Gerd Schollian hat über viele Jahrzehnte das Römische Freilichtmuseum mit Schaffenskraft geprägt. Foto: Alexander Kauffmann

Gerd Schollian, Urgestein des Fördervereins Römisches Freilichtmuseum in Stein, gibt das Amt des Vorsitzenden bei der nächsten Hauptversammlung ab.

Carpe Diem, nutze den Tag: Wer würde schon ernsthaft anzweifeln, dass dieser römische Spruch auf Gerd Schollian zutrifft? Zugeschrieben wird die Sentenz dem antiken Dichter Horaz, und vielleicht wusste er in weiser Voraussicht ja, wer den ehemaligen Gutshof bei Stein entdecken würde.​

 

Den Stein ins Rollen brachte Gerd Schollian 1971, als er auf der Suche nach einem mittelalterlichen Weiler im Wald die ersten Mauern entdeckte.​

Wie anschließende Untersuchungen ergaben, waren es Reste eines römischen Gutshofes, einer sogenannten „Villa rustica“. 1977 gründete er den Förderverein Römisches Freilichtmuseum und ist seither dessen Vorsitzender. Er ist das Urgestein und der Motor des Vereins.​

Eine Ära endet

Nun bestätigt er der Redaktion auf Anfrage, was schon einige Zeit leise im Gespräch war: „Ich habe vor, aufzuhören.“ Wenn eine solche Ära endet, fragt man besser zweimal nach, doch Schollian bekräftigt: „Ich werde zu 100 Prozent aufhören, aus gesundheitlichen Gründen.“ Ob ihn nun die Wehmut packt? „Ja, so ist es halt“, sagt Schollian in aller Bescheidenheit – und nicht zuletzt erinnert er daran, dass er in diesem Jahr 85 Jahre alt wird.​

Schollian: „Ich werde dem Verein erhalten bleiben, solange ich lebe.“ Und weiter: „Ich werde aber bestrebt sein, dafür Sorge zu tragen, dass mein Werk und das meiner treuen Mitarbeiter aus der Vergangenheit weiter mit Erfolg vorangeht.“ Dem Vorstand werde er aller Voraussicht nach nicht mehr als stimmberechtigtes Mitglied angehören.​

Würdigen Nachfolger finden

Wer der Nachfolger wird? Wie es weitergeht? Dazu geht Schollian diese Woche noch nicht ins Detail, er weist jedoch auf die Hauptversammlung des Fördervereins Römisches Freilichtmuseum im März hin. Gewiss: Ohne ihn wäre das Freilichtmuseum in seiner heutigen Form nicht vorhanden.​

1971 entdeckte er Reste von römischen Gebäuden, 1977 gründete er einen Förderverein, wurde dessen Vorsitzender und ist dies bis heute. Er sorgte dafür, dass in der Zusammenarbeit zwischen dem Amt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und dem Verein mit seiner Vielzahl an ehrenamtlichen Mitbürgern sich das Bild darbietet, was den Besucher heute erwartet.​

Er hinterlässt große Fußstapfen, und vielleicht ist es deshalb gar nicht so einfach, eine neue Vereinsleitung zu finden. Aus Anlass seines 80. Geburtstags verriet Schollian unserer Zeitung, seine zwei Vorhaben für die Zukunft: „Das Freilichtmuseum weiter voranbringen und später einen würdigen Nachfolger finden.“​

Auch zwischendurch ist er so geblieben, wie man ihn kennt: Von der Sonne braun gebrannt, fit und aktiv auf dem Gelände des Römischen Freilichtmuseums, seinem scheinbar zweiten – oder ersten? – Zuhause. Zuletzt baute er das Nordtor und einen Teil der Umfassungsmauer quasi selbst. Vor nicht allzu langer Zeit entdeckte er die Überreste eines römischen Götterdenkmals.​

Hausmeister fest am Werk

Während der Förderverein Personalien neu bestimmen muss, wird auf dem Gelände des Freilichtmuseums eifrig gearbeitet. Hausmeister Gerhard Prokein ist an einem nebligen Vormittag dieser Woche fest am Werk. Schon in den vergangenen Wochen hat er sich um all das gekümmert, was während der Winterpause so alles erledigt werden muss.

Hecken- und Baumschnitt

Dazu gehören zum Beispiel Hecken- und Baumschnitt, Laub-Wegmachen sowie neues Holz zum Backen machen. Wie der Hausmeister berichtet, seien auch die Container des vereinseigenen Bauhofs gegen Wasser abgedichtet worden. ​

Beim Vor-Ort-Besuch installiert der Hausmeister gerade die Sitzbänke auf den neuen Pfosten. Es gibt also noch viel zu tun auf dem ehemaligen römischen Gutshof. So gibt es derzeit auch die Idee, neue Geräte für den Spielplatz zu beschaffen.