Kaum hat die Gaststätte im Herzen der Gäugemeinde mit neuem Pächter wiedereröffnet, schließt sie auch schon wieder. Wir erklären die Gründe.
Seit Januar 2023 hatte Dieter Weinle das „Rössle“ von der Gemeinde gepachtet, im März dann den Betrieb unter dem Namen „Dieter’s Alm Rössle“ eröffnet, gut bürgerliche Küche, bayerisch-österreichisch angehaucht, angeboten. „Es ging uns wirtschaftlich gut, wir haben uns hier wohl gefühlt“, sagt der 47-Jährige am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion. Man gebe die Gechinger Gaststätte nun nach kurzer Zeit keineswegs wie zahlreiche andere Branchenkollegen wegen wirtschaftlicher Gründe auf, „sondern weil das Gebäude marode ist, seit Jahrzehnten nix gemacht worden ist“. Zahlreiche versteckte Mängel habe es gegeben, beispielsweise sei der Fettabscheider in der Küche kaputt. Dieser soll verhindern, dass fetthaltige Stoffe ins Abwasser gelangen können.
„Mühlen mahlen in Gechingen langsam“
Manche Mängel seien behoben worden, andere aber nicht: Immer wieder habe es viel Schriftverkehr zwischen ihm und der Gemeinde gegeben. „Ich wollte das Gebäude sogar unter Umständen kaufen, die Gemeinde hat aber gezögert und ich habe wochenlang nichts mehr gehört. Die Mühlen mahlen langsam in Gechingen“, äußert sich Weinle weiter. Er habe alles versucht, um zu Lösungen zu kommen, unter anderem auch, was den maroden Fliesenbelag im Gastraum angehe. „Die Mängel können unter Umständen existenzgefährdend werden.“ Der 47-Jährige ist davon überzeugt, „dass die Gemeinde das Gebäude so nicht als Gaststätte vermieten dürfte“. Er fühle sich jedenfalls von der Kommune vergrault.
Neuanfang im Raum Heidelberg
„Wir wissen, was wir können und werden überall Erfolg haben“, sagt Weinle am Freitagvormittag selbstbewusst. Zu diesem Zeitpunkt befindet er sich nach eigenen Angaben im Raum Heidelberg, um den Pachtvertrag für seine neue Wirkungsstätte zu unterschreiben. „Zum Glück haben wir was Neues gefunden, an Ostern wollen wir unsere neue Gaststätte eröffnen“, kündigt er an.
Überrascht war am Freitagvormittag Gechingens Bürgermeister Jens Häußler über den letzten Öffnungstag im „Rössle“ am 14. Januar: „Unserer Kenntnis nach sollte die Gaststätte mindestens bis Ende 2023 und späteren Aussagen zufolge bis Fasching geöffnet sein“, sagt der Rathauschef unserer Redaktion.
Bürgermeister widerspricht Aussagen
Häußler widerspricht Weinles Aussage zu vermeintlich versteckten Mängeln im Gebäude. Man habe als Verpächter des Gebäudes „nichts bewusst verschwiegen“. Gleichwohl hätte es baulich einiges gegeben, was hätte getan werden sollen, so Häußler. „Das wäre alles gemeinsam lösbar gewesen“, zu einer Einigung mit Weinle sei es aber nicht gekommen. Dieser habe um die vorzeitige Beendigung des Pachtvertrags gebeten, der Gemeinderat habe dem zugestimmt. Bis Donnerstag sei der Auflösungsvertrag noch nicht unterschrieben gewesen.
Investitionsumfang völlig unklar
Wie das „Rössle“ künftig genutzt werden soll und welche Baumaßnahmen damit verbunden sein könnten, muss laut Häußler mit dem Gemeinderat diskutiert werden. Völlig unklar sei derzeit, welcher Investitionsumfang da auf die Kommune zukomme. Das Gebäude jetzt sofort wieder zur Verpachtung auszuschreiben, ist nach Ansicht des Rathauschefs „nicht möglich“. Dass bauliche Verbesserungen nicht schon längst erledigt worden seien, habe mit der Priorisierung von Projekten zu tun, sagt Häußler. Er verweist beispielhaft auf die neue, am Montag offiziell in Betrieb genommene Kita Wiesennest – ein Millionenprojekt, das noch dazu im Vergleich zur anfänglichen Planung um vier Millionen Euro teurer als angenommen wird. Eine exakt Zahl gibt es erst bei der Schlussabrechnung.
Drei Pächterwechsel in wenigen Jahren
In den vergangenen Jahren gab es mehrere Pächterwechsel. 2018 hatten Rosario und Tanja Greco das “Rössle“ , das sie als Pizzeria betrieben, schließen müssen. Über zu wenig Betrieb hatten die beiden nicht klagen können, dafür aber über Personalmangel. Eines seiner beiden Lokale – das Ehepaar war seit 2016 auch erfolgreich in der Sportgaststätte „Neunzehn21“ tätig – gab es somit auf. „Jobs in der Gastronomie sind nicht mehr interessant. Wir finden keine Aushilfen mehr. Das ist derzeit das größte Problem in der gesamten Branche“, hatte Rosario Greco im Gespräch mit unserer Redaktion damals gesagt.
Eineinhalb Jahre steht die Gaststätte leer, ehe die Gemeinde als Besitzerin sie an Carsten Felix verpachtet. In der Gäugemeinde war er kein Unbekannter. Viele Jahre lang hatte er dort eine physiotherapeutische Praxis betrieben. Danach war der passionierte Koch zwölf Jahre lang der Wirt der Gartenwirtschaft „Lerchenhof“ außerhalb des Ortes. Außer amerikanischen Burgern hatte der damalige neue „Rössle“-Wirt bürgerliche Küche angeboten. Typisch schwäbische Spezialitäten standen auf der Speisekarte. Aber auch er musste aufgeben – aus gesundheitlichen Gründen. Danach hatte die Gastwirtschaft eine Weile auf eine Privatinitiative von Bernd Schöninger hin nur noch donnerstags für einen Mittagstisch geöffnet.
Am Sonntag gehen die Lichter endgültig aus
Im März dieses Jahres schließlich eröffnet Weinle „Dieter’s Alm-Rössle“ und schließt es jetzt nach rund zehn Monaten wieder. Letzter Öffnungstag wird am 14. Januar sein. „Ab Montag beginnt für uns nun eine neue Zeit in einer neuen Heimat und wir sind sehr traurig darüber, das Rössle seinem Schicksal überlassen zu müssen. Wir wünschen den Verantwortlichen des Rössle die nötige Einsicht, baulich zu investieren, um das Rössle wieder zu einem gemütlichen Gastronomie-Ross zu machen“ – das hat der Gastronom am Donnerstag über die sozialen Netzwerke verbreitet.