"Wirtschaftlich sind wir im Moment gut ausgelastet. 2020 war natürlich stark durch die Krise geprägt, das vierte Quartal war zumindest durch einen Aufschwung gekennzeichnet", schildert Freilacke-Geschäftsführer Rainer Frei.
Bräunlingen - "So dass wir das ganze Jahr zwar unter Plan abschnitten, aber angesichts der Corona-Krise doch zufrieden sein durften", sagt der Geschäftsführer . Die Firma machte 13 Prozent weniger Umsatz als 2019, als sie mehr als 140 Millionen Euro erwirtschaftete.
Stärkster Rückgang bei Automobilzulieferern
Den stärksten Rückgang erlebte Freilacke im Bereich der Automobilzulieferer, für die Freilacke Komponenten im Räderbereich herstellt. "Jedes Auto hat vier Räder, und von daher merken wir den Rückgang sehr stark." Mehrere Automobilwerke hatten über einen längeren Zeitraum die Produktion reduziert oder geschlossen. Generell gelte: "Wir sind überall da, wo industriell lackiert wird." Das Einzugsgebiet der Kunden betrifft 50 Prozent Deutschland und 50 Prozent Export weltweit, in die USA, Mexiko, Russland und China. Bei Industrielacken zählt Freilacke zu den wenigen Spezialisten in der Region neben Kriwecolor GmbH in Döggingen oder Sto in Weizen.
"Im Moment ist die Auftragslage wieder gut, aber wir stehen wie alle anderen Unternehmen auch vor der Herausforderung bei den Rohstoffen." Die Pigmente und Bindemittel besorgt sich das Unternehmen weltweit. Schon regionale Änderungen, wenn etwa Häfen stillgelegt werden, können auf den Lieferfluss Auswirkungen haben. Wenn der Suez-Kanal, wie geschehen, wegen einer Havarie gesperrt wird, wirkt sich dies schnell auf globale Verfügbarkeiten aus. Ein Großteil der Transportbewegungen laufe durch den Suez-Kanal. Und dadurch, dass die Konjunktur weltweit wieder angezogen habe, wirke sich das schnell aus.
Ähnlich wie bei Freilacke erlebte auch die Firma Straub Verpackungen die vergangenen beiden Jahre. Voriges Jahr habe das Ergebnis nicht ihren Erwartungen entsprochen, sagte Geschäftsführer Steffen P. Würth. In der Wellpappenproduktion erwirtschafteten die 600 Beschäftigten in den drei Werken in Bräunlingen und Blumberg einen Jahresumsatz von 126 Millionen Euro, ein leichtes Minus im Vergleich zu 2019. "Die Menge konnten wir aufgrund des Anziehens in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahr plus/minus halten", so Würth.
Wobei Blumberg bei der Wellpappe inzwischen das größere Werk sei mit rund 60 Prozent der Produktion. Dieses Jahr könne die Firma wieder deutlich aufholen, weil sich die Dinge relativiert hätten.
Mit wenigen Sätzen schildert der Geschäftsführer, wie er die Entwicklung erlebt hat: "Was immer gut war, war der Konsum von Lebensmitteln. Was lange zurückhaltend war, waren die technischen Kunden, die Industriekunden, das war auffallend. Wir sind überbeschäftigt seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahres." Da ging dann, so Würth, "die Boom-Phase los". In Branchen wie Medizin und Sanitär seien "alle Produkte wieder geflossen." Und die Kunden hätten begonnen, ihre Lager wieder langsam aufzufüllen. Aktuell beschäftigt Würth der Nachschub. "Unser Problem sind die Rohstoffe. Wir haben eine Rohstoffverknappung und eine Rohstoff-Verteuerung."
Als Vorsitzender des Branchenverbands VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) schildert Steffen Würth eine ähnliche Situation in den Unternehmen: "Wir sehen uns seit dem vergangenen Jahr einer derart gestiegenen Nachfrage nach unseren Produkten ausgesetzt, dass ein zufriedenstellender Kundenservice und einigermaßen akzeptable Lieferzeiten nicht mehr oder nur schwer möglich sind. Hinzu kommt eine schier unerträgliche Belastung von Menschen und Partnerschaften, intern wie extern."
Papierpreise mindestens 66 Prozent gestiegen
Die Papierpreise seien seit September vergangenen Jahres um mindestens 66 Prozent gestiegen, was eine Wertsteigerung des Verkaufspreises für Wellpappe von mindestens 33 Prozent erfordert. Europaletten wurden zum Beispiel um 260 Prozent teurer, die Aufzählung ließe sich fortführen. "Aber nicht nur die dramatischen Preiserhöhungen machen uns tagtäglich Sorgen." Die Verfügbarkeit von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sei noch nie so knapp gewesen, wie in diesen Tagen ist. "Lieferketten werden brüchig oder brechen ganz ab." Trotz der Umstände "meistern wir die derzeitige Situation zusammen mit unseren tollen Mitarbeitenden bestens."
Die Firma Straub Verpackungen GmbH in Bräunlingen ist ein Familienunternehmen in siebter Generation. Die Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1825. Die Firma Freilacke ist ein Familienunternehmen mit mehr als 550 Mitarbeitern in Döggingen. Die Kunden kommen laut Homepage unter anderem aus den Bereichen Räder, Fahrzeugbau, Funktionsmöbel, Bau und Sanitär.