Gibt es eine weitere Gnadenfrist? Lars Klapper, Inhaber vom Schwenninger Autohaus NeckarCars, weiß nicht genau, wann er die Räumlichkeiten in der Villinger Straße 102 räumen muss. Foto: Mareike Kratt

Eigentlich sollte der Gebäudekomplex in der Villinger Straße 102, in dem auch das Autohaus NeckarCars beheimatet ist, einem neuen Wohn- und Geschäftshaus mit Drogeriemarkt weichen. Doch diese Pläne verzögern sich. Gibt es also eine Zukunft für das Autohaus am bisherigen Standort?

Eigentlich könnte Lars Klapper, Inhaber vom Autohaus NeckarCars an der Villinger Straße, erleichtert sein. Sein Mietvertrag für den vorderen Teil des großen Gebäudekomplexes ist wieder um mehr als ein Jahr, bis Ende Mai 2026, verlängert worden.

 

Eigentümer seit 2021

Aber es ist nicht nur Freude, die aufkommt, wenn der Autohändler in Kontakt mit dem Gebäudeeigentümer, der DR Immobilien GmbH mit Sitz im niedersächsischen Burgwedel, tritt. Die Firma DR Immobilien vertritt die Drogeriekette Rossmann in Immobilienfragen. Denn eigentlich hat das Unternehmen, dass das Grundstück im Jahr 2021 gekauft hat, andere Pläne: Das bestehende Gebäude soll zurückgebaut werden, stattdessen ein neues dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus entstehen – mit dem Fokus auf einer Rossmann-Filiale auf etwa 750 Quadratmetern.

In den Gremien im Jahr 2023

Öffentlich gemacht wurde das Vorhaben im Sommer 2023, als der Technische Ausschuss die Weichen für die weitere Planung gestellt hatte. Damals hatte die DR Real GmbH als Projektziel definiert, „ein Gebäude zu schaffen, welches die Funktion des Wohnens und des Einzelhandels harmonisch miteinander kombiniert.“

Viele Gnadenfristen

Ein neuer Standort muss her. Für Lars Klapper bedeutet das eigentlich schon seit rund vier Jahren: Er muss für seinen hochwertigen Autohandel einen neuen Standort suchen. Die übrigen Mieter aus dem hinteren Gebäudeteil sind bereits weg: Die Firma KS Systems hat in Dauchingen eine neue Heimat gefunden, die Autovermietung Buchbinder ist von Europcar übernommen worden. Doch richtig brenzlig ist es für den Autohändler noch nie geworden. Denn – glücklicherweise – hat sich die Frist seines Mietvertrags, den er mit der DR Real GmbH geschlossen hat, in den vergangenen Jahren immer wieder verlängert. Die einst konkreten Abriss- und Neubaupläne werden regelmäßig nach hinten verschoben. Doch warum?

Bürokratie als Hürde?

Die Stadt Villingen-Schwenningen habe mit der Dirk Rossmann Immobiliengruppe ein Bauleitplan-Verfahren gestartet, das bis heute andauere, berichtet die Referentin für Unternehmenskommunikation der Dirk Rossmann GmbH, Franziska Metz, auf Anfrage unserer Redaktion. Ursprünglich sollte der Drogeriemarkt bereits 2023 eröffnet und für Rossmann in kurzer Zeit die planungsrechtliche Zulässigkeit gegeben werden. Eine Vielzahl von Auflagen und Gutachten hätten im Laufe des Verfahrens zu einer deutlichen Verlängerung der Planungszeit geführt.

Interesse ist noch da

Rossmann sei aber nach wie vor an einer baldigen Umsetzung und an einer beginnenden Bauphase interessiert und könnte umgehend mit der Realisierung eines Drogeriemarktes mit ausreichend Parkplätzen beginnen, heißt es vonseiten des Unternehmens weiter.

Suche nach Alternativen

So ist die Situation für Lars Klapper weiterhin unbefriedigend und vor allem ungewiss. Nach alternativen Standorten hält er stetig Ausschau und ist immer wieder in Verhandlungen. Konkrete Pläne hatte es unter anderem für das ehemalige Burger-Spritzguss-Gebäude in der Villinger Goldenbühlstraße gegeben. Dort lässt die Unternehmerin und Künstlerin Badiah Ihlenfeld derzeit die „Art Factory“ – ein vielseitiger Mix aus besonderer Gastronomie, Platz für Kreative und exklusiven Gewerbeflächen – entstehen.

Der Traum „Art Factory“

Von Exklusivität ist auch das Autohaus NeckarCars geprägt, und einen Umzug in den ehemaligen Industriebau hätte sich Lars Klapper gut vorstellen können. Doch an die rund ein- bis anderthalbjährigen Mietfristen an der Villinger Straße ist er immer wieder aufs Neue gebunden. Zum damals gesetzten Mietende sei die „Art Factory“ noch gar nicht beziehbar gewesen. Ebenso zerschlagen haben sich für den Autohändler die Umzugspläne in Richtung Industriegebiet Rammelswiesen.

Eine „schwere Zeit“

Aber wird er nach Sommer 2026 noch weiter an der Villinger Straße bleiben? Lars Klapper, der mit NeckarCars in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen im ehemaligen Autohaus Sixt-Komplex feiert, weiß es nicht. „Ich bleibe so lange, wie ich will und kann“, sagt er – auch mit Blick auf die derzeitige wirtschaftliche Lage, vor allem auf dem Automarkt. Die Wirtschaft habe sich in den vergangenen Jahren massiv verändert, so hätten sich die Margen extrem erhöht und die Autos würden länger gefahren. „Es ist eine schwere Zeit“, bringt der Händel es auf den Punkt.

Markt gibt die Richtung vor

Auf den Markt müsse man sich verlassen können – und sich nach ihm richten. Als 2017 die Oldtimer-Ära ein Comeback gefeiert hatte, hat Lars Klapper neben seinen Kleinwagen, Limousinen und Sportwagen folglich Oldtimer ins Portfolio aufgenommen. Der „Hype“ sei inzwischen wieder zurückgegangen, ebenso wie bei Wohnmobilen. Er ist froh, sich im Laufe der Jahre einen Namen in der Stadt, in der Region und auch darüber hinaus gemacht zu haben und auf ein breites Netzwerk zurückgreifen zu können.

Internethandel wächst

Gleichzeitig habe der Internethandel immer mehr an Bedeutung gewonnen. „Heutzutage kannst Du keinen Autohandel mehr aufmachen ohne mobile.de“, erklärt der Schwenninger, der aus einer Autofamilie stammt und seit 2011 im Autohandel selbstständig ist. Auch mit der Präsenz in den sozialen Medien sei ein Autohaus am Zahn der Zeit, wenngleich Klapper findet: „Niemand hat bisher ein Auto gekauft, weil es auf TikTok gezeigt wurde.“

Dass mit dem Autocenter Heuberg bald ein neuer (Gebrauchtwagen-)Autohändler ganz in die Nähe nach Schwenningen zieht, findet er in Zeiten wie diesen mutig, aber durchaus positiv, „damit an der Villinger Straße etwas los ist“ – und auch in Zukunft durch das Autohaus NeckarCars.