Andre Baumann hat mit Grünen-Landtagskandidat Erwin Feucht und anderen über Landwirtschaft diskutiert.Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Landtagswahl: Kandidat Erwin Feucht diskutiert online über Landwirtschaft

Landwirtschaft, Artensterben und Flächenfraß, diese drei Themen hängen untrennbar miteinander zusammen. Der grüne Landtagskandidat Erwin Feucht hatte zu einem Online-Fachgespräch geladen, an dem mehr als 35 Gäste teilgenommen haben.

Rosenfeld. Drei kompetente Gesprächspartner diskutierten mit dem virtuellen Gastgeber. Matthias Wucherer ist promovierter Biologe, Imker und Leiter des Netzwerks "Blühende Landschaften", eines Projekts von Mellifera aus Rosenfeld. Martin Hahn, ist Landtagsabgeordneter seit 2011 und bis dahin Demeter- Landwirt aus dem Kreis Überlingen. Er ist der agrar-politische Sprecher der Fraktion im Landtag. Andre Baumann ist Biologe, Bevollmächtigter des Landes beim Bundesrat in Berlin, zuvor Staatssekretär im Umweltministerium und Ex-Nabu-Landesvorsitzender. Zu Beginn stellte Matthias Wucherer die Arbeit des Netzwerks "Blühende Landschaften" vor und ging dabei auf das Projekt "Landwirtschaft 5.0" ein. Es gelte, nicht an einzelnen Symptomen des Insektensterben herumzuschrauben, sondern vielmehr müsse das große Ganze gesehen werden.

Auslöser ist das massenhafte Sterbenvon Insekten

2017 erschreckte laut Wucherer eine internationale Studie mit der Erkenntnis, dass in den vergangenen 30 Jahren 76 Prozent der Insektenmasse verloren gegangen sei. Dies führte vor allem in Bayern und Baden-Württemberg zu den bekannten "Rettet die Bienen"-Bewegungen. Der Kern des Projekts "Landwirtschaft 5.0" sei die Einbindung der Landwirte in den Kampf gegen den Klimawandel. Eine wichtige Maßnahme sei der Einsatz von Agro-Photovoltaik, die Nutzung von landwirtschaftlicher Fläche zur Erzeugung von Strom und als Weidefläche oder Agrarland. Mit fünf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen könne laut Wucherer der gesamte Strombedarf in Deutschland gedeckt werden (Speicherkapazität vorausgesetzt). Die zweite Säule sei das Projekt "Terra preta", eine Verwendung von Pflanzenkohle auf den Ackerflächen zur Bodenverbesserung und der Bindung von Kohlendioxid.

Ein Pionier auf diesem Gebiet ist der Landwirt Manfred Kränzler aus Isingen, der sich seit Jahren mit dem Thema Humusaufbau beschäftigt. Hierbei werde nicht nur CO2 gespeichert, sondern auch die Wasserspeicherkapazität erhöht und die natürliche Düngung verbessert.

Weiterer wichtiger Baustein der zukünftigen Landwirtschaft seien die Blüh- und Gehölzstreifen. Andre Baumann machte noch einmal deutlich, was die grün-schwarze Landesregierung auf den Weg gebracht habe. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft solle bis 2030 um 40 bis 50 Prozent reduziert werden, der Ökolandbau auf einen Anteil von 30 bis 40 Prozent gesteigert werden, und 15 Prozent der Landesfläche sollten dem Biotopverbund dienen. Das seien "Zebrastreifen für die Natur". Die Planung der Landesregierung habe das Ziel, kleine und zunehmend isolierte Biotope miteinander zu verbinden, damit die verfügbare Fläche und das biologische Angebot großräumig zusammengeführt werden kann. Baumann weiter: "Wir haben Schottergärten verboten und die wertvollen Streuobstwiesen unter Schutz gestellt." Er richtete dann noch ergänzend den Blick auf die Bedeutung und den Schutz der Moorflächen.

Martin Hahn argumentierte als Landwirt von der praktischen und handwerklichen Warte her. Sein wichtiger Appell geht an die Absatzmärkte: "Wenn wir unsere Streuobstwiesen erhalten wollen, müssen wir auch den Ertrag der Obstbäume angemessen verkaufen können." Und sein weiterer Blick geht nach Brüssel: Solange die EU eine falsche Agrarpolitik fördere, Fläche statt Qualität subventioniere, würden es die Länder schwer haben, einen sinnvollen und schnellen Wandel umzusetzen.

Erwin Feucht hob hervor, dass es für ihn als möglichem Landtagsabgeordneten sehr wichtig sei, zukünftig in allen öffentlichen Kantinen und Mensen nur noch bio-regional und fair gehandelte Produkte einzusetzen.

Partei will Verbrauch von Grünland auf Null reduzieren

Für den zweiten Teil der Diskussion hatte der Nabu Zollernalb im Vorfeld seine Fragen eingebracht. Es ging um den Flächenverbrauch, die dauerhafte Versiegelung von Grünland. Das Ziel müsse eine Netto-Null sein, so Feucht als erfahrener und aktiver Kommunalpolitiker. Andre Baumann stellte eindeutig klar, dass in dieser Frage mit dem jetzigen Koalitionspartner schwer zu verhandeln sei. Martin Hahn machte es am Beispiel der Vergaben von Gewerbeflächen noch anschaulicher: Es müsse zukünftig systematisch und verbindlich eine Mehrfachnutzung der Flächen geben.

Am Ende des spannenden Abends waren sich alle vier aktiven Teilnehmer einig: Bei Artensterben und Klimawandel "brennt der Baum lichterloh", und Corona habe keine Atempause mit sich gebracht.