26 Gruppen und Motivwagen ziehen durch Dießen und präsentieren einen gelungenen Rosenmontagsumzug.
Die Besucher des Rosenmontagsumzugs erwartete heuer wieder jede Menge Spaß, welcher durch die kreativ gestalteten Motivwagen und Gruppen garantiert war. Insgesamt 26 verschiedene Gruppen und Motivwagen zogen durch Dießen. Angeführt vom Polizist, den Fahnenträgern sowie dem „Fuchslocher“ und dem „Bazzaloablesverdrugger“ des Narrenvereins (NV) folgte der Musikverein Dießen. Wie gewohnt spiegelten sich im Umzug Themen aus dem gesamten Land sowie dem Stadt- und Ortsgeschehen in den eindrucksvoll gestalteten Motivwagen wider. Besonders viel Aufmerksamkeit erregte ein Wagen, der sich der lokalen Haushaltslage widmete. Angesichts knapper Kassen und personeller Wechsel im Rathaus sparten die Narren nicht mit deutlichen Worten.
Auf einem der aufwendig gestalteten Wagen prangte ein Banner, das die aktuelle Situation in Horb süffisant zusammenfasste: „In Stadt und Land, landauf landab, sind die Finanzen denkbar knapp. Da hilft nur eines auf die Schnelle und das ist eine Haushaltssperre. Auch Horb muss sparen wie nie zuvor, doch ein OB-Wechsel stand bevor. Kessler kommt, Rosenberger geht, egal wie es um die Finanzen steht, wir feiern das und zwar ganz groß, für jeden ein Fest, ganz famos.“
Trotz der „leeren Kassen“ wurde also bewiesen, dass Humor in Horb weiterhin zur Grundausstattung gehört.
Galgenhumor zur Rente
Doch nicht nur die Lokalpolitik stand im Fokus. Mit einer gehörigen Portion Galgenhumor nahm ein als „Titanic“ gestalteter Wagen die Rentendiskussion ins Visier: „Keine Panik! Die Rente ist so sicher wie die Titanic!“.
Passend dazu verkündete die Bordwand des „Sinkschiffs“ trotzig: „Wir machen uns das Leben schön, SOS bis wir alle untergehen“. Ein weiterer Wagen schlug nachdenklichere Töne an und richtete den Blick auf das Weltgeschehen.
Vor einer großen Weltkarte und internationalen Flaggen saßen die Oberhäupter der Weltmächte USA, China und Russland, wie sie untereinander um die verschiedenen Länder der Welt boten. Ein Transparent mahnte: „Sie bieten mit Bomben, mit Zoll und mit Lügen, wer stoppt diese drei beim Völker betrügen.“
Heino, der Unverwüstliche
An anderer Stelle wurde das Altern auf humorvolle Weise neu definiert. Ein Wagen feierte die Unverwüstlichkeit der Schlager-Ikone Heino und schickte eine klare Botschaft an alle Altersheime: „Heino scheißt auf’s Altersheim! Er ist auf Malle im Bierkönig daheim! Rollator und Bingo-Abend sind vertagt.
Er hat mit 87 noch Vertrag!“ Auch moderne Trends wurden im dörflichen Kontext verarbeitet. Unter dem Motto „Hobbyhorsing“ präsentierte sich eine Gruppe als „Glorreiche Sieba vom Flegga“ und stellte klar: „Mir hen sieba Geil, älle am Stecka“. Nach dem Umzug verweilten die meisten Besucher noch vor Ort, um der traditionellen Fasnetpredigt von Steffen Schäfer und Michael Schröter zu lauschen.
Viel Wissenswertes rund um den Flecken, Missgeschicke und kleine „Skandälchen“ der Bürger erfreuten dann das gesamte Narrenvolk. Sind die Verfehlungen der Sünder zu krass oder verwerflich, dürfen dann der Bajass (Bajazzo aus dem Venezianischen Karneval) und sein Gehilfe, die Fleggahex, ran, um den ausgerufenen Missetätern mit der „Saubloder“ und dem Besen den „Ranza“ zu polieren.
Morgen, kurz vor Mitternacht, wird dann die Fasnet in Form des Fräuleins Katharina Fasnacht, geborene Rundloch und hinterbliebene Spitzbauch, sanft durch den Flecken gekarrt – aber nur, um dem armen Fräulein pünktlich um 23.59 Uhr das Licht bis zur nächsten Fasnet auszublasen. In einem schaurig kalten Grab an der Kirche hat sie dann bis zur Auferstehung am nächsten Schmotzigen im kommenden Jahr auszuharren.