10,1 Prozent noch fünftstärkste Kraft gewesen, hat sie bei dieser Wahl mit deutlichem Abstand zu den weiteren Parteien die zweitmeisten Stimmen geholt und ihr Ergebnis mehr als verdoppelt (21,8 Prozent). Dass ihr Kandidat für den Wahlkreis Offenburg, Taras Maygutiak (Erststimmenergebnis: 20,7 Prozent), seine Partei allerdings nicht im Bundestag vertreten würde, war bereits im Vorfeld klar: Sein Name fehlt auf der Landesliste.
In den einzelnen Gemeinden gab es eindeutige Unterschiede
Noch etwas schlechter als im Bund schnitten die SPD (13 Prozent für Dirk Flacke, 13,3 Prozent für die Partei) und die Grünen (12,3 Prozent für Ann-Margret Amui-Vedel, 11,1 Prozent für die Partei) ab. Ein richtig bitterer Abend wurde es für den Schutterwälder Gassner-Herz: War er 2021 noch über die Landesliste der FDP in den Bundestag eingezogen, reichte es nun weder für ihn noch für seine Partei zum Wiedereinzug in den Bundestag.
Ganz knapp nicht gereicht hat es auch für Amelie Vollmer (Die Linke): Sechs Baden-Württemberger dürfen über die Landesliste der Linkspartei nach Berlin ziehen. Vollmer (Erststimme: 5,4 Prozent, Zweitstimme: 5,7 Prozent) steht einen Platz dahinter auf Listenplatz sieben.
Gewinner und Verlierer: Wirft man einen Blick auf die Wahlentscheidungen der einzelnen Gemeinden, zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: So schafften es die Christdemokraten, in Oppenau mit 46,1 Prozent die meisten Wähler von sich zu überzeugen, gefolgt von Seebach (45,8 Prozent) und Lautenbach (45,5 Prozent). Deutlich weniger Erfolg hatte die CDU dagegen in Kehl, wo sie nur 27,2 Prozent der Zweitstimmen ergatterte, gefolgt von Offenburg (28,1 Prozent) und Willstätt (29,2 Prozent). Auch bei der AfD, die es mit 21,8 Prozent im Wahlkreis auf den zweiten Platz schaffte, gibt es deutliche Unterschiede: Die meisten Wähler von sich überzeugen konnten sie in Willstätt (27,9 Prozent), Oberharmersbach (27,4 Prozent) und Ottenhöfen (25,9 Prozent). Am wenigsten Zweitstimmen ergatterten sie in Ohlsbach (15 Prozent), Berghaupten (15,7 Prozent) und Ortenberg (15,9 Prozent). Linke und FDP schnitten ebenfalls unhomogen ab: So war die Linke besonders in Offenburg (7,8 Prozent) und Kehl (6,8 Prozent) erfolgreich, schnitt in Seebach und Bad Peterstal-Griesbach dagegen mit jeweils 3 Prozent deutlich schlechter ab. Die FDP überzeugte in Nordrach (7,1 Prozent) und Durbach (6,8 Prozent) die meisten Wähler, in Bad Peterstal-Griesbach (3,7 Prozent) und Lautenbach (4 Prozent) die wenigsten.
Besonders viele Fans: Auch wenn Rothenberger für die CDU das Direktmandat ergatterte, konnte er die Menschen von sich nicht überall gleichermaßen überzeugen: Während er in Lautenbach (52,2 Prozent), Oppenau (51, 9 Prozent), Bad Peterstal-Griesbach (51,5 Prozent) und Seebach (50,4 Prozent) sogar die absolute Mehrheit erreichte, wählten ihn in Kehl und Offenburg nur 30,8, beziehungsweise 31,7 Prozent. Maygutiak (AfD), der bei den Zweitstimmen im Wahlkreis den zweiten Platz machte (20,7 Prozent), überzeugte besonders die Menschen in Willstätt (27,1 Prozent) und Oberharmersbach (25,6 Prozent). Am wenigsten Erststimmen gaben ihm die Menschen in Ohlsbach (13,3 Prozent) und Ortenberg (14,6 Prozent).
Landrat und IHK-Chef haben sich zur Wahl geäußert
Sonstige Parteien: Die Newcomer-Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ergatterte im Wahlkreis Offenburg 4,5 Prozent der Zweitstimmen. Die Freien Wähler überzeugten 1,9 Prozent der Wähler für sich, gefolgt von der Tierschutzpartei (0,9 Prozent) und Volt (0,7 Prozent). Bei den Erststimmen konnte Adolf Huber (Freie Wähler) mit 4,6 Prozent somit deutlich mehr Stimmen erreichen als seine Partei.
Das sagen Landratsamt und Wirtschaft: Landrat Thorsten Erny dringt auf eine schnelle Regierungsbildung. Den Wegfall des zweiten Mandats für den Wahlkreis Offenburg bedauert der Landrat: „ Der Verlust bedeutet, dass unsere Region noch mit sechs Abgeordneten in Berlin vertreten ist. Umso wichtiger ist es, dass die Interessen der Ortenau mit Nachdruck eingebracht werden.“ Auch IHK-Chef Dieter Salomon fordert Einigkeit, schnelles Handeln und viel Entlastung für die Wirtschaft: „Weniger Bürokratie, weniger Abgaben, mehr Zuwanderung von Fachkräften. Vor allem aber brauchen unsere Unternehmen Verlässlichkeit.“
Hohe Wahlbeteiligung
Insgesamt 82 Prozent der Menschen im Offenburger Wahlkreis gaben bei der diesjährigen Bundestagswahl ihre Stimmen ab – also 5,9 Prozentpunkte mehr, als bei der Wahl vor vier Jahren (76,1 Prozent). Bei einem genaueren Blick auf die Gemeinden zeigt sich, dass sich die Motivation, sich am politischen Geschehen zu beteiligen, unterscheidet: Besonders fleißig gaben die Menschen in Berghaupten (88,1 Prozent) und Seebach (87,9 Prozent) ihre Stimmen ab. In Kehl und Offenburg beteiligten sich nur 75,9 Prozent und 79,7 Prozent an der Wahl.