Wie der Trainer der SG Dauchingen/Weilersbach, Roman Neumann, mit dem Stress und Emotionen als Fußballtrainer im Abstiegskampf umgeht.
Bezirksliga: Bei Gesprächen mit Fußballtrainern im unterklassigen Amateurfußball im südbadischen Bezirk Schwarzwald und dem württembergischen Bezirk Schwarzwald/Zollern fällt in den vergangenen Jahren eines auf: Die Zunahme von Stressfaktoren in einem Hobbybereich, der für die Trainer durch die öffentliche Aufmerksamkeit in den Medien eine entsprechende intensivere Resonanz erzeugt.
Roman Neumann, 39-jähriger ehemaliger Landesligaspieler des SV Zimmern, des SV Villingendorf und der SpVgg 08 Schramberg, der in Waldmössingen wohnt und seit 2022 den Bezirksligisten SG Dauchingen/Weilersbach trainiert, spricht ganz offen über nicht immer einfache Momente.
Hallo Roman, Sie stehen mit ihrem Team aktuell auf dem 8. Platz und gehören trotzdem zu den gefährdeten Mannschaften der Bezirksliga. Stresst Sie das?
Ja natürlich. Es zeigt doch schon gleich: Die halbe Liga zittert und möchte nicht absteigen. Wir haben nur vier Punkte mehr als der Drittletzte. Der Druck steigt natürlich, weil man unbedingt die Klasse halten möchte. Wir haben das Potenzial, im Mittelfeld zu stehen, die anderen Mannschaften jedoch ebenso. Die Liga ist extrem ausgeglichen, jeder kann jeden schlagen.
Wie wirkt sich dies dann aus, wenn Sie ein Spiel verloren haben?
Da bin ich ehrlich. Das geht nicht so spurlos an mir vorbei, dass ich heimfahren kann und das war es dann. Im Gegenteil: Mich kann sowas tagelang beschäftigen, das Warum und Wieso. Da fühle ich mich schon auch mal richtig platt und leer. Es macht sich zu Hause bemerkbar, meine Frau merkt es sofort und spricht mich darauf an. Bei Siegen ist es natürlich komplett anders. Da hat man am Montag im Büro einen ganz andere Flow und beste Laune.
Was denken Sie, woher kommt diese Betroffenheit? Schließlich ist es ein Trainer-Hobby.
Ganz einfach: Man ist teilweise drei bis vier Tage auf dem Sportplatz, bereitet außerhalb noch Training und Spieltaktik vor, führt Telefonate und Gespräche. Also beschäftigt einen das Thema Fußball plus die vorhandene Leidenschaft ständig. Es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Man trägt die Verantwortung für die Ziele, die man sich selbst steckt. Da ist wichtig abzuschalten, was gar nicht so locker geht. Im Abstiegskampf kommt hinzu, dass es gegen Saisonende mit jeder Niederlage stressiger wird. Darum sage ich den Spielern, dass sie das annehmen sollen, nicht als Belastung, sondern als Herausforderung. So motiviere ich mich: Wir haben das Können und versuchen, es jede Woche neu auf dem Platz zu zeigen. Zudem kann man als Trainer gewisse Parameter nicht beeinflussen wie Verletzungen, Urlaub, andere Termine und Prioritäten von Spielern. Da haben sich die Lebensweise und Freizeitgestaltung der jüngeren Generation inzwischen verändert.
Als Trainer sind sie mit Waldmössingen und Dauchingen/Weilersbach zweimal in die Bezirksliga aufgestiegen. Gab es als Spieler Abstiege und emotionale Stresssituationen?
Ich erinnere mich an einen ganz bitteren Moment, der mir passierte. In Schramberg stiegen wir aus der Landesliga ab. Damals spielten wir in Empfingen 0:0. Ich habe einen entscheidenden Elfmeter verschossen. Die zwei Punkte hätten am Ende vielleicht noch gereicht. Danach bist Du erst einmal komplett fertig. Solange man es aus eigener Kraft schaffen kann, muss man selbstbewusst bleiben. Wenn man von anderen abhängig ist, darf man nie aufgeben.