Beim Denkmaltag gibt Franz Wild Einblicke ins ehemalige Rathaus in Allmendshofen und seine vielfältige Nutzungsgeschichte.
Auffällig ist es allemal. Mit seiner leuchtend roten Fassade, dem steilen Dach und den kleinen Türmchen samt Uhr ist das rote Rathaus in Allmendshofen ein Blickfang. Seit 98 Jahren steht es, und als Rathaus hat es nur die kürzeste Zeit gedient.
Das Innenleben des Rathauses kennen die Mitglieder der fünf Allmendshofer Vereine, die dort ihren Aktivitäten nachkommen. Doch das soll sich ändern. Wenn am Sonntag, 8. September, deutschlandweit der Tag des offenen Denkmals begangen wird, fügt die Stadt Donaueschingen mit der Öffnung des ehemaligen Rathauses einen informativen Beitrag hinzu.
Das rote Rathaus kann von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden. „Am Tag des offenen Denkmals werden dort um 11.30 Uhr und 14 Uhr öffentliche Führungen mit Franz Wild angeboten. Die Teilnahme ist kostenlos“, informiert Rathaussprecherin Beatrix Grüninger.
Nutzung als Schule
Das im Jahre 1926 fertiggestellte Rathaus Allmendshofen blickt auf eine ereignisreiche Geschichte mit vielfältigen Nutzungen zurück. Es diente, so zählt die Rathaussprecherin auf, als Rathaus, Jugendherberge, Arbeiterwohlfahrt und Schule, bevor es schließlich seine aktuelle Funktion als Domizil für die ansässigen Vereine erhielt. An eine weitere Nutzung erinnert sich Franz Wild aus eigenem Erleben. 1947 geboren, ging er Anfang der 1950er Jahre in den Kindergarten. Und der war im Rathaus.
Vereinsräume zugänglich
„Da kümmerte sich eine ‚Tante’ um 50 bis 60 Kinder“, erzählt der oft als „heimlicher Bürgermeister von Allmendshofen“ titulierte frühere Stadtrat. Wer am 8. September mit ihm durch das Gebäude zieht, darf das ehemalige Bürgermeisterzimmer bestaunen. Generell sind die Vereinsräume zugänglich.
Viel werden die Besucher über die Geschichte des Rathauses hören, immer auch Donaueschinger Geschichte. Gerade sieben Jahre war das Rathaus Verwaltungszentrum, ehe die Nationalsozialisten Allmendshofen am 1. Juni nach Donaueschingen eingemeindeten, Aufen ging es wenig später ebenso.
Prosperierende Dorfkultur
Allmendshofen und Aasen sind trotz ausgeprägtem Bewusstsein und prosperierender Dorfkultur deshalb keine eigenen Stadtteile. Zu diesen werden nur die gezählt, die im Rahmen der Gemeindereform Anfang der 1970er-Jahre zu Donaueschingen kamen.
Auch auf die Sanierung des Gebäudes 2016 und 2017 wird Wild eingehen. „Erst da ist es eigentlich vorzeigbar geworden“, sagt er. Damit entstand, Stichwort Toiletten, die Infrastruktur, die ein Vereinsleben unter dem roten Rathaus ermöglicht. Männergesangverein (MGV), Fotoclub, Schachclub, KFD-Gymnastik und natürlich der Narrenverein Hans-Heini-Narro fühlen sich dort wohl.
Sanierung nicht einfach
Gleichwohl, so Franz Wild, sei die Sanierung nicht einfach gewesen, unter Berücksichtigung der heutigen energetischen Standards und Sicherheitsansprüchen mit den Erfordernissen des Denkmalschutzes. „Da mussten wir schon einige Klimmzüge machen“, erinnert er sich.
Offene Denkmäler
Aktionstag
Hinter den Fassaden von Denkmälern verbergen sich faszinierende Geschichten – das erleben alljährlich Millionen Besucher beim Tag des offenen Denkmals, den die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bundesweit koordiniert. Am Sonntag, 8. September, bietet auch die Stadtverwaltung Donaueschingen wieder die Möglichkeit, die Geschichte historischer Gebäude hautnah zu entdecken. Dieses Mal in Allmendshofen. Nachdem im vergangenen Jahr die Gnadentalkapelle in Neudingen im Mittelpunkt gestanden war, richtet sich der Blick nun auf das ehemalige Rathaus in Allmendshofen. Das Gebäude feiert in zwei Jahren das 100-jährige Bestehen. Die Stadtverwaltung freut sich auf alle Gäste, welche die Geschichte des ehemaligen Rathauses in Allmendshofen und den Tag des offenen Denkmals mit einer kleinen Erfrischung genießen möchten.