Joe Principe von Rise Against: Die Bühne ist sein Element Foto: Veranstalter

Seit 20 Jahren führen Rise Against die Phalanx der sozial engagierten und politischen Punk-Bands an. Der Bassist Joe Principe verrät, welche furiosen Thesen für eine gerechtere Welt sie am 19. November an die Wände der Porsche-Arena nageln wollen.

Die „windy City“ Chicago spielt im Leben von Rise Against eine wichtige Rolle. Hier sind die vier Bandmitglieder aufgewachsen, hier verliebten sie sich in Musik, hier fanden sie ein Zuhause in einer Szene. Bassist Joe Principe spielt schon als Teenager in Bands, 1999 gründet er eine neue. Ihr Name ist Programm: Rise Against.

 

Seit 23 Jahren singt die Punk-Band an gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus, gegen Polizeigewalt und Unterdrückung. In Verbindung mit ihren aufputschenden, bei aller knackigen Härte melodischen Hymnen hat sie das beeindruckend weit gebracht: Zahlreiche goldene Schallplatten säumen die Wände ihrer Häuser, regelmäßig führen sie Tourneen um den gesamten Erdball.

„Es wurde kontrovers, als wir eine breitere Masse ansprachen“

Mit ihrem Einschlagen im Mainstream machte Joe Principe eine interessante Entdeckung. „Als wir noch jünger und unbekannter waren, hörte man Rise Against nur in der Punk- oder Emo-Szene. Das fühlte sich oft so an, als würden wir bereits Konvertierte missionieren wollen. Wir waren uns doch eh alle einig!“, sagt der Bandgründer und lacht. „Doch irgendwann wurden die Dinge, über die wir sangen, plötzlich kontrovers, weil wir eine viel breitere Masse ansprachen. Da ist die Gefahr groß, dass Menschen unsere Musik hören, mit denen wir nichts zu tun haben wollen.“

Für Rise Against ist das natürlich kein Grund, damit aufzuhören. Im Gegenteil: Sie haben den Ethos der Punk-Szene in den Adern, sind durch und durch politisch und engagieren sich auch bei Amnesty International oder im Tierschutz. „Für uns gehört das zusammen“, betont Principe. „Wir verlangen von niemanden, dass er das genau so sieht, aber Rise Against funktionieren nur so.“ Da ist es nur konsequent, dass alle vier Bandmitglieder straight edge unterwegs sind, als auf Alkohol, Zigaretten und Drogen verzichten und zudem vegan leben.

Der Punk ist erwachsen geworden

Joe Principe ist Vater von drei Kindern. Die erreichen so langsam ein Alter, in dem man sich über den künftigen Lebensweg Gedanken macht. College, Berufsausbildung, der Ernst des Lebens eben. „Und dann sitzt da einer wie ich am Küchentisch und legt ihnen ans Herz, in der Schule gut zu sein, um auf ein anständiges College zu bekommen.“ Er lacht: „Wenn das von einem kommt, der das College nicht abgeschlossen hat und stattdessen mit einer Rock-Band um die Welt reist, wirkt das wenig glaubwürdig.“

Der Punk ist eben auch erwachsen geworden. Die wütenden Kids von damals haben selbst Kinder, die Sache mit „no future“ wurde dann irgendwann doch noch mal überdacht. Mit dem Alter kommt aber eben auch eine Reife. Und die führt auf dem neuen, neunten Rise-Against-Album „Nowhere Generation“ zu einer hochspannenden Ausgangslage: Die Band besingt die verlorene Generation, die zwischen Pandemie, Lockdowns und Fernunterricht heranwachsen musste.

Ist der American Dream vorbei?

„Die Leute, die unsere Band hören, sind meist etwas jünger als wir“, sagt der 48-jährige Bassist. Von vielen höre ich, was sie durchmachen. Sie haben das Gefühl, festzustecken. Ein Teil von mir dachte anfangs noch, das sind doch genau die Probleme, die wir alle irgendwann mal durchgemacht haben, ganz normales Erwachsenwerden. Aber irgendwann wurde mir klar, dass diese Generation sich tatsächlich in einer anderen, ganz eigenen Lage befindet. Dass sie ganz eigene Hindernisse zu überwinden hat als meine Generation.“

Er legt die Stirn besorgt in Falten. „Hier geht es doch um die Menschen, die die Welt von morgen lenken und nach Möglichkeit zu einem besseren Ort machen sollen“, seufzt Principe. „Derzeit sieht es nicht danach aus, dass diese Generation der nächsten eine bessere Welt hinterlassen wird.“ Darum gehe es aber doch eigentlich beim American Dream, meint er. Hat es sich ausgeträumt? „Ich fürchte ja“, sagt er. „Oder er hat sich zumindest stark gewandelt. Die wirtschaftliche und politische Instabilität, die durch Donald Trump massiv verstärkt wird, hat die Mittelklasse ausbluten lassen. Das Versprechen, dass sich harte Arbeit auszahlt, wurde schon lang gebrochen.“

Auf dem aktuellen Album: eine trotzige Hoffnung

Man versteht, warum Rise Against auf „Nowhere Generation“ so wütend klingen. Man spürt in den knackigen, galoppierenden Songs aber auch eine fast trotzige Hoffnung. Auf Wandel. Auf eine gerechtere Welt. Bei ihren Konzerten führt die zu einer kollektiven Katharsis, weil man sich mal wieder versichern kann, dass man mit seiner Verweigerung jedweder Resignation nicht alleine ist. „Wenn gar nichts mehr hilft, schadet es nicht, einfach mal alles herauszubrüllen“, gibt Principe den Therapeuten. Man hat in den letzten Jahren schon schlechtere Ratschläge gehört.

Rise Against spielen am 19.11. in der Porsche-Arena, im Vorprogramm: The Story So Far und ZSK. Beginn ist um 19.30 Uhr, Tickets gibt es hier.

Rise Against

Band
2004 treten Rise Against aus dem Punk-Underground ins Rampenlicht: Ihr drittes Album „Siren Song of the Counter Culture“ wird bei aller Härte zum Mainstream-Erfolg. Eine neue Ära beginnt, die sie in die größten Hallen rund um die Welt führt.

Engagement
Im Gegensatz zu vielen anderen großen Rock-Bands in den USA haben sich Rise Against mehrfach eindeutig politisch positioniert – 2004 gegen George W. Bush und 2008 für Barack Obama. Es wird keine Überraschung sein, hinter wem sie 2024 stehen werden.

Chicago
Chicagos Punk- und Hardcore-Szene ist legendär, viele Bands sind hier zu Gast. 1999 lernen sich die künftigen Rise-Against-Mitglieder Joe Principe und Tim McIlrath kennen – bei einem Konzert der ebenfalls politisch motivierten Hardcore-Band Sick Of It All.