Politischer Gedankenaustausch bei lockerer Atmosphäre im Ringsheimer Schulhof (von rechts): Grünen-Staatssekretärin Sandra Boser, Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare, der Ringsheimer Schulleiter Alexander Brucher, Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber, Christian Moser, Schulleiter der Grund- und Gemeinschaftsschule Rust/Kappel-Grafenhausen Foto: Mutz

Ringsheim/Rust - Die Pandemie hat die Schulen vor große Herausforderungen gestellt, ihnen aber auch Chancen geboten: Die Digitalisierung sei vorangeschritten, stellte die Grünen-Landtagsabgeordnete Sandra Boser beim Besuch in Rust und Ringsheim fest.

Welche Folgen zeigt die Pandemie bei den Kindern? "Die meisten haben es gut weggesteckt", bilanzierte Ringsheims Schulleiter Brucher. Mitentscheidend sei jedoch das soziale Umfeld. Beide Schulleiter bestritten die These von der verlorenen Generation. Man könne die Pandemiezeit mit den Jahresringen eines Baumes vergleichen, wo ein Durstjahr auch wieder ausgeglichen werde, sagte der Ruster Schulleiter Christian Moser: "Wir werden das auffangen."

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Sandra Boser nutzte kurz vor Beginn des neuen Schuljahres die Gelegenheit zu einem Austausch mit den Schulträgern und Schulen der beiden Gemeinden Ringsheim und Rust. Im neuen Schulhof der Grundschule Ringsheim sprach die Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport mit den beiden Bürgermeistern Kai-Achim Klare (Rust) und Pascal Weber (Ringsheim) sowie den Schulleitern Christian Moser (Rust) und Alexander Brucher (Ringsheim).

Große Investitionen in technischen Ausbau

Im Gegensatz zu Ringsheim hat Rust nicht nur eine Grundschule, sondern auch eine weiterführende Schule. Aber auch wenn sich die Schulsysteme der beiden Gemeinden unterscheiden, haben doch alle angesichts der Corona-Pandemie mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Dabei habe die Krise auch Chancen geboten: Große Investitionen in den technischen Ausbau und damit in die Digitalisierung wurden getätigt, um den neuen pädagogischen Anforderungen des Wechsel- und Fernunterrichts gerecht zu werden.

Und es hat sich vieles getan, wie Boser bei einem Rundgang durch die Ringsheimer Schule feststellte: W-Lan gibt es nun in allen Klassenräumen und für jede Grundschulklasse steht ein Smartboard als digitale Lerntafel zur Verfügung. Aber die "Kreidezeit" sei deswegen nicht ausgestorben. Die Digitalisierung sei nur ein pädagogisches Hilfsmittel, war man sich einig. Noch werden Bücher gelesen und in sogenannten Lernzonen wird Wissen vermittelt und erarbeitet.

Die Corona-Bestimmungen werden wohl noch länger gelten, erklärte Boser. Deshalb seien weitere Tests in den Schulen unumgänglich. "Wir bleiben vorerst im Präsenzunterricht", meinte Boser. "Als Kommunen fühlen wir uns nicht mitgenommen", beklagte Ringsheims Bürgermeister Weber hinsichtlich der Beschaffung der Tests. Wenn ein Kind in Quarantäne geht, bleiben die restlichen Kinder in Ringsheim in festen Gruppen. Der Knackpunkt sei allerdings die Betreuung, sagte Schulleiter Brucher.

Der gesetzlich geforderte Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen ab dem Schuljahr 2026/27 war ebenfalls ein zentrales Thema. Alle waren sich darüber einig, dass die Lücke nach der umfassenden Kindergartenbetreuung in den Kitas durch eine Ganztagesbetreuung in der Grundschule geschlossen werden müsse. Doch zwischen Bund und Ländern gibt es Uneinigkeit zur Finanzierung des milliardenschweren Vorhabens. Die Bundesländer fordern mehr Geld für die laufenden Betriebs- und Personalkosten, um die rund eine Million zusätzlich zu schaffenden Ganztagsplätze zu finanzieren. Der Ausbau der Ganztagsbetreuung sei für viele Familien im Land äußerst wichtig, war die Erkenntnis in der Runde. Das Thema wird gerade im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat beraten.