Norbert Lins, frisch mit dem Großen Falkenorden dekoriert, freut sich über sein Geschenk: Er ist zum zweiten Mal zum Ritter geschlagen worden. Foto: Dunja Kuster

Vom „jungen, wilden Kerl“ zum Europaabgeordneten – so lässt sich der Karriereweg von Norbert Lins beschreiben, der am Schmotzigen Donnerstag in Straßberg zum Ritter geschlagen wurde. Bürgermeister Markus Zeiser sah derweil seiner zeitweiligen Amtsenthebung entgegen.

Groß war die Freude bei den Straßberger Narren und närrisch Gesinnten – allen voran dem Burgnarrenverein, der seinen Großen Falkenorden niemand geringerem als Norbert Lins überreichte.

 

Der Europaabgeordnete wurde damit in den Ritterstand erhoben und darf sich fortan „Herzog Generalis von Horgunzella zu Veitsburg“ nennen. Im Übrigen ist es sein zweiter Adelstitel, wie Burgvogt Daniel Nagraszus und der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß als Laudator betonten.

Einen Ritterschlag hat das „Kind der CDU“ schon hinter sich

Vor nicht allzu langer Zeit machte sich Norbert Lins auf gen Prag zum Internationalen Hopfenkongress, wo er erstmals zum Ritter geschlagen worden war. Diese Ehre wurde ihm nun in Straßberg ein weiteres Mal zuteil – wobei ihm Bürgermeister Markus Zeiser scherzend versicherte, dass der Schlag nicht zu sehr schmerze.

Doch wer ist der neue Ritter im Bunde – und was zeichnet ihn aus? Ein „junger, wilder Kerl mit langen Haaren“ sei er Laudator Bareiß zufolge gewesen; heute ist er ein Ehemann und Vater vierer Kinder – und die Haarpracht von einst ähnele nun eher einem zarten Flaum, den der neue Edelmann sogleich präsentierte.

Zugleich war der „wilde, junge Kern“ laut Nagraszus früh ein Kind der CDU gewesen und habe sich etwa der Jungen Union angeschlossen. Später war er unter anderem als Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Kabinett Mappus tätig.

Aber die Landesregierung in Stuttgart sei ihm – der Deutsch, Englisch und Schwäbisch fließend beherrsche – schnell zu provinziell gewesen, so Bareiß. Kurz darauf zog es Norbert Lins nach Brüssel in das Europaparlament, wo er schnell die politische Karriereleiter emporkletterte.

„Von Brüssel bis zur Zollernalb fühle ich mich heimisch“

Nun ist er dort Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung – wobei er nicht nur auf diesem Feld brilliere, sagte Nagraszus anerkennend. Auch bei seinem großen Ziel, Europa zu vereinen und zu föderalisieren, glänze der neue Ritter im Bunde. Dieser freut sich derweil über die große Ehre, die ihm zuteil wurde – auch wenn er sich gleich ein „UiUiUi“ von Narren wie Gästen einhandelte, als er kurz Straßberg mit Straßburg verwechselte. Sein Herz aber schlage für die Schmeientalgemeinde, versicherte er. Und: „Von Brüssel bis zur Zollernalb fühle ich mich heimisch.“

Über die heimischen Turbulenzen – vor allem jenen der Bundestagswahl – wusste Burgvogt Daniel Nagraszus vorab zu berichten. Zum Beispiel über die Ampelregierung, die nicht lang nach ihrem Amtsantritt mit dem dringend benötigten Haushalt vor einem Dilemma stand – und die das Geld nicht an richtiger Stelle wusste zu platzieren, so der Vorwurf des Burgvogts.

Also mussten mehr und mehr Steuern her, mit denen sie den Steuerzahlern immer tiefer in die Tasche griffen. Eine Regierung, die sich mit dem Heizungsgesetz dem „grünen Wahnsinn verschworen“ habe; denn was nütze die „Windkraft erster Klasse im Norden“, wenn immer noch die Trasse gen Süden fehlt? Auch nicht die besten Voraussetzungen bei den Haushaltsdebatten sei ein Bundeskanzler gewesen, der keine Erinnerung an frühere Skandale mehr gehabt haben will – quasi nach dem Motto „Sei’s drum!“. Ebenso habe die feministisch geprägte Außenpolitik der Außenministerin Annalena Baerbock ihre Erfolge vermissen lassen.

Nun aber habe es sich mit der Ampel ausregiert – und auch die Amtszeit des Schultes Markus Zeiser neigte sich an jenem Schmotzigen Donnerstag dem Ende entgegen. Und nachdem er seinen Rathausschlüssel hergegeben hatte, wurde „gefeiert bis Ultimo“ – so wie er es sich zuvor gewünscht hatte.

Viele weitere Fotos vom Ritterschlag in Straßberg finden Sie im Internet unter der Adresse www.schwarzwaelder-bote.de.