Der Imperator mit Gemahlin und Gefolge machen sich auf den Weg in das antike Theater unterhalb des Feldherrenhügels. Foto: Rolf Rombach

Teilnehmer aus zahlreichen Ländern wiederbeleben „Augusta Raurica“ für zwei Tage auf dem historischen Gelände in Augst.

Der imposante Einzug von Legionären und ihren Begleitungen aus zahlreichen europäischen Provinzen war am Wochenende nur einer von vielen Höhepunkten beim traditionellen Römerfest rund um das Theater von Augusta Raurica. Mehr als 800 Mitwirkende wiederbelebten die ehemalige römische Siedlung erneut. Seit 1997 findet die beliebte Veranstaltung jährlich statt. Zahlreiche Mitmachstationen und Ausstellungen auf den Feldern, die die rund 2000 Jahre alten Hinterlassenschaften verbinden, lockten erneut rund 20 000 Besucher.

 

„Ich habe mir ein paar Schuhe machen lassen“, erzählt eine Frau aus Rheinfelden. Gleich mehrere Schuhmacher – Sutor, wie der Lateiner den Näher nannte – bieten ihre Leistungen feil. Bei einem Schriftgelehrten erfährt man, dass die Römer vermutlich so aussprachen wie sie schrieben. Eine der wenigen Ausnahmen: Wie beim Schuhmacher wird unser U als V verwendet. „SVTOR“ ist daher bei den Römern zu lesen.

Legionärsschule für Kinder

Damit es ausreichend Nachwuchs gibt, ist dem Feldlager eine Legionärsschule für Kinder angeschlossen. Hier gibt es spielerische Marschübungen mit Schwert und Schild sowie der zugehörigen Schutzausrüstung. Wer lieber ein Wagenrennen bestreiten möchte, muss einen Erwachsenen das zweirädrige Gefährt über die ovale Kreisbahn ziehen lassen. Gemütlicher ist es da beim Brotbacken, auch wenn zunächst das Mehl mit dem Mühlstein aus Getreide hergestellt werden muss. Historische wie moderne Backwaren und weitere Leckereien laden zum Verweilen auf dem Römerfest ein. Alleine das „Forum“ zwischen den Überresten des Forumstempels und der Basilica entführt mit rund 40 Ständen in die Vergangenheit. Auf der anderen Seite stellen Handwerker ihre Profession vor. Beeindruckend dabei der aus Lehm geformte Ofen des Glasbläsers.

Brot und Spiele

Während dieses jahrmarktähnlichen Treibens ist zur Mitte des Nachmittags im Theater ordentlich was los. Zu „Brot und Spiele“ (Panem et circenses) zieht der Kaiser mit seiner Gemahlin sowie Soldaten vom gegenüberliegenden Feldherrenhügel in die Arena ein. 121 oder 122 nach Christus soll Kaiser Hadrian selbst die römische Großstadt Augusta Raurica besucht haben, deren Hinterlassenschaften bis heute immer wieder neue Erkenntnisse über die damalige Zeit freigeben. Nach kurzem Test, ob das Publikum Klatschen und Jubeln kann, ziehen weitere „Römer“ ein. Sie werden vorgestellt als Kohorten verschiedener Legionen, unter anderem aus Deutschland, Tschechien und den Niederlanden. Mit ihnen kommen Pantomimen, Tänzerinnen und (Ehe)Frauen, die ebenfalls im Lager der Legionäre wohnen. Doch statt des aus Asterix bekannten „Ave“-Rufes grüßen sie den obersten Feldherrn mit mehrfachem „Imperator“-Schrei, ehe die Gladiatoren und Tänzerinnen sich ins Zeug legen und dem Befehlshaber sowie den neuzeitlichen Gästen ihr Können präsentieren. Gelegentliche kurze Regenschauer werden ignoriert. Denn Brot und Spiele gibt es nur ein (oder zwei) Mal im Jahr.