Die porträtierte Kunstschaffende Angelika Nain hat sich nie über ihre prekäre Einkommenssituation beklagt. Foto: © Karger Film Kultur und Video

Kinotag im Roten Löwen in St. Georgen – gezeigt wurde der durchaus gesellschaftskritische Film des Villinger Filmemachers Klaus Peter Karger „Die treibende Kraft“.

Dabei begleitete er die Offenburger Künstlerin Angelika Nain über mehrere Monate bei ihrer Arbeit, nachdem er sie bereits vor rund 20 Jahren porträtiert hatte.

 

Der Dokumentarfilm zeigt eine Frau, die in Trossingen geboren wurde und zunächst den Beruf der Kinderkrankenschwester erlernt hatte. Nach Jahren im Beruf reifte der Entschluss, ein Studium an der Freien Hochschule für Grafikdesign und der Bildenden Kunst in Freiburg zu absolvieren. Danach hatte Angelika Nain im Jahr 1996 beschlossen, vom Kunstschaffen leben zu wollen.

Er zeigt ihren künstlerischen Antrieb, aber auch die Herausforderungen des Künstlerdaseins. Klaglos, aber mit klarer Botschaft stellt Karger die Frage nach dem Wert von Kunst in unserer Gesellschaft. Er zeigt ihr Schaffen von Druckgrafiken bis zur Ausstellungsgestaltung.

Über Monate mit der Kamera begleitet

Über Monate hinweg hat der Filmemacher die Künstlerin mit der Kamera begleitet: Bei der Arbeit an Drucken und der Gestaltung ihres „Raumwunder“-Objekts für das Stadtmuseum in Lahr und beim Aufbau der jüngsten Kunst-Ausstellung in Offenburg, bei der Vorstellung ihres Buchs mit Druckgrafiken und Texten zu Kolonialismus und Postkolonialismus im Museum im Ritterhaus. Aber auch bei der Arbeit im eigenen Garten – für die Künstlerin ein Ort des Rückzugs, der Inspiration und des Nachdenkens über Werden und Vergehen.

Klaus Peter Karger, ehemaliger Mitarbeiter des SWR in Villingen, zeigt seinen Dokumentarfilm über „die treibende Kraft“ der Offenburger Kunstschaffenden Angelika Nain. Foto: Hans-Jürgen Kommert

In mehr als 50 Einzel- und Gruppenausstellungen war Nain mit Malerei, Objekten und Druckgrafiken vertreten. Daneben war sie schon früh politisch interessiert, ihre Kunst erzählt auch von persönlichen Erlebnissen: Von der Arbeit mit Geflüchteten, von Eindrücken, die sie auf dem „Dunklen Kontinent“ erfuhr, aber auch von Erlebnissen als Mitglied der Mannschaft auf einem Schiff der Organisation „Sea-Eye“ im Mittelmeer, das sie trotz einer stets schwierigen Einkommenssituation auf sich nahm.

Nebentätigkeiten für den Lebensunterhalt wichtig

Ihr Leben als Künstlerin konnte sie nur durch ihre Nebentätigkeiten – als Dozentin an der Kunstschule und bei einem Pflegedienst – stemmen.

Am Ende stellte sich der Regisseur den Fragen der nur wenigen Besucher. Sein Fazit: „Ich sehe die Künstlerin exemplarisch für das Leben der Allermeisten von rund 50 000 Künstlerinnen und Künstler in Deutschland“, so Karger. Dies decke sich mit den Erhebungen des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler oder der Künstlersozialkasse – die Wenigsten können von ihrer Kunst leben.

Der innere Antrieb

Angelika Nain thematisiert und kritisiert zwar diese Umstände, habe sich aber über ihre eigene Situation nie beklagt. Es gebe, und das zeige sein Film, den inneren Antrieb, eben diese „treibende Kraft“, die einen Künstler niemals aufgeben lasse. „Wenn Sie mal wieder eine Kunstausstellung eines wenig bekannten Künstlers besuchen, geben Sie sich einen Ruck und erwerben Sie eines seiner Werke – es tut demjenigen gut. Und wenn es dann daheim bei Ihnen an der Wand hängt, erfüllt es auch Sie“, warb Klaus Peter Karger abschließend.