Chris Bay  Foto: Cools

Feuer, Dampf, Headbanger – am Samstag erlebte Oberndorf ein Rock-/Metal-Fest der Extraklasse. Die legendäre deutsche Band "Axxis", die so manchen Zuhörer durch seine Jugend getragen hat, zeigte einmal mehr, dass sie auch nach 30 Jahren ihre Energie nicht verloren hat.

Oberndorf - Traumhaftes Wetter und ein gut gelauntes Publikum, das sich am Samstag schon früh auf dem Festivalgelände in der Austraße eingefunden hatte –­ die Zeichen für einen perfekten Konzertabend standen gut. Sicher, bei jedem, der die deutsche Hardrock- und Metalband "Axxis" schon einmal live gesehen hatte –­ zum Beispiel beim Kultursommer 2020 in Oberndorf – waren die Erwartungen an das Konzert hoch. So viel sei aber vorweg gesagt: Sie wurden vollumfänglich erfüllt.

Den Anfang durfte eine beliebte Band aus dem benachbarten Rottweil machen, die 2020 Vorgruppe von "Mystic Prophecy" beim Kultursommer sein durfte. "Back to Heavy Metal Basics" lautet das Motto bei "Sirius Curse". Ähnlich wie bei "Axxis" liegt die Besonderheit vor allem in der markanten Stimme des Frontmanns.

Peter Hirsch und sein Team hatten im März, mitten in der Pandemie, ihre Debüt-EP "Time Knows No Lies" veröffentlicht. 08/15-Metalsongs nach dem Schema F suchte man in der Setlist vergebens. Stattdessen wurden klassische Heavy-Metal-Songstrukturen, eingefangen in akzentuiertes Gitarrenspiel, das geradlinigen Basslines und treibenden Drums folgt, geboten.

Vom Titeltrack über "Relax (It’s War)" bis zum letzten Song "Bondage" klang jedes Lied anders. Diesmal nicht mehr vor Menschen in Liegestühlen und auf Bierbänken, sondern vor einem Publikum, das sich frei bewegen, tanzen und feiern konnte: "Das ist Normalität", freute sich Hirsch.

In Erinnerungen schwelgen

Nach diesem rasanten Einstieg in den Konzertabend wurde es dann wieder ein wenig ruhiger. Ein Mann, eine Gitarre und eine Stimme, die man nicht so leicht vergisst – Chris Bay brauchte am Samstag beim Oberndorfer Kultursommer nicht viel, um die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Der "Freedom Call"-Sänger und -Gitarrist bot mit seinem Solo-Projekt Musik zum Träumen und zum Schwelgen in Erinnerungen.

Zu hören waren aber nicht nur Songs aus seinem Album "Chasing the Sun", sondern auch "Freedom Call"-Titel wie "111", "Carry On" und "Metal is For Everyone" zu hören, die ohne weitere Instrumente in ein ganz neues Gewand gekleidet waren.

Der Franke glaubte, zu Beginn noch ein wenig Zurückhaltung beim Publikum, von dem er als "ihr Lauser" sprach, zu spüren. "Wir sind alle einfach ein bisschen aus der Übung – Musiker und Zuhörer", meinte er. Die ging aber spätestens mit Covers von Iron Maidens "Run to the Hills" und Alice Coopers "Poison" weg, denn da wurde aus vollem Herzen mitgesungen.

Die Vorfreude auf das, was danach folgen sollte, war anschließend spürbar – wie ein Knistern in der Luft unter den rund 450 Zuschauern. Müsste man "Axxis" mit einem Wort beschreiben, so würde das wohl "mitreißend" sein. Das liegt an vielen Dingen: an der unglaublichen Bühnenpräsenz von Frontmann Bernhard Weiß – samt des unnachahmlichen Tanzstils – und den äußerst talentierten Musikern, an den eingängigen Melodien mit Ohrwurm-Qualität, der perfekten Verbindung aus Härte und Melodik und nicht zuletzt an der grandiosen Show mit Feuer, Nebel, Dampf und Lichtern.

Must-see-Band

"Axxis" ist eine dieser Bands, die man wenigstens einmal live gesehen haben muss. Denn da tritt ihre Qualität besonders zu Tage, insbesondere durch Weiß’ charakteristische Stimme und seinen unnachahmlichen Tanzstil. In mehr als 30 Jahren auf der Bühne haben die Musiker aber auch schon einiges erlebt, wie Weiß in Oberndorf auf der Bühne erzählte: lange Haare, MTV, Musikvideos für 150 000 Pfund –­ das alles hat "Axxis" durch.

Von Sekunde eins waren die Oberndorfer mitgerissen und headbangten zu "Monster Hero" und "Heavy Metal Brother", sangen bei "Heaven in Black" und rasteten zu "Blood Angel" komplett aus. "Heutzutage wird ja fast nur noch mit Playback aufgetreten. Wir sind so doof, und spielen noch selbst", meinte Weiß lachend. Das Kultursommer-Publikum war froh drum. "Axxis" aus der Konserve? Nur halb so gut wie live.

Anekdoten inklusive

Und weil es bei Weiß, der ein Mann vieler Worte ist, ohne ein paar Anekdoten bei einem Konzert nicht geht, erzählte er gleich noch, wie er einst mit "Axxis" auf einem Konzert spielte, bei dem sonst nur Coverbands auftraten und die Band deshalb kurzerhand behauptete, man sei eine "Axxis"-Coverband, allerdings mit dem Original-Keyboarder. Diese Erfahrung war Anlass genug, um mal ein Album mit Coverversionen von bekannten Songs aus den 70ern und 80ern herauszubringen.

Mit "Stay Don’t Leave Me" ging es musikalisch in Oberndorf mit einer kraftvollen Ballade weiter, gefolgt von der Konzert-Premiere von "Virus Of A Modern Time", einem deutsch-englischen Titel, den "Axxis" für ein Theaterstück entwickelt und bis Samstag auch nur in Theatern gespielt hatte, der nun aber aktueller denn je scheint.

Mit "Save Me", dem eingängigen und intensiven "Heavy Rain", "My Little Princess", "The Demons Are Calling" und "Little Look Back" ging der Konzertgenuss weiter und mündete nach der ausdrücklichen Forderung einer Zugabe in die Hymnen "Living In A World" und "Kingdom Of The Night", zu denen die Zuhörer begeistert mitsangen.

Am Ende blieb das Gefühl, dass der diesjährige "Axxis"-Auftritt der Premiere beim Kultursommer 2020 in nichts nachstand. Im Gegenteil: Dadurch, dass man sich diesmal frei bewegen konnte, war man richtig mitgerissen worden und hatte alles viel intensiver genießen können.

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