Bei der Hauptversammlung des Fördervereins Römisches Freilichtmuseum Stein ist es zu einem bedeutenden personellen Wechsel gekommen.
Im Mittelpunkt der fast dreistündigen Versammlung im „Lamm“ standen ein ausführlicher Bericht über die jüngsten Ausgrabungserfolge und die Ablösung von Gerd Schollian als Vorsitzender. Der Führungswechsel des 321 Mitglieder starken Vereins verlief reibungslos und kam nicht überraschend: Schollian hatte schon mehrfach seinen Wunsch nach einer Ablösung aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen geäußert. Jetzt aber musste es sein. Die Wahlen waren bestens vorbereitet, und die bisherige Schriftführerin Iris Kappler, seit mehreren Jahrzehnten Mitglied im Verein, durfte nur noch übernehmen.
Einstimmig wurde die 55-jährige Rechtsanwältin aus Leinfelden-Echterdingen von den anwesenden Mitgliedern ins Amt gehievt. Für sie rückt Peter Katzenberger als Schriftführer nach. Bestätigt wurden der stellvertretende Vorsitzende Bernd Brunner und Kassier Christoph Schoder.
Neu geschaffen wurden die Ämter der Kassenprüfer, für die sich Joachim Wien und Karl-Anton Weinreich zur Verfügung stellten. Dem Ausschuss gehören an: Rosa Maria Schwerda, Yves Opizzo, Marc Luger, Karl Heilemann, Nicole Schollian, Jürgen Schnell und Walter Neidhart-Keuler.„Das ist jetzt mein letzter Handlungsakt“, sagte der Entdecker der römischen Gutsanlage, Gerd Schollian, mit etwas Wehmut in seiner Begrüßungsrede. 1977 sei der Verein aus der Taufe gehoben und er zum Vorsitzenden bestimmt worden – ein Amt, das Schollian bis dato ununterbrochen innehatte. Für seine Verdienste wurde er im Verlauf der Versammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Genaue Lage der Umfassungsmauer bestimmen
Über neue Funde, die letztes Jahr ans Tageslicht kamen, berichtete Grabungstechniker Thomas Schlipf. Ziel der Grabungskampagne sei es gewesen, die genaue Lage der Umfassungsmauer zu bestimmen. Laut Schlipf konnte ein Teil des südlichen Verlaufs der Mauer eindeutig nachgewiesen werden. Zusätzlich entdeckte das Grabungsteam einen befestigten Weg. Dieser könnte einst als Zufahrts- oder Versorgungsstraße gedient haben. Seine Bauweise deutet auf eine intensive Nutzung in römischer Zeit hin.
Parallel dazu wurden die Arbeiten an einer bereits bekannten Fundstelle fortgesetzt: genau dort, wo sich das Fundament eines steinernen Pfeilerdenkmals befindet. Die neuen Untersuchungen brachten weitere Erkenntnisse ans Licht. Das Fundament weist eine Größe von etwa vier mal vier Metern auf. Diese Maße sprechen für ein monumentales Bauwerk. Im Umfeld des Fundaments wurden zahlreiche weitere Bauteile entdeckt. Darunter mehrere Gesimse. Auch kunstvoll verzierte Steine konnten geborgen werden. Die Ornamente zeugen von hoher handwerklicher Qualität.
Menschen oder antike Gottheiten
Einige Fragmente lassen auf figürliche Darstellungen schließen. Dabei könnte es sich um Menschen oder antike Gottheiten handeln. Die Darstellungen scheinen lebensgroß gewesen zu sein. Dies unterstreicht die repräsentative Bedeutung des Denkmals. Zahlreiche Bruchstücke wurden sorgfältig dokumentiert, deren Dokumentation noch nicht abgeschlossen ist. Dennoch zeichnen sich erste Rekonstruktionsansätze ab: Die Forschenden gehen von einer beträchtlichen Höhe aus. Schätzungen zufolge könnte das Monument zwischen 13 und 15 Meter hoch gewesen sein. Damit wäre es weithin sichtbar gewesen. Vermutlich diente es als bedeutende Landmarke in der Landschaft.
Schlipf betonte die außergewöhnliche Bedeutung des Fundes, warnte aber vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Denn die genaue Funktion des Denkmals sei bislang unklar. Es könnte sich um ein Ehrenmal, ein Grabdenkmal oder ein religiöses Bauwerk gehandelt haben. Auch eine Kombination dieser Funktionen sei denkbar. Die Grabungskampagne wurde maßgeblich von ehrenamtlichem Engagement getragen.
1200 Arbeitsstunden
Sehen lassen kann sich der Arbeitsaufwand: Ein elfköpfiges Grabungsteam brachte 1200 Arbeitsstunden zusammen. „Es ist spannend,und es bleibt spannend“, kommentierte Iris Kappler. Besonders ins Gewicht fielen die vielfältigen Jahresveranstaltungen, die das Museumsteam mit viel Engagement auf die Beine stellte. Ob historische Vorführungen, thematische Aktionstage wie „Römer im Schein der Fackel“, Handwerkspräsentationen, Theatervorführungen oder Familienprogramme: Die Angebote sorgten für eine spürbare Belebung der Anlage, die letztes Jahr rund 17.000 Besucherinnen und Besucher anlockte.
Das Zahlenwerk von Kassier Christoph Schoder zeigte, dass der Förderverein mit einer Firma zu vergleichen ist. Es fielen Einnahmen in Höhe von 266.000 Euro und Ausgaben von 244.000 Euro an. Um das Ergebnis zu steigern, werden Minijobber jetzt mit einer steuerfreien Aufwandsentschädigung vergütet. So fallen für den Förderverein keine Lohnnebenkosten an. An sämtlichen Rechenschaftsberichten gab es nichts zu deuteln: Die komplette Vorstandschaft wurde einstimmig entlastet.