Vor dem Balinger Amtsgericht ist ein Mann aus Rosenfeld angeklagt. Der Vorwurf: Geldwäsche in zwei Fällen. Am Telefon gab er sich als Polizist aus, der vor betrügerischen Bankmitarbeitern warnte – dabei betrog er selbst.
Abgesehen von wenigen Angaben zur Person bleibt der Angeklagte, Jahrgang 1986, deutscher Staatsangehöriger, wegen Vermögensdelikten vorbestraft, während der Verhandlung stumm. Mit zwei Aktionen einer Diebesbande, deren Kontakte bis in die Türkei reichen, wird er laut Anklage in Verbindung gebracht: In Löffingen und Neckargemünd wurden ein Oberarzt und eine ältere Dame von falschen Polizisten zur Herausgabe von Bargeld und EC-Karten gedrängt; im ersten Fall wurden mindestens 43 000 Euro übergeben, im zweiten 10 000 Euro. Darüber hinaus wurden auch mit den EC-Karten Barbeträge von verschiedenen Geldautomaten abgehoben. Das Geld sei, so der Vorwurf, von einem Mitglied der Bande, einem Mann, der mittlerweile rechtskräftig verurteilt ist, dem jetzt Angeklagten übergeben worden sein. Der wiederum soll es an seinen Schwager in der Türkei geschickt haben.
In beiden Fällen gingen die Täter nach ähnlichem Muster vor: Sie meldeten sich telefonisch bei ihren Opfern und gaben vor, Mitarbeiter der Kriminalpolizei zu sein – in einem Fall aus München, in einem anderen aus Hamburg oder Augsburg. Irgendwann rief auch ein vermeintlicher Staatsanwalt an, um die Sache echt wirken zu lassen.
Kundenbetreuer ist bei Geldfälscher-Bande
Dem Löffinger Mediziner machten die Betrüger weis, dass sein Kundenbetreuer bei der Bank mit einer bulgarischen Geldfälscher-Bande gemeinsame Sache mache und Falschgeld in Umlauf bringe. Der Arzt solle daher als „verdeckter Ermittler“ tätig werden, sich bei seinem Kundenberater einen höheren Geldbetrag auszahlen lassen und den „Polizisten“ zur Prüfung übergeben. Auch seine EC-Karte mit Geheimzahl wollten die feinen Herren haben.
Mann übergab immer wieder Geld
Er sei von den Unbekannten zu Verschwiegenheit verpflichtet worden, auch gegenüber seiner Ehefrau, schilderte der 63-Jährige die Vorgehensweise der Betrüger. Die nämlich hätten ihm versichert, dass sein Telefon abgehört werde und er Gefahr laufe, „wegen Behinderung bei der Aufklärung einer Straftat“ belangt zu werden, sollte er etwas ausplaudern.
Massiv unter Druck gesetzt
Er übergab das Geld, später auch noch weiteres Geld, obwohl er, wie er sagte, dabei „kein gutes Gefühl hatte“. Und die falschen Polizisten forderten mehr und mehr. Der Arzt löste seine Lebensversicherung auf, verkaufte sein Aktienpaket, um an Geld zu kommen. Die Übergaben erfolgten meist auf Parkplätzen von Supermärkten. Wenn er zögerte, wurde er massiv unter Druck gesetzt.
Als ihm die ganze Sache zu bunt wurde und er seine Frau einweihte, ging diese zur Rechtsanwältin, und die wiederum erkannte den Betrug sofort. Eine Anzeige folgte, aber ein Großteil des Geldes ist weg. Seine Frau, sagte der Arzt vor Gericht, habe ihm Vertrauensbruch vorgeworfen, das Verhältnis sei bis heute gestört. Und eine Entschädigung habe er bis heute nicht bekommen – außer von dem festgenommenen und verurteilten Mittelsmann. Auch beruflich habe ihm die Sache geschadet, die mittlerweile ruchbar geworden sei: Die Beförderung zum Leitenden Oberarzt sei „wegen mangelnder Führungsqualitäten“ nicht mehr erfolgt.
Seniorin verständigt Polizei
Die Geschichte von dem verbrecherischen Bankmitarbeiter erzählten die Betrüger auch der 89-jährigen Seniorin aus Neckargemünd. Aber sie ließ sich nicht lange hinters Licht führen. Gleich nachdem sie Bargeld und EC-Karte übergeben hatte und die Unbekannten weiteres Geld forderten, ging sie zur echten Polizei. Zwei Beamte begleiteten sie nach Hause, erwarteten dort die Kurierin, die zur Abholung kam, und nahmen sie fest. Entschädigt wird die betagte Dame schon: Ein bereits verurteiltes Mitglied der Bande zahlt das ergaunerte Geld in monatlichen Raten an sie zurück. Der Drahtzieher, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, ist allerdings noch auf freiem Fuß.
Die Verhandlung wird am Dienstag, 27. Mai, ab 9 Uhr fortgesetzt.