Es ist noch stockfinster in Bad Herrenalb, als die ersten schweren Motoren das morgendliche Schweigen brechen. An der Siebentäler Therme beginnt ein logistisches Schauspiel.
Es ist ein besonderer Tag – 96 Tonnen Stahl werden auf engstem Raum manövriert, um den Weg für die Zukunft des Gebäudes freizumachen.
Wettlauf gegen die Uhr Für Lisa und Christopher Wunsch aus Neusatz fing der Tag bereits um fünf Uhr morgens an. Das Ehepaar, das die Revitalisierung der Therme von Beginn an fotografisch dokumentiert, wollte sich diesen „Wow-Effekt“ nicht entgehen lassen. Um halb sechs sicherten sie sich ihre Position am Kreisel zur Bahnhofstraße. Denn wegen strenger Auflagen musste der Schwertransport die öffentlichen Straßen bis spätestens 6 Uhr verlassen haben, um den Berufsverkehr nicht zu blockieren.
Was die beiden Beobachter besonders faszinierte, war die Geschwindigkeit und Koordination.
„Der riesige Kran kam nicht am Stück an, er ist ein technisches Puzzle aus mehreren Lastwagenladungen“, berichtet Wunsch.
Gegengewichte und Bodenplatten wurden separat angeliefert und in einer perfekt choreografierten Abfolge montiert. Innerhalb von nur zehn Minuten war das Gerät einsatzbereit, ein eingespieltes Team, das wie ein Uhrwerk funktionierte.
Präzision in der engen Ecke Am Steuer des Giganten nimmt Denis Hedl aus Winnenden Platz. Für ihn ist dieser Einsatz in der engen Ecke hinter der Therme alles andere als Routine. Die Zufahrt war so schmal, dass das Areal bereits Tage zuvor von einer Fachfirma vorbereitet werden musste.
Der Boden wurde ausgekoffert, eingeschottert und massiv verdichtet. „Kranstandplätze müssen absolut fest sein“, erklärt Hedl. „Da darf nichts abrutschen, damit keine Löcher entstehen.“
Seine Aufgabe ist kein Kinderspiel: Ein rund 20 Tonnen schweres Entlüftungsgerät muss vom Dach der Therme gehoben werden. Bei einer Ausladung von 38 Metern entspricht das einer Last von etwa 20 Autos, die gleichzeitig in der Luft schweben. Mit speziellen Schlupfen wurde das Bauteil zunächst gesichert, dann zentimetergenau angehoben und binnen weniger Minuten sicher am Boden abgesetzt.
Emotionaler Meilenstein Für Thermenchef Jens Walter ist dieser Hub weit mehr als nur eine technische Notwendigkeit, es ist ein emotionaler Moment. Das weiße Entlüftungsgerät, das normalerweise für frische Luft im Gebäude sorgt, blockierte zuletzt die weiteren Fortschritte auf dem Dach. Dass der gewaltige Autokran aus dem benachbarten Ettlingen nun freie Bahn hatte, verdankte er dem Abschluss der Betonarbeiten und dem Verschwinden des stationären Baustellenkrans. „Wir haben jetzt einen Meilenstein erreicht, denn nun werden wir keinen Kran mehr auf der Baustelle sehen“, so Walter sichtlich erleichtert.
Seine rechte Hand, Bülent Varda, teilt diese Begeisterung. Für ihn bedeutet der erfolgreiche Hub das Ende einer Zwangspause.
Das Lüftungsgerät hatte die Abriss- und Aufbauarbeiten behindert; zudem gab es an dessen Standort in der Vergangenheit Probleme mit Wassereintritt. Nun, da das Dach frei ist, kann die alte Dämmung entfernt und alles fachgerecht abgedichtet werden. „Jetzt kann es endlich weitergehen“, freut er sich über den neu gewonnenen Handlungsspielraum.
Baufreiheit und Ausblick Auch Bauherrenberater Jochen Krämer, der das Projekt seit Anfang 2023 begleitet, sieht in der Aktion einen entscheidenden Wendepunkt. „Durch den Abtransport des Geräts ist die dringend benötigte Baufreiheit auf dem Dach entstanden.“ Doch neben dem strategischen Fortschritt bleibt bei Krämer vor allem die Freude an der Sache hängen. Es sei schlichtweg „ein Highlight, wenn ein solch gewaltiger Kran anrückt und eine komplexe Planung so reibungslos in die Tat umgesetzt wird.“
Während das Entlüftungsgerät nun am Boden auf die Fertigstellung der Dachsanierung wartet, ist der Grundstein für die nächste Phase der Thermen-Revitalisierung gelegt.