Roland Seitz, der Trainer des SGV Freiberg, hat vor dem Regionalligaduell mit dem VfB Stuttgart II seine Kritik an den zweiten Mannschaften in der vierten Liga erneuert. Im Interview führt er seine Gründe an.
An diesem Samstag (14 Uhr) empfängt der SGV Freiberg den Regionalliga-Tabellenführer VfB Stuttgart II. SGV-Trainer Roland Seitz (58) sagt vor dem Derby, warum er gegen zweite Mannschaften von Proficlubs in der vierten Liga ist und nennt Lösungsvorschläge.
Herr Seitz, Sie haben in der Vergangenheit kritisiert, dass zweite Mannschaften von Proficlubs in der Regionalliga spielen. Warum?
Für die zweiten Mannschaften ist es doch egal, ob sie Fünfter oder Zehnter werden. Bei den anderen Clubs müssen Spieler und Trainer ihren Job verteidigen. Da geht es um Arbeitsplätze.
Für Spieler und Trainer der U-Teams geht es doch auch um den Job.
Aber es hängt nicht alles von der Platzierung in der Tabelle ab. Was mich einfach stört ist, dass die zweiten Mannschaften ihre Aufstellung Woche für Woche verändern und willkürlich mit Spielern aus dem Profikader verstärken können. Uns hat das gegen die TSG 1899 Hoffenheim II sehr hart getroffen, kurz danach hat Hoffenheim gegen Kassel mit einer stark veränderten Mannschaft mit weniger Profis gespielt. Das ist einfach nicht fair. Das ist Wettbewerbsverzerrung.
Gleicht sich das im Laufe der Saison nicht aus, weil es alle Teams mal trifft.
Das kann sein, muss aber nicht. Ich gebe Ihnen nur drei Beispiele von vielen. In der vergangenen Saison hat Hoffenheim auf der Zielgeraden noch einmal richtig Gas gegeben und seine zweite Mannschaft mit Spielern aus dem Profikader verstärkt. Um ein Haar hätten sie den SSV Ulm 1846, der seit Jahren enorm viel für den Aufstieg investiert hat, noch abgefangen. Rot-Weiß Essen zog – trotz einer Topsaison – vor zwei Jahren im Duell mit Borussia Dortmund II sogar am Ende den Kürzeren.
Das dritte Beispiel?
Geht auf meine Zeit als Trainer der SV Elversberg zurück. Wir kämpften gegen den 1. FC Saarbrücken, Kickers Offenbach und Waldhof Mannheim um den Aufstieg, alles Teams mit sehr großem Fan-Aufkommen. Deshalb spielten sie so gut wie immer parallel zu den zweiten Mannschaften der Bundesligisten. Wir dagegen mussten einen Tag später ran und die U-Teams konnten sich Verstärkungen aus dem Profikader holen. Diese Ungleichheit der Waffen stört mich einfach. Wenn die U-Teams ernst machen, hat man keine Chance mitzuhalten. Wenn ein Uli Hoeneß am Tegernsee sagt, der FC Bayern II soll in die dritte Liga aufsteigen. Dann ist das überhaupt kein Problem, dies zu realisieren.
„U-Teams sollen unter sich bleiben“
Was schlagen Sie vor?
Bei der U17 und der U19 werden die Bundesligen in ihrer jetzigen Form ab der Saison 2024/25 abgeschafft, dadurch gibt es weniger Wettbewerb in diesen Spielklassen. Dann sollen die U-21- und 23-Team in Deutschland doch auch untereinander spielen, das ist meine persönliche Meinung.
Damit dürften sich die Talente an der Schnittstelle aber nicht optimal weiterentwickeln?
Da gebe ich Ihnen recht. Nur wenn es auch gegen echte Männermannschaften geht, entwickeln sie sich weiter. In den Vergleichen der U-Mannschaften wird bei der Spieleröffnung viel von hinten heraus gezockt. Die ganz großen Clubs wie Manchester City oder FC Barcelona sind da die großen Vorbilder. Aber das hat doch mit der Ausbildung hierzulande nichts zu tun.
Warum?
Wenn zum Beispiel ein 20-jähriger Verteidiger einer ersten Mannschaft vor einer aufgeheizten, großen Kulisse wie etwa in Dresden bei der Spieleröffnung von hinten raus zweimal einen Fehlpass fabriziert, dann macht er sich in die Hose und spielt nicht mehr. Dieses Risiko, diese Fehler kannst du dir nicht leisten in einer ersten Mannschaft. Du kannst nicht zocken auf dem Weg zum Profi.
Was halten Sie von der Regelung, dass bei den „normalen“ Regionalligisten vier U-23-Spieler, die für eine Auswahlmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) spielberechtigt sind, auf dem 20 Namen umfassenden Spielberichtsbogen stehen müssen?
In den meisten Fällen sitzen diese vier U-23-Spieler auf der Ersatzbank. Die vierte Liga ist zu großen Teilen eine Profiliga. Da ist der Erfolgsdruck eben schon sehr groß. Ich habe ja auch schon in Luxemburg gearbeitet. Da müssen zwei Luxemburger in der Startelf stehen. Das hilft dann schon eher für die Entwicklung der Spieler. Und noch etwas verstehe ich nicht.
Bitte.
Profiteams müssen keine U-23- oder U-21-Team stellen, auf der anderen Seit müssen die „normalen“ Regionalligisten vier U-23-Spieler auf dem Spielberichtsbogen haben. Für mich ist das nicht schlüssig.