Nagold baut an der Zukunft – wie hier mit der neuen Zellerschule. Und das kostet richtig viel Geld. Foto: Thomas Fritsch

Die Haushaltslage in Nagold ist angespannt. Eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Die Reaktion der Stadt: 2026 wird investiert wie nie zuvor. Wie geht das zusammen?

Umso weniger Geld da ist, desto mehr sollte ausgegeben werden – was bei einem Privatmann nach einer Bankrotterklärung in Windeseile klingt, ist bei der Stadt Nagold Teil der Politik.

 

Vom antizyklischen Verhalten ist da die Rede. Das ist keine Nagolder Erfindung: Von der öffentlichen Hand wird in wirtschaftlich schwierigen Zeiten solch ein investives Verhalten durchaus erwartet.

Doch die Stadt Nagold betreibt im nächsten Haushaltsjahr das System auf Rekordniveau.

29 Millionen Euro sollen im nächsten Jahr investiert werden

Nagolds Finanzbürgermeister Hagen Breitling und Oberbürgermeister Jürgen Großmann brachten dieser Tage den Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2026 in den Gemeinderat ein. Und eine Grafik, die Breitling an die Wand warf, beeindruckte besonders: die Balken mit den Zahlen zu den Bauinvestitionen 2026.

Auf absoluter Rekordhöhe befindet sich Nagold da: 29 Millionen Euro sollen im nächsten Jahr investiert werden. Zum Vergleich: In diesem Jahr waren gut 19 Millionen Euro eingestellt, auch das war schon Rekord – von 2008 bis 2024 überschritten die Bauinvestitionen nie die Zehn-Millionen-Euro-Marke. Und auch für 2027 sieht die Finanzplanung nochmals ordentliche Bauinvestitionen in Höhe von 14,3 Millionen Euro vor.

Von den 29 Millionen Euro entfallen im nächsten Jahr 51 Prozent auf Maßnahmen im Bereich Schule – klar, die neue Zellerschule, die Zukunft des OHG. Vom „Investitionsjahrzehnt für die Bildung und die Betreuung“, sprach Hagen Breitling bei der Einbringung des Haushalts.

Großmann warnt: „Das wird sich noch verschärfen in den kommenden Jahren“

Doch es fließt eben nicht alles in die Schulen. Das Thema Hallen und Sportplätze ist mit 4,7 Millionen Euro festgeschrieben, in den Brandschutz fließen vier Millionen Euro, für Straßen und Beleuchtung sind Bauinvestitionen von 3,5 Millionen Euro eingeplant. Und das alles in einem einzigen Jahr. In diesem Ausmaß hat es das in Nagold wahrscheinlich noch nicht gegeben.

„Es sind besondere Rahmenbedingungen, wir haben eine schwache Gesamtwirtschaftslage, und die Schere zwischen der Aufgabenerfüllung und den Kostdeckungen geht immer weiter auseinander“, verwies OB Großmann auf die angespannte Haushaltslage. Und er verdeutlichte: „Das wird sich noch verschärfen in den kommenden Jahren.“ Das zu ändern sei aber eine politische Aufgabe – „das Problem ist strukturell und grundsätzlich.“

Die Stadt hat sich zu gewaltigen Investitionen entschieden

Dennoch hat sich die Stadt zu gewaltigen Investitionen entschieden. „Wir wollen antizyklisch investieren, trotz schwacher Lage und schlechter Zahlen.“ OB Jürgen Großmann argumentierte, dass die Stadt so Vermögen schaffe, für die Zukunft, für alle die „nach uns kommen.“ Also werde investiert – gegen den Trend. „Wir schaffen Vermögenswerte trotz höherer Verschuldung.“

Großmanns Schlusssatz im Gemeinderat spricht Bände: „Bleiben wir mutig, auch wenn die Herausforderungen groß sind. Zukunft gelingt nur dort, wo wir auch Zukunft bauen.“

Der Schuldenstand schnellt nach oben

Bleibt die Frage des alten Karnevals-Schlagers: „Wer soll das bezahlen?“ Hagen Breitling warf die Grafik mit dem Schuldenstand des Kernhaushalts an die Wand. Interessanterweise kam die Stadt Nagold ja – entgegen allen Planungen von Kreditermächtigungen in den letzten Jahren – bis heute noch immer ohne neue Schuldenaufnahme aus.

Doch laut Breitling ist die Liquidität der Stadt spätestens 2028 aufgebraucht. „Da wird es aus heutiger Sicht mittelfristig nicht möglich sein, insbesondere die Investitionen in die Zellerschule und ab voraussichtlich 2027 die Sanierung des OHG aus Eigenmitteln zu stemmen.“

Nachdem die Verschuldung im Jahr 2013 – also direkt nach der Landesgartenschau – im Kernhaushalt bei 19,5 Millionen Euro lag, sank diese bis jetzt kontinuierlich. 2024 waren es 8,2 Millionen, im aktuellen Haushaltsjahr sind 7,5 Millionen Euro im Planansatz festgeschrieben.

Dann aber geht es steil nach oben: laut Plan steigt die Verschuldung schon im nächsten Jahr auf 51 Millionen Euro, und bis 2029 auf 66,6 Millionen Euro.

Gewerbesteuer sprudelt nicht mehr so üppig wie 2023 und 2024

Die Eigenbetriebe mit einberechnet steigt die Pro-Kopf-Verschuldung in Nagold damit von 3018 Euro im aktuellen Jahr auf 7384 im Jahr 2028.

Bis jetzt sorgten ja immer noch üppig sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen für eine Verbesserung der Finanzlage. Doch auch hier geht die Zahl nach unten. Fast 28 Millionen Euro an Gewerbesteuer flossen in Nagold noch 2023, im Jahr danach waren es 23,7 Millionen Euro – beides sind absolute Rekordwerte. 2025 stehen im Plan noch immer stolze 19,7 Millionen Euro, doch die aktuellen Zahlen gehen eher von etwa zwei Millionen Euro unter Plan aus.

„Wenn Sie durchhalten, werden weitere Fördertöpfe möglich sein“

Also rechnet die Stadt Nagold in den nächsten Jahren nur noch mit rund 17 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen. 17,7 Millionen Euro sollen es 2026 werden.

Beschlossen ist der Haushaltsplan 2026 noch nicht. Doch Nagolds OB machte seinen Räten Mut. Auch, weil sich die Förderkulisse des Landes und des Bundes verändere.

„Wenn Sie durchhalten, werden weitere Fördertöpfe möglich sein“, war er überzeugt. Unter anderem rechnet er mit gut 13 Millionen Euro aus dem Infrastrukturprogramm des Bundes. „Das ist eine große Chance. Da müssen wir was draus machen.“