Seit 36 Jahren beteiligt sich Hans Pfarr im Auftrag des Rotary-Clubs Ebingen-Zollernalb am Kampf gegen den Erreger der Kinderlähmung. Am 24. Oktober ist Weltpoliotag; Pfarrs diesjährige Kampagne erreicht am Wochenende ihren Höhepunkt.
Hans Pfarr war Oberbürgermeister von Albstadt, als er vom Rotary-Club Ebingen-Zollernalb beauftragt wurde, sich am Feldzug gegen die Poliomyelitis zu beteiligen, eine Krankheit, die ihre Opfer fürs Leben zeichnet und gegen die man sich zwar impfen, aber nicht medikamentös behandeln lassen konnte. 1987 wurden noch 330 000 Erkrankungen in 124 Ländern der Erde gezählt; zumindest in den Entwicklungsländern war Polio nach wie vor eine Volksseuche.
Seither hat sich einiges geändert: Hans Pfarr hat drei Amtsnachfolger im Rathaus Albstadt kommen und wieder gehen gesehen, die Zahl der Polio-Erkrankungen pro Jahr ist weltweit auf unter zehn gesunken, und von den 124 Ländern des Jahres 1987 sind noch zwei übrig geblieben, nämlich Afghanistan und Pakistan – die Ausrottung ist in greifbare Nähe gerückt.
„Jetzt nicht nachlassen – so kurz vor dem Ziel!“
Umso engagierter wirbt Pfarr dafür, jetzt im Kampf nicht nachzulassen; für Vorstöße im gesetzgebenden Rat von Rotary, sich jetzt doch einmal drängenderen Problemen zuzuwenden und Polio Polio sein zu lassen, bringt er nicht das mindeste Verständnis auf. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO für „Ausrottung“ sind eindeutig“ – keine Erkrankungen in drei aufeinander folgenden Jahren – , und Hans Pfarr ist gebranntes Kind. Er hat es schon mehrfach erlebt, dass zwei Jahre lang in einem Land Ruhe herrschte und im dritten dann doch wieder einer oder mehre Krankheitsfälle registriert wurden. Dann galt jedes Mal die „Mensch-ärgere-dich-nicht“- Regel: zurück zum Start!
Unverdrossen und hoffnungsvoll
Aus diesem Grund werden Pfarr und seine Mitstreiter vom Rotary-Club Ebingen-Zollernalb auch in diesem Jahr wieder unverdrossen Stellung gegen Polio beziehen, und zwar im Wortsinne, nämlich auf den Wochenmärkten in Tailfingen und Ebingen am Freitag, 20., respektive Samstag, 21. Oktober. Dort werden sie zum wiederholten Mal Polio-Briefmarken verkaufen, eine Initiative, die Pfarr 2015 in seiner Eigenschaft als Poliokoordinator von Rotary Deutschland initiierte und die der Rotary-Club Ebingen-Zollernalb auch in diesem Jahr stellvertretend für 58 000 deutsche Rotarier betreut.
Jeder verkaufte Bogen à 20 Marken bedeutet dank der Hilfe der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die die Spendensumme verdoppelt, dass 60 Kinder gegen Polio geimpft werden können.
Die Weihnachtspost stilvoll im Brief statt per E-Mail
Aber wer kauft heute noch Briefmarken? Hans Pfarr hat die Frage schon oft gehört; im Oktober fällt die Antwort leicht: Weihnachten steht vor der Tür, und Weihnachtsgrüße per WhatsApp oder Mail zu verschicken ist doch stillos.
Der zweite Appell, den Hans Pfarr am Rotary-Stand an die Tailfinger und Ebinger Marktbesucher richten wird, betrifft nicht ihren Geldbeutel, sondern ihre und die Gesundheit ihrer Mitmenschen.
Selbst impfen lassen gehört auch dazu
Hans Pfarr rät seinen Mitbürgern dringend, sich nicht darauf zu verlassen, dass die Pflichtimpfung aus ihren Schülertagen ein Leben lang hält – oder dass ihnen im poliofreien Deutschland nichts passieren kann. Viren überbrücken im Zeitalter der schrankenlosen Mobilität und der Interkontinentalflüge problemlos Tausende von Kilometern, und die Widerstandskraft einer Gesellschaft gegen derartige Bedrohung sinkt mit dem Durchimpfungsgrad: 85 Prozent, sagt Hans Pfarr, sollten es schon sein. Deutschland liegt derzeit knapp über 90 – Tendenz fallend.
Hans Pfarr ärgert das umso mehr, weil das Ziel mittlerweile so nah erscheint. Er hat den Ehrgeiz, die Ausrottung des Poliovirus noch in Person mitzufeiern, was bedeutet, dass die Galgenfrist des Virus nicht unbegrenzt lang ist: Pfarr ist nach wie vor agil und erfreut sich bester Gesundheit, aber der Allerjüngste ist er auch nicht mehr. Am 30. September hat er seinen 87. Geburtstag gefeiert.