Mit der fortschreitenden Sanierung des "Roten Löwen" nimmt das 2017 vom Gemeinderat beschlossene integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) weiter Fahrt auf. Nun folgte ein Blick in die Zukunft. Die künftige Nutzung stand im Fokus.
St. Georgen - Der Gemeinderat befasste sich in seiner jüngsten Sitzung mit einem Sachstandsbericht darüber, wie der "Rote Löwe" künftig mit und für die Bürger genutzt werden könnte.
Bürgermeister Michael Rieger ist sich sicher dass "so ein tolles Projekt auf jeden Fall in die Mitte unserer Stadt gehört" – und dort ist es ja auch. Der Bericht beinhaltete denn auch zahlreiche gute Ideen. Markus Esterle, bei der Stadt zuständig für Ordnung, Bildung und Soziales, stellte das Werk vor und nannte Eckpunkte aus dem ISEK.
Anlaufstelle für alle Menschen mit erhöhtem Bedarf an Unterstützung
Der "Rote Löwe" als wichtiger Baustein, werde darin als offenes Haus und Zielgruppe für alle Generationen, Nationen und Religionen – eben als Generationentreffpunkt – präsentiert. Man wolle insbesondere Anlaufstelle für alle Bürger mit erhöhtem Bedarf an Unterstützung sein. Es gebe fünf Schwerpunkte für die Arbeit im "Roten Löwen". Aufgelistet wurden Betreuung, Beratung, Begegnung, Bildung und Beteiligung.
Antonia Musacchio-Torzilli, Leiterin der Wirkstatt, nannte Beispiele: so etwa das Zwergenstüble, die Tagesmütter, die Betreuungsgruppe Demenz oder soziale Gruppenarbeit. Es seien regelmäßige Beratungssprechzeiten geplant. Wirkstatt, Kinder- und Jugendbüro oder der Behinderten- und Seniorenbeauftragte, auch Jugend- und Sozialamt, Agentur für Arbeit, Refugio und so weiter seien mit an Bord. Angedacht seien diverse Möglichkeiten der Begegnung, etwa für Selbsthilfegruppen, Stammtische, Literaturfrühstück, Tanztee für Senioren oder Kinoangebote und vieles mehr. Unterschiedliche Formate aus dem Bereich Bildung würden angeboten, wie etwa Sprach-Café, Seminare, Kurse oder Hausaufgabenhilfe.
Sozialbereich hat mit vielen Problemen zu kämpfen
Generell solle bürgerschaftliches Engagement gefördert werden und Veranstaltungen zu Bürgerbeteiligung stattfinden. Markus Esterle hob nochmals hervor, dass der "Rote Löwe" allen Bürgern und Kooperationspartnern zur Nutzung offenstehe, die sich im Rahmen der Leitsätze der Einrichtung engagierten.
Im Zusammenhang mit diesem Sachstandsbericht erhielten Wolfgang Hauser und Jürgen Stach von Sozialdezernat des Landratsamts Villingen-Schwenningen das Wort. Sie waren für eine Sozialberichterstattung in den Gemeinderat eingeladen worden. Der Leiter des Sozialdezernats, Jürgen Stach, gab einen kurzen Abriss über die Probleme, mit denen der Sozialbereich zu kämpfen habe. Besonders der demografische Wandel mache seiner Behörde und allen, die mit sozialen Fragen zu tun hätten, zunehmend zu schaffen. Probleme im familiären Bereich nähmen stetig zu. Hinzu kämen neue Lebensformen außerhalb der Ehe sowie seit mehr als zwei Jahren die Auswirkungen der Corona-Pandemie.
Lob vom Landkreis für Projekt mit Vorzeigecharakter
Wolfgang Hauser erklärte, der Landkreis versuche, verstärkt die Kommunen bei ihren vielfältigen sozialen Aufgaben zu unterstützen, denn sie seien ganz nah dran an den Problemen. Man habe zwar überall Fachkräfte-Mangel, im Sozialbereich seien die Auswirkungen jedoch gravierend. Seiner Meinung nach sei eine enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort bei der Sozialplanung unerlässlich. Man unterstütze das Projekt "Roter Löwe" ausdrücklich – es habe Vorzeigecharakter. Prävention sei ungemein wichtig. Sie könne nur vor Ort geleistet werden. "Wir vom Landkreis freuen uns über die Zusammenarbeit mit Ihnen", unterstrich Hauser.
Die Wortmeldungen aus dem Gremium machten eine große Zustimmung der Gemeinderäte zum vorgelegten Sachstandsbericht "Roter Löwe" und zu seiner geplanten Nutzung als umfassender Bürgertreffpunkt deutlich. Oliver Freischlader (SPD) lobte das Vorhaben als "ganz tolles Projekt". Ähnlich äußerte sich auch Hedwig König (Freie Wähler). Beide regten jedoch an, nochmals zu überlegen, ob nicht doch – entgegen der aktuellen Planung – eine Nutzung beziehungsweise Inanspruchnahme der Räume durch Privatpersonen möglich gemacht werden solle. Bürgermeister Michael Rieger entgegnete, dass man nochmals darüber nachdenken könne – es müsse ja nicht alles von Anfang an und sofort für den "Roten Löwen" geregelt und umgesetzt werden. Aber: "Wir müssen uns das schon sehr gut überlegen, denn alles geht halt auch nicht."
Verwaltung arbeitet Nutzungsvereinbarung aus
Der Gemeinderat beschloss einstimmig, die Verwaltung zu beauftragen, eine Nutzungsvereinbarung für den "Roten Löwen" zu erstellen und die Planungen der Belegung fortzuführen.