Beim Orts-Check des Schwarzwälder Boten schließt Rohrdorf nicht gut ab – bei der Umfrage belegt die Gemeinde den letzten Platz. Im Rathaus zeigt man sich überrascht.
Am besten man beginnt so, wie man ein Pflaster abreißt. Also kurz zu Anfang einige schnelle Fakten, die sich nicht leugnen lassen. Rohrdorf nimmt mit einem Wert von 4,97 im Orts-Check des Schwarzwälder Boten den letzten Platz im Kreis Calw ein. Die Gemeinde liegt damit 1,11 Punkte unter dem allgemeinen Durchschnitt im Landkreis. Mehr als ein relativ weit abgeschlagener letzter Platz war nicht zu holen.
In sechs von vierzehn abgefragten Kategorien belegte Rohrdorf den letzten Platz. Dazu gehören Sport und Vereine, Lebensqualität, Kultur und Freizeit, Senioren, Digitalisierung/Klima/Energie und die Gastronomie.
Selbstverständlich sind das keine Zahlen, die allerorten Jubelschreie hervorrufen. Doch es wäre fatal Rohrdorf als Verlierer abzustempeln. Schließlich ist auch Rohrdorf eine Gemeinde im „schönen Kurorte- und Bäderkreis Calw“, wie es vonseiten der Gemeindeverwaltung heißt.
Berechtigte Kritik?
Lediglich in den Kategorien Sauberkeit und ÖPNV liegt der Wert der Gemeinde Rohrdorf über dem allgemeinen Durchschnitt. Das Resultat einer klaren Fehleinschätzung, so die Sicht des Rathauses. Für die Gemeindeverwaltung kommt ihre Platzierung beim Orts-Check überraschend. Die Ergebnisse der Umfrage decken sich nicht mit den Rückmeldungen die man „von verschiedenen Seiten und auch Außenstehenden bezüglich Rohrdorf“ erhalte, lässt Bürgermeister Joachim Flik auf Anfrage der Redaktion verlauten. Deutlich „unter Wert geschlagen“ – so sieht die Gemeindeverwaltung die Positionierung Rohrdorfs beim Orts-Check und gibt an, bereits in verschiedenen Bereichen an Verbesserungen zu arbeiten.
Flik sieht seine Gemeinde vor allem beim Einzelhandel nicht adäquat abgebildet. Mehr als Platz 17 und eine Wertung von 4,47 war nicht zu holen. Die Grundversorgung sei aber durchaus gewährleistet. Der CAP-Markt biete preiswerte Lebensmittel und in der Mühle Schill erhalte man regionale Produkte. Die Bäckerei Raisch müsse genannt werden sowie die Verkaufswagen für Fleisch- und Wurstwaren, die alle dazu beitrügen, dass in Rohrdorf hoffentlich „niemand verhungern muss“, so Flik.
Ein anderes Thema ist da die Gastronomie. Im Rathaus leugnet man nicht, dass es früher mehr war, am Platz. Dass es heute anders aussieht, sieht man dort im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage begründet. Zu wenige Gäste hätten sich eingefunden und zu viele kleinere Gastwirtschaften hätten irgendwann keine Nachfolger gefunden. Allerdings habe Rohrdorf heute „wieder ein hervorragendes gastronomisches Angebot“. Es gebe die Bäckerei Raisch, den Party-Service „Schlemmereck“ und den Imbissstand an der Ortsdurchfahrt. Die Teilnehmer des Orts-Checks bewerten jedoch die Gastronomie in Rohrdorf mit 2,53 – und damit so schlecht, wie in keinem anderen Ort.
Rohrdorfs besondere Lage
Im Rohrdorfer Orts-Check leuchtet der ÖPNV wie eine Fackel in der Nacht. Neben all den letzten Plätzen und schlechten Punktzahlen erreicht die Gemeinde in dieser Kategorie nicht nur nicht den letzten Platz – mit 6,61 wird der Ort an dieser Stelle aus dem Tabellenkeller bis auf Platz vier katapultiert.
Verantwortlich dafür sei vor allem die Nähe zu Nagold. Bürgermeister Flik verweist auf mehrere Buslinien, die seine Gemeinde mit dem großen Nachbarn verbinden. „Und mit dem Schnell-Bus nach Herrenberg kommt man auch schnell zur S-Bahn nach Herrenberg“, so Flik. Rohrdorf sei durch die Nähe zu Nagold insgesamt in einer besonderen Position. „Es war und ist wenig sinnvoll, hier direkt nebeneinander unnötige Doppelstrukturen zu schaffen.“
Interessant ist, dass man sich im Rohrdorfer Rathaus auch auf Nagold bezieht, wenn es darum geht, warum die Gemeinde mit 5,06 den schlechtesten Wert in der Kategorie Lebensqualität erreicht hat. Natürlich gebe es dort ein vielfältigeres Angebot.
„Dies muss aber jeder für sich selbst individuell beurteilen und entscheiden, ob er lieber in Nagold, Rohrdorf oder woanders wohnen, leben beziehungsweise arbeiten möchte“, lässt der Bürgermeister verlauten. Und fügt abschließend hinzu: „Wir arbeiten daran, noch besser zu werden und weiter voran zu kommen. Dazu müssen jedoch alle mithelfen!“