Steht die Pflege und damit der Bestand des Platten- und Wiesenwegenetzes rund um Rotensol und Neusatz auf dem Spiel?
Bad Herrenalb-Rotensol/Neusatz - Die Infopfähle zum neuen Konzept mit Wegfall zweier Wiesenwege unweit der Rotensoler "Schönen Aussicht", aufgestellt vom Rotensoler Ortsvorsteher, liegen jedenfalls bereits wieder im Gras.
Hans-Friedrich Scheeder äußert seine Kritik lieber verbal: Der Rotensoler hat sich mit einer Wortmeldung an den Schwarzwälder Boten gewandt. Der ehemalige Stadt- und Ortschaftsrat mäht und pflegt seit Jahren diese Wege für die VVV Service GmbH, kurz VVV. Kaum einer kennt sie besser als er, war er doch Anfang der 1980er-Jahre als Vorsitzender des damaligen Fremdenverkehrsvereins Rotensol-Neusatz maßgeblich an ihrer Entstehung beteiligt und außerdem in den ersten Jahren Geschäftsführer der VVV, die die Wegepflege in der Nachfolge übernommen hat.
Kompromiss getroffen
Seit Herbst 2020 sind die Platten- und Wiesenwege in der Diskussion. Anlass sind Veränderungen bei der Wiesenbewirtschaftung, aber auch der Plan eines neuen Konzeptes vor allem im Bereich Rotensol.
Ende April dieses Jahres wurde ein Kompromiss getroffen zwischen Stadt Bad Herrenalb, vertreten durch Stadtkämmerer Albert Wilhelm, VVV, vertreten durch Geschäftsführerin Stefanie Scheeder und Hans-Friedrich Scheeder, dem Flächenbewirtschafter Pferdehof Knöller GbR, vertreten durch Udo Knöller, und den beiden Ortsvorstehern Dietmar Bathelt, Neusatz, und Sven Feuchter, Rotensol.
"Falsche Inhalte"
Mit der Zusammenfassung, festgehalten in einer Rundmail der Stadt an die Beteiligten vom 20. Juli, als Basis für eine Pressemitteilung, ist Scheeder nicht einverstanden und schreibt – auch im Namen seiner Tochter: "Die Pressemitteilung wird…wegen falscher Inhalte…von der VVV nicht freigegeben."
Unter der Überschrift "Schilder statt Konzepte" erläutert er, dass er die Vereinbarung aus verschiedenen Gründen so nicht mittragen kann: Dies beginne nicht erst beim "„Ersatzverlauf" für die beiden nicht mehr zu pflegenden Wege, sondern bereits bei der angegebenen Mähbreite von "circa 80 Zentimetern": "Mein Aufsitzmäher hat eine Breite von 1,07 Metern." Wo sich Kämmerer Wilhelm kompromissbereit zeigt: "Auf zehn oder 20 Zentimeter kommt es hier nicht an. Aber eine Wegebreite von 1,30 Metern und mehr darf nicht entstehen." Sonst gebe es wiederum Probleme für den Flächenbewirtschafter bei den Zuschüssen.
Kostenlose Pflege
Auch dass es vier Wochen vor dem Heuen kein Mähen der Wiesenwege mehr geben dürfe, damit es für den Wiesenbewirtschafter keine Verunreinigung des Mähguts durch Hundekot gebe, sprich dass die Hundehalter die Wege ungemäht nicht mehr nutzten, hält Scheeder nicht für praktikabel. Die Beschränkung, so merkt er an, könne sowieso nur verlangt werden, wenn der Flächenbewirtschafter einen echten Pachtvertrag mit den Eigentümern habe. Gravierendster Kritikpunkt von Scheeder ist aber die in der Rundmail formulierte Regelung der Verkehrssicherungspflicht bei den Plattenwegen. Die VVV übernehme diese da, wo Wege über privaten Grund führten. Doch bei städtischem Gelände wie der Verlängerung Schulweg Rotensol zum Wiesenweg über die "Schöne Aussicht" möchte Scheeder die VVV nicht in der Pflicht wissen: "Wir pflegen für die Stadt kostenlos – wenn die Stadt im Gegenzug hier keine Verantwortung übernimmt, werde ich die Wegepflege einstellen." Dann würden wohl auch die Platten entfernt, denn diese gehören der VVV. Kämmerer Wilhelm argumentiert anders herum: "Die Platten wurden von der VVV verlegt. Bei Plattenwegen ist anders als bei Wiesenpfaden eine Verkehrssicherungspflicht und Haftung daraus erforderlich. Die wird die Stadt nicht übernehmen."
Über Jahrzehnte wurden die Wege durch die VVV, für die Stadt unentgeltlich, gepflegt. Was außer dem Mähen auch das Richten, Reinigen und Austauschen der Wegeplatten betraf. Eine explizite Verkehrssicherungspflicht wurde dabei nie thematisiert. Jetzt ist sie auf dem Tisch und muss geregelt werden. Im Interesse aller Wanderer und Spaziergänger ist ein zügiger Konsens wünschenswert.
Info: Gegebenenfalls ein Rückbau
Feldwege, asphaltierte Wege, Trampelpfade, Wiesenwege – dem einheimischen Spaziergänger oder dem wandernden Touristen ist es relativ egal. Hauptsache, er kommt gut von A nach B.
Vor rund 40 Jahren wurden gewachsene Wege vom Fremdenverkehrsverein Rotensol-Neusatz um Verbindungswege erweitert. Ziel: Fußgänger sollten von der Neusatzer Pfütz über den alten Wallfahrtsweg im Ort bis zur "Schönen Aussicht", dem höchsten Punkt der Rotensoler Höhe mit der 90-jährigen Eiche, gelangen können.
Vor Einrichtung von Wegen über Privatgrund sei damals das Einvernehmen mit jedem Eigentümer hergestellt, bei Verlegung von Platten ein Pachtvertrag, teilweise heute noch entgeltlich, geschlossen worden, weiß Scheeder. Die Nutzung kann von den Eigentümern jederzeit widerrufen werden. Dann findet gegebenenfalls auch ein Rückbau der Plattenwege statt. An mehreren Stellen wurden bereits vor Jahrzehnten außerdem Sitzgruppen – ehrenamtlich vom Eigentümer oder dem Fremdenverkehrsverein – aufgestellt und mit Bäumen oder Büschen angelegt, die noch heute gepflegt werden und einen zusätzlichen Mehrwert des Wegenetzes darstellen.