Lebensmittel: Ringsheimer hat sich zum Sommelier ausbilden lassen

Ringsheim (mut). Der in Ringsheim aufgewachsene Patrick Biehler ist seit April geprüfter Brotsommelier. "Brot gilt seit Menschengedenken als Symbol für das Leben", sagt Biehler, der nach einem einjährigen Kurs an der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim die Prüfung zum Sommelier bestanden hat.

In rund 500 Ausbildungsstunden hat sich Biehler intensiv mit dem Backwerk beschäftigt. Brotkultur, Brotgeschichte und Marketing waren nur einige der Inhalte des Seminars, das in acht Module gegliedert war. Man habe schon kräftig büffeln müssen, um vor einer dreiköpfigen Kommission die Prüfung erfolgreich abzulegen. Biehlers 60-seitige Projektarbeit befasste sich dem Thema "Entwicklung eines speziellen Brotes aus Presskuchen".

Der 38-Jährige brennt für sein Handwerk

Der Lohn war die Abschlussfeier (unter Corona-Bedingungen) in der Kochschule von Starkoch Johannes Lafer – "ein cooler Typ", sagt Biehler. Seine Familie, mit der er in Burgheim in Lahr lebt, habe während der Seminarzeit auf vieles verzichten müssen, berichtet der 38-Jährige. Besonders das Probebacken in den beruflichen Schulen in Kehl sei sehr zeitintensiv gewesen und sei parallel zu seiner Tätigkeit als Leiter der Nachtschicht bei der Großbäckerei K & U in Neuenburg gelaufen, wo Biehler seit dem Jahr 2012 beschäftigt ist. Seit dieser Zeit sitzt er auch im Prüfungsausschuss für angehende Bäckereigesellen an der Berufsfachschule in Kehl.

Nach seiner Realschulzeit begann Biehler die Bäckerlehre bei der Ringsheimer Bäckerei Bosch, wo er zuvor schon als Schüler gejobbt hatte. Biehler brennt förmlich für sein Handwerk, das ist im Gespräch zu spüren. "Als Bäcker kann man unglaublich kreativ sein und etwas mit eigenen Händen erschaffen. Wenn man nachts gearbeitet hat und dann die fertigen Backwaren am Morgen an der Ladentheke sieht, ist das ein gutes Gefühl und macht richtig stolz", sagt der Bäckermeister.

Künftig will Biehler Brot-Degustationen im Lahrer Traditionscafé "Süßes Löchle" anbieten. Das Ambiente biete einen würdigen Rahmen, um dem Lebensmittel Nummer eins, dem Brot, eine neue Wertigkeit zu geben. Die Königsdisziplin des Sommeliers bestehe auch darin, Brot, Belag und ein Getränk zu einer "Geschmacksexplosion zu vereinen", sagt Biehler. Etwa 80 Prozent des Brotgeschmacks kommt von der Kruste, weiß der Fachmann. Das Farbspiel könne von goldgelb bis kastanienbraun reichen. Es gälte die Faustformel: Gleiches mit Gleichem. Je mehr Komponenten die Lebensmittel miteinander verbinden, desto besser harmonieren diese. Alte Getreidesorten wie Einkorn und Emmer seien heute wieder gefragt. "Der Geruch des Brotes ist der Duft aller Düfte", zitiert Biehler den Schriftsteller und Nobelpreisträger Jaroslav Seifert.

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