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Ringen AV Sulgen hat einen "Problemringer"

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Über das Verhalten von Valentin Lupu (blaues Trikot) herrscht beim AV Sulgen geteilte Meinung. Foto: Herzog

Damit hatte zu Saisonbeginn beim AV Sulgen niemand gerechnet. Statt Siege und Punkte steht in der Bilanz des neu verpflichteten Ringers Valentin Lupu vor dem letzten Kampf in der Vorrunde eine "Null". Dabei hat er alle sieben Kämpfe für den AVS gewonnen.

Noch am Abend des 2. Oktober war die Ringerwelt beim Regionalligisten in Ordnung. Nach dem rauschenden 20:12-Sieg beim heimstarken KSV Hofstetten, der mit einer starken Mannschaftsleistung erzielt wurde, herrschte sogar Euphorie. Doch die Ernüchterung folgte schon am Tag danach, als Neuzugang Valentin Lupu für die ASV Nendingen GmbH in der Deutschen Ringerliga (DRL) das Trikot überstreifte.

Die Erlaubnis hierfür hatte er vom AV Sulgen nicht erhalten, ganz im Gegenteil. Die Vereinsführung versuchte vergeblich, ihm den Start auszureden. Aufgrund der Richtlinien der Regionalliga, nach denen dies als Doppelstart gewertet wird, blieb Staffelleiter Hardy Stüber (Mühlacker) nichts anderes übrig, als sämtliche Kämpfe von Lupu, der am 6. Oktober ein zweites Mal in der DRL rang, mit 0:4 für den Gegner zu werten und ihn in der Mannschaftsaufstellung zu streichen.

Weil beim Kampf in Hofstetten Sulgens Schwergewichtler Vasil Imerlishvili aus Sicht von Kampfrichter Christoph Heckele (ASV Ladenburg) ohne Verletzungsgrund seinen Kampf aufgab und somit offiziell nur noch acht Ringer angetreten sind, wurde das 20:12 in ein 0:40 korrigiert. Die anderen abgeänderten Ergebnisse hatten nur statistischen Wert, da Sulgen diese Kämpfe ohnehin verloren hatte.

Jüngst wurde nun auch das 13:13 bei der KG Baienfurt in eine 9:17-Niederlage umgeändert, weil Lupu erneut in der DRL kämpfte. Statt mit 5:11-Punkten und einem Mittelfeldplatz rangiert der AV Sulgen nun mit 2:14-Punkten auf der vorletzten Position und ist akut abstiegsgefährdet.

"Als Valentin Lupu uns für die Runde zugesagt und den Lizenzvertrag unterschrieben hat, habe ich nicht im Traum daran gedacht, welche Probleme da auf uns zukommen sollten. Die DRL-Mannschaft von Nendingen hat uns den ganzen Schlamassel eingebrockt, für den wir nichts können", ärgert sich Sulgens Vorsitzender Hans Rohrer und schiebt nach: "Die ASV Nendingen GmbH argumentiert natürlich anders und beruft sich auf ihr Unternehmen, dem niemand verbieten könne, für sie zu arbeiten".

Lupu ist übrigens nicht der einzige Ringer, der sanktioniert wurde. Auch Kämpfe von Benjamin Raiser (TSV Ehningen) und Bogdan Eismont (RD Heilbronn) wurden in Ligen des Württembergischen Ringerverbandes gestrichen, weil sie in der DRL für Nendingen auf die Matte gingen. Damit erreicht die DRL ihr Ziel, einen Keil zwischen den gemeinnützigen Ringervereinen und dem Deutschen Ringerbund (DRB) zu treiben. Den seit der Gründung der DRL im Jahre 2016 treffen sich DRL und DRB regelmäßig vor Gericht, weil der DRB Ringer sanktionierte und von Wettkämpfen aussperrte.

Dies hat dem DRB bisher mehrere Niederlagen und vor allem immense Kosten eingebracht. "Beide Parteien haben es nicht verstanden, zusammen etwas auf den Weg zu bringen, das allen Vorteile gebracht hätte. Von Anfang an war es das Ziel des DRB und ist es immer noch, die DRL an die Wand zu fahren. Das hat dem Ringkampfsport bisher nur geschadet", gibt ein Präsidiumsmitglied des DRB unumwunden zu und will namentlich nicht genannt werden. Kampflos will man die Streichergebnisse von Lupu beim AV Sulgen nicht hinnehmen.

Eine Beschwerde wurde in der ersten Instanz abgelehnt, worauf erneut Einspruch eingelegt wurde. Darüber ist noch nicht entschieden.

"Wir können das nicht so einfach hinnehmen und dürfen uns nicht alles gefallen lassen. Die Richtlinien der Regionalliga sind beim Punkt Doppelstart nicht klar definiert und werden unterschiedlich und willkürlich umgesetzt, rügt Rohrer und verweist auf ein Gerichtsurteil im Februar dieses Jahres in Nürnberg, wonach der DRB keine Ringer sanktionieren darf, die für die DRL gerungen haben. Wir werden einen langen Atem brauchen, dazu sind wir bereit", bekräftigt Sulgens Vereinschef.

Die Sanktionen gehen an der Mannschaft nicht spurlos vorbei. Manche Athleten sehen in Lupu einen Motivator, der das Team mitreißen kann. Andere kreiden ihm an, an der derzeitigen Situation nicht ganz schuldlos zu sein. So ließ die Mannschaft zuletzt die Begeisterung, die vor allem den Sieg in Hofstetten ausmachte, gegen die WKG Weitenau-Wieslet vermissen und verlor ohne den beruflich verhinderten Lupu mit 14:19. Mit ihm wäre ein 18:15-Sieg herausgesprungen.

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