Für die Oberwolfacher/Kinzigtäler Band war es eine Selbstverständlichkeit, am Freitag auf dem Mayerhof im Rankachtal zu ihrem zehnjährigen Bestehen aufzuspielen. Viele Besucher erkundeten auch das historische Hofgebäude.
Die Warm-up-Runde konnte entweder oberhalb des Hofgebäudes am Waldsaum bei einem der Verpflegungsstände genossen werden oder man wandte sich dem mitreißenden Konzert von Corina und Lena unter dem angestrahlten Dachgebälk zu. Neugierig und ein wenig erschrocken schwirrte auch noch eine Fledermaus über die Köpfe hinweg.
Edgar Schillinger, Hausherr und Schlagzeuger von „Fire@Five“, stimmte mit einer kurzen Hof- und Band-Historie in den Abend ein und stellte die jungen Musiker- und Sängerinnen mit Wurzeln im Wolf- und Kinzigtal vor. Corina Harter und Lena Hilberer berichteten in den Gesangspausen über ihre technisch anspruchsvolle Fernprobe für den Auftritt im Rankach mit einer Distanz von nahezu 800 Kilometern zwischen Wien und Freiburg. Wie gut das funktionierte, konnte man live erleben. Die beiden strahlten in ihrer guten Laune, ihren amüsierenden Kommentaren und Begeisterung für die präsentierten Songs eine sprühende Lebensfreude aus, die voll auf das dicht gedrängte Publikum, das ständig näher herandrängte, übersprang. Nur ungern ließ man die beiden nach einer guten Stunde und dem tollen Musikerlebnis gehen. Allein schon der Auftritt hätte einen erfüllten Unterhaltungsabend beschert.
Sänger und Drummer schienen in Ekstase zu geraten
Aber dann kamen mit „Blitz und Donner“ gewaltig die Hauptakteure nicht nur auf die Heu- sondern noch eine Stufe höher auf die Auftrittsbühne und legten mit ihrem von Hits und Ohrwürmern nur so strotzenden Repertoire los. Schnell war man mit Frontmann Volker Schmidtke auf Tuchfühlung. Band und Fans steigerten sich bis zum Siedepunkt. Sänger und Drummer schienen so in Ekstase zu geraten, dass man um deren Gesundheit besorgt sein musste. Das explosiv rockende Zentrum der Band wurde von den ein wenig moderateren Andreas Vollmer, Keyboarder Benedikt Bau, Andreas Rheinberger und Matthias Kern zusammengehalten.
Ein Blick in die Playlist des Konzerts lässt nachempfinden, was wohl die letzten Staub- und Spinnhudelrelikte in den hintersten Fugen und Spalten der oberen Heubühne aufwirbelt haben dürfte. Gecovert wurden „Die Ärzte“, „Black Sabbath“, „Böhse Onkelz“, „Die Toten Hosen“, „Metallica“ und „Volbeat“. Und natürlich kamen auch eigene markante Stücke wie etwa „Nachts um Eins“, „Fire @Fire“ oder „Fasnetsfieber“, die das Potenzial für echte Hits in sich bergen, unter dem Rankacher Sommerhimmel auf die Bühne.
Zwischendurch griff Sängerin Ciara Hellmig zum Mikro. Es war für sie bei der Geburtstagsparty ebenso eine Selbstverständlichkeit wie für Corina und Lena, mit dem Auftreten an diesem Abend der Band ein Kompliment zu machen, zumal sie bei den die vergangenen Auftritten immer schon mit dabei war.
Gegen Ende des Konzerts wurde die Stimmung auf die Spitze getrieben mit „Aber bitte mit Sahne“, „Nothing Else Matters“, „Hey Jude“ vund schließlich zum Entlassen in den tiefdunklen Rankacher Nachthimmel noch „Freiheit“ von Marius Müller Westernhagen – mit dem sanft auf den Boden zurück bringenden Kommentar von Volker Schmidtke, dass man sich allzu oft einen Kopf um Probleme mache, die eigentlich gar keine sind.
„Denn wir leben in Freiheit – das Einzige, was zählt“. Wohl ein passender und besinnlich beeindruckender Schlussakkord für ein einmalig tolles Konzertfestival mit einem ebenso einzigartig schönen Ambiente, das mitsamt der tiefgründigen Historie des idyllischen Tales in so mancher „Erinnerungs-und Gedächtnis-Nische“ auch der jüngeren Generation gewiss ein dauerhaftes Plätzchen finden dürfte.
Das historische Hofgebäude
Allein die außergewöhnliche Location inmitten der Schwarzwaldnatur und am historischen Hofgebäude am Ende des kleinen Seitentälchens mit dem Bannenbächle am Fuße des knapp 600 Meter hohen Rütschlekopfes war für viele Besucher Anlass genug, einen Wochenendtrip in diese Richtung zu unternehmen. Ein erstes Warm-up konnten die vorwiegend jugendlichen, aber auch die vielen „mittelalterlichen“ Besucher und Fans der Gruppe bei einem Rundgang durch das liebevoll herausgeputzte Hofgebäude erleben. Da war der Hauch des Lebens, wie es in den Schwarzwaldtälern üblich war, nachzuspüren. Manches – etwa die gemütliche Bauernstube mit Blick auf die Talsohle und talaufwärts zur sagenumwobenen historischen Kapelle oder die urige Mühle des Diesemichelshofs und auch zur einstigen Bärenwirtschaft – war so lebensecht präsentiert, als ob es eben erst von dem letzten Bewohner Augustin Mayer verlassen wurde. Man staunte über die vielen Räumlichkeiten, die alle ihre Funktion für Familie und Gesinde hatten, und über die mit Feingefühl herausgeputzten Werkzeuge, Gerätschaften und sogar das geblümte Kaffeeservice. Im kunstvoll mit der Tintenfeder handgeschriebenen und ebenfalls zur Schau gestellten alten Koch- und Backbuch konnte man nach alten originellen Rezepten forschen. Rege wurde von dem umfangreichen und vielfältigen Angebot Gebrauch gemacht. An Ort und Stelle entwickelten sich in allen Winkeln der vielen Räume angeregte Gespräche mit Mutmaßungen über die Bedeutung all dessen, was es da zu entdecken gab.