So sah es an den Ritterspielen 2023 in Horb aus. Wenig Mittelalter, viel Standard-Kommerz, meinen Kritiker. Foto: Jürgen Lück

Heftige Kritik in den sozialen Medien: Wo ist der mittelalterliche Flair geblieben? Thomas B.: „Die schlechtesten Ritterspiele. Es fehlt die Liebe vom Verein, und die ganzen Auflagen tun ein übriges!“ Aber es gibt auch lobende Stimmen.

Das Rathaus als Veranstalter freut sich über 33.000 Besucher und knapp 8.000 verkaufte Turnierkarten. In sozialen Netzen gibt es Lob und Tadel für die Horber Ritterspiele 2023.

 

Preise. Sascha Q. schreibt auf Facebook: „Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster wenn ich behaupte, dass 12 Euro Wegezoll ganz schön happig sind? Dafür, dass sich alles hauptsächlich auf dem Schillerplatz abspielt und nicht mehr in Altstadt oder Marktplatz?“

„Stände eng gestellt“

Familienticket gibt es nicht. Aber reduzierte Preise für Kinder bis 11 Jahre. Kinder unter 6: umsonst – auch Turnier.

Örtlichkeit. Monika D.: „Sehr klein. Die Stände mit Essen waren sehr eng gestellt, irgendwie war kaum Platz.“ Maik S.: „Kaum Gaukler, Bettler, Musiker in den Gassen der Stadt. Das macht es ziemlich trist und langweilig – bei deutlich zu hohem Wegezoll.“

Sven F.: „Es fehlt einfach der Charme der Altstadt.“ Erja J.: „ Die Neckarstraße war dieses Jahr mit dabei, was kaum einer wusste. Dann das Theater mit den Brücken, wo man nicht drüber sollte!“

Keine Steg-Diskussion

OB Peter Rosenberger sagt auf der Abschluss-Pressekonferenz: „Wenn die Retter sagen, wir brauchen den Flößerweg als Bypass für die Rettungskräfte, dann lassen wir uns nicht auf Diskussionen ein!“

Und nachdem am Sonntagnachmittag noch ein Rettungswagen den Met-Stand von Erich Schmid rammte, dürfte es wohl schwierig werden für Ritter-Spiel Macherin Claudia Beuter, den Standort Neckarstraße für die nächsten Ritterspiele sinnvoll zu bespielen. Problem: Wie viel Kapazität hat das jetzige Gelände? Wie viel Zuschauer passen maximal drauf? Behindert die Kleinheit des Geländes ein mögliches Wachstum? Oder ist es sinnvoller, die Turniertickets (10 Euro extra, 2023: 75 Prozent Auslastung) besser zu vermarkten? Horst Bulheller (EHS-Showteam): „Wenn ein Turnier ausverkauft ist, beflügelt das den Vorverkauf im nächsten Jahr!“

Der Bärensteg war gesperrt. Für viele eine unsinnige Aktion. Foto: Lück

Charme hat gefehlt

Mittelalter-Flair. Pixie L.: „Die Ritterspiele hatten exakt den gleichen Charme wie der Horber Frühling oder Herbst. Alles gleich aufgestellt und nur noch darauf ausgerichtet, so viel wie möglich zu trinken und zu essen. Traurige Entwicklung, das war in den letzten Jahren definitiv anders.“ Horbs Bürgermeister Ralph Zimmermann: „Hauptzielgruppe sind Familien.“

Wenig Mittelalter

Sven F.: „Die Horber Ritterspiele haben rein gar nichts mit Mittelalter zu tun. Es wird als größtes Ritterturnier des Landes beworben. Das Turnier in Weil am Rhein ist viel größer!“

Bulheller: „Wir machen alle großen Mittelalter-Veranstaltungen in Deutschland – auch das MPS. Weill in Rhein gehört zum Mittelalter-Fantasie-Spektakel, bei dem auch Bands auftreten. Das eigentliche Ritterturnier ist kleiner als Horb!“

Die Hitze. Marina S.: „Kann man die Tribünen mit Sonnensegeln schattiger machen?“

Horst Bulheller: „Wer den Lauf der Sonne verfolgt, sieht, dass eine Überdachung der Tribüne am Neckar nichts bringen würde.“ Claudia Beuter: „Wir haben letztes Jahr prüfen lassen, die Stufen am Turnierplatz überdachen zu lassen. Geht nicht. Wir überlegen, die Kopftribüne wieder zu überdachen!“

Kein Charme mehr. Thomas B.: „Seit Jahren die schlechtesten Ritterspiele. Es fehlt die Liebe vom Verein.“ Stimmt. Das bestätigen auch Lager-Insider der sogenannten „Reenactment-Szene“. Claudia Beuter steuert mit Honoraren für Top-Acts dagegen. Sagt: „Ich spüre, wir sind da im Aufwind.“

Folke W.: „Nach den Jahren von MPS (Veranstaltungsagentur, inzwischen insolvent, d. Red.) erkämpft sich das Team der Stadtverwaltung langsam aber sicher wieder Punkt für Punkt zurück!“