Der Freudenstädter Robert Marijanovic (rechts) wird als Sport1-Experte zusammen mit Kommentator Basti Schwele die Darts-WM begleiten. Foto: Sport1

Drei Pfeile und ein rundes Brett reichen aus, um 3000 Menschen in Ekstase zu versetzen. Wenn am 15. Dezember die Darts-WM beginnt, ist auch der Freudenstädter Robert Marijanovic wieder dabei. Wir schauen mit dem Sport1-Experten in die Glaskugel.

Marijanovic ist eine feste Größe im deutschen Darts-Zirkus. Als Spieler hat er insgesamt dreimal an den Weltmeisterschaften, die traditionell in der Weihnachtszeit gespielt werden, teilgenommen. Als Darts-Experte ist er bereits zum fünften Mal dabei. Angefangen hat für den heute 42-jährigen Freudenstätder die Faszination an dem Präzisionssport bereits in Kindheitstagen. "Meine Eltern hatten eine Kneipe mit einem Darts-Automaten. Das ist ein Klassiker in der Darts-Szene."

 

An der Liebe zum Sport hat sich auch bis heute nichts verändert, wie der Sport1-Experte erklärt: "Darts fordert mental sehr viel von den Spielern und man kann dabei auch nicht von Glück sprechen. Das ist vielleicht der Unterschied zu vielen anderen Sportarten. Beim Darts bekommt man nichts geschenkt, man muss sich alles selbst erarbeiten." Möglich, dass gerade dieser Charakter vielen Spielern wie aufs Leib geschneidert ist. So haben nicht wenige Darts-Profis in ihrem früheren Leben harte Zeiten durchmachen müssen. "Die Spieler in der Darts-Welt sind sehr nahbar. Das könnten auch unsere Nachbarn sein. Der Sport verbindet einfach so viele Menschen, die sonst nichts miteinander zu tun haben", beschreibt der Freudenstädter den Zauber.

Entwicklung des Sports ist nicht aufzuhalten

Doch genau diese schönen Geschichten könnten in Zukunft immer seltener werden, gibt auch Marijanovic zu. "Es werden immer mehr Spieler direkt aus dem Jugendbereich zu den Profis stoßen. Das ist die Entwicklung und die muss auch nicht immer schlecht sein." Laut des 42-Jährigen sei damit auch eine gewisse "Versportlichung" verbunden: "Aufgrund des gefüllten Terminkalenders wird es zwangsläufig dazu führen, dass auch die physische Fitness immer wichtiger wird. Beim Darts geht es darum, die gleiche Bewegung immer wieder abzurufen und das nagt am Mentalen. Schließlich hängen Körper und Geist eng zusammen."

Das Vorurteil des bierbäuchigen Darts-Spielers könnte also schon bald der Vergangenheit angehören. Marijanovic sagt zumindest mit etwas Humor: "Nicht jeder Bierbäuchige kann gut Darts spielen." Zum Hochglanzprodukt wird das "Pfeilewerfen" aber auch in Zukunft nicht mutieren, gibt der Freudenstädter Entwarnung. "Die PDC (Anm. d. Red.: Professional Darts Corporation - der wichtigste Darts-Weltverband) hat ja schon gesagt, dass Darts Olympia nicht braucht. Vielleicht braucht Olympia ja aber Darts", erklärt der 42-Jährige. Auf die Party, die rund um die Spiele und Turniere stattfindet, müssen die Fans in Zukunft also nicht verzichten. Da ist sich auch Robert Marijanovic sicher: "Vielleicht wird das ja sogar noch ausgebaut. Das gehört einfach dazu."

Marijanovic zieht sich zurück

Anfang des Jahres vollzog Marijanovic, der an Turnieren unter seinem Kampfnamen "Robstar" antritt, dann den Cut. Aus familiären und beruflichen Gründen hat er seine Tour-Card zurückgeben. Das zweijährige Ticket ermächtigt Spieler dazu, an offiziellen Turnieren der PDC teilzunehmen. "Ich bin mittlerweile zweifacher Vater. Da haben sich die Prioritäten geändert." Sein Wunsch sei es aber natürlich, auch noch mal als Spieler bei der WM dabei zu sein. "Die Frage ist, ob ich noch mal so viel Energie reinstecken will. Es ist schwer wieder hereinzukommen, wenn der Instinkt fehlt", gibt der Freudenstädter zu. 

Der 42-Jährige kann damit aber auch erstmal entspannt seinem zweiten Darts-Standbein nachgehen. 2018 begleitete der Freudenstädter zum ersten Mal die WM für Sport1 als Experte und war seitdem bei jeder Austragung dabei. Auch in diesem Jahr wird Marijanovic den Zuschauen die Feinheiten seines Sports erklären. "Ich versuch mir vorzustellen, dass ich ein Laie bin und zuschaue", erklärt der Experte seinen Stil. Als Favoriten hat Marijanovic keine großen Überraschungen auf dem Zettel. Nennt er doch die ersten vier der Weltrangliste als mögliche Sieger. "Das ist in diesem Jahr eine sehr offene WM. Wenn ich mich für einen Namen entscheiden muss, dann ist es Michael van Gerwen." 

Sein "Kampfname" kommt aus China

Der Niederländer ist derzeit Dritter der Weltrangliste und konnte bereits dreimal den WM-Titel erringen - zuletzt 2019. Als mögliche Überraschungen hat "Robstar" - den Namen hat er übrigens einem chinesischen PR-Menschen zu verdanken - Luke Humphries und Josh Rock auf dem Zettel.

Enttäuschen könnte hingegen der zweifache Weltmeister Gary Anderson, der momentan auf Platz elf der Rangliste geführt wird. "Es könnte sein, dass er früh raus geht und dann einige Plätze abrutscht. Wir sind langsam in einer Phase des Generationenwechsels", sagt Marijanovic, um sich zugleich selbst zu widersprechen: "Ich bin nicht abergläubisch, aber ich mag Vergleiche. Raymond van Barneveld ist 2007 bei seinem WM-Titel als 32. der Rangliste ins Turnier gegangen. Auch in diesem Jahr ist er 32. der Weltrangliste."

Clemens kann weit kommen

Anderson wird im Laufe der Weltmeisterschaften 52 Jahre alt, van Barneveld ist seines Zeichens jugendliche 55. "Man sagt, dass im Darts die Leistung ab 50 abnimmt", erklärt der Freudenstädter. Und was ist nun mit den deutschen Startern? "Es ist wahrscheinlich das beste deutsche Starterfeld, dass wir je hatten. Ich glaube schon, dass einer weit kommen könnte, aber der WM-Titel ist eher unwahrscheinlich", sagt der 42 Jährige. Mit Gabriel Clemens (Platz 24 der Weltrangliste ), Martin Schindler (Platz 29) und Florian Hempel (Platz 60) sind drei deutsche Starter bei der WM dabei. Vor allem Clemens könnte im Turnier weit kommen, hofft Marijanovic auf ein gutes Abschneides seines Freundes.

Wenn noch nicht in diesem Jahr, wann dürfen die deutschen Fans endlich einen Weltmeister aus der Heimat bejubeln? "Die Engländer und Niederländer sind uns einfach viele Jahre voraus. Es gibt immer mehr Jugendliche in Deutschland, die sich mit Darts beschäftigen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es passieren wird. Die Darts-Welt würde sich auch freuen. Schließlich ist Deutschland der größte Markt in Europa", sagt der Freudenstädter. Wenn es nach dem 42-Jährigen geht, könnte am besten auch gleich eine Frau gewinnen - das hat es bisher noch nie gegeben. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es bald eine Frau schafft. Das ist einfach eine Frage der Quote. Je mehr teilnehmen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit."

Freudenstädter spricht über Hopps Karriereknick

Auf einen Namen müssen die deutschen Fans hingegen erneut verzichten. Wie bei der Weltmeisterschaft 2022 hat auch dieses mal Max Hopp die Qualifikation nicht geschafft. Besonders bitter dabei: Der 26-Jährige hat auch seine Tour-Card verloren. "Er ist immer noch der einzige Deutsche mit zwei Titeln auf der PDC-Tour. Für mich hat er schon jetzt eine tolle Karriere hingelegt, aber er muss einfach an sich glauben. Vielleicht hat es diesen Knick auch gebraucht, aber natürlich ist das eine Mammutaufgabe", erklärt Robert Marijanovic.

Ab dem 15. Dezember ist die Darts-WM täglich auf Sport1 oder dem Streamingsender Dazn zu verfolgen. Das Finale findet am 3. Januar statt. Sport1 überträgt dabei alle Sessions der Darts-WM in einem neuen Rekordumfang von 135 Livestunden im Free-TV, im Livestream und auch in den Apps. Anlässlich des WM-Starts ist Marijanovic am Sonntag, 11. Dezember, zusätzlich im Sport1 "Doppelpass" zu sehen.