Die Kippenheimer Firma muss ihre geplante Photovoltaik-Anlage ohne Hilfe aus Rust bauen. Das gab der Europa-Park am Dienstag bekannt. Grund für das Ende der Kooperation sind laut Park neue gesetzliche Vorgaben. Doch wie geht es nun für Mosolf weiter?
Überraschende Nachricht aus Rust: Der Europa-Park ist aus dem gemeinsamen Photovoltaik-Projekt auf dem Mosolf-Parkplatz ausgestiegen. Das gab der Park am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion bekannt. Bedeutet dies das Aus für die Anlage und was plant der Europa-Park stattdessen? Unsere Redaktion hat nachgehakt.
Was war geplant?
Ende 2022 wurden der Öffentlichkeit große Pläne präsentiert: Auf dem Mosolf-Gelände, das an der B 3 zwischen Kippenheim und Lahr bis zu 32 000 Autos fasst, sollte die größte Solaranlage der Region entstehen. Die Module, hieß es damals, sollten als riesiges Carport auf rund 20 Hektar etwa ein Viertel der Parkplätze überdachen und 25 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. 30 Millionen Euro wurden als Investitionskosten genannt, der Europa-Park wollte mit einer eigenen Leitung seinen Energiebedarf mit Strom aus Kippenheim decken.
Was war der letzte Stand?
Noch im März diesen Jahres, bei der Pressekonferenz zu seiner Sommersaison, sprachen die Verantwortlichen des Europa-Parks von einem Spatenstich noch in diesem Jahr. Die Inbetriebnahme sollte 2025 erfolgen.
Warum beendet der Park die Zusammenarbeit?
Wegen neuer Gesetze, heißt es aus Rust. Diese sähen vor, dass auf allen neuen Gebäuden künftig eine Photovoltaik-Anlage installiert werden muss. „Das Projekt Mosolf hat großes Potenzial, allerdings wäre eine regenerative Stromerzeugung mittels PV-Anlagen außerhalb des Europa-Parks auf Grundlage der neuen gesetzlichen Vorgaben nicht mehr anrechnungsfähig. Das hätte für den Europa-Park Mehrkosten im siebenstelligen Bereich bedeutet“, rechnet Park-Chef Roland Mack vor. Der Europa-Park baut das Ressort bekanntlich immer weiter aus. Es ist davon auszugehen, dass der Park mit dem Mosolf-Projekt somit mehr Sonnenenergie erhalten würde, als er bräuchte, um seinen Bedarf zu decken. Das Problem dabei: Der Markt an Solarstrom ist gesättigt, in Spitzenzeiten gibt es keine Vergütung mehr für eine Einspeisung ins Netz. Betreiber großer Anlagen müssen aufgrund negativer Strompreise sogar draufzahlen. Zudem, betont Mack, habe eine Prüfung ergeben, dass eine Stromleitung von Kippenheim zum Europa-Park nicht realisierbar gewesen wäre. Dies erschien allerdings von Anfang an wenig wahrscheinlich.
Was plant der Park stattdessen?
„Der Europa-Park hält an den Plänen fest, fünf und in einem weiteren Schritt bis zu zehn Millionen Kilowattstunden Strom aus Sonnenkraft zu produzieren“, heißt es aus Rust. Jetzt aber auf eigenen Flächen. Die Suche nach geeigneten Arealen laufe bereits. Roland Mack: „Unser Ziel, die erneuerbaren Energien massiv auszubauen, bleibt bestehen. Wir bedauern, dass die angedachte Kooperation nun nicht realisiert wird. Wir werden aber etwa die gleiche Menge Solarstrom produzieren, wie wir sie vom Projekt Mosolf abgenommen hätten.“ Das Ziel sei nach wie vor, dass sich der Europa-Park in den Sommermonaten weitgehend autark mit Strom versorgt. Man gehe von einer mehrstufigen Inbetriebnahme eigener Anlagen ab Mitte 2025 aus.
Wie geht’s bei Mosolf weiter?
Im Grunde wie geplant, erklärte der Bereichsleiter Standortlogistik Jan Ruoff gegenüber der LZ. Auch wenn das Nicht-Zustandekommen der Kooperation mit dem Europa-Park „sehr schade“ sei: „Das Projekt in Kippenheim ist dadurch nicht gefährdet.“ Ändern würden sich nur die Abnehmer des künftig produzierten Sonnenstroms. In Kippenheim soll die dritte und größte Anlage ihrer Art auf einem Gelände des Automobillogistikers entstehen. Die zeitaufwendigen Baugenehmigungsverfahren liefen. Weil die Fundamente sehr tief in die Erde müssten, hätten zuletzt Bodenuntersuchungen stattgefunden. Und wann ist Spatenstich? Der Bereichsleiter hat November oder Dezember diesen Jahres im Visier.
Flugplatz-Anlage auf Eis
Ein anderes großes PV-Projekt in der Region liegt derzeit auf Eis: die vom E-Werk geplanten PV-Module parallel zur Landebahn auf dem Lahrer Flugplatz. Gründe sind, wie berichtet, negative Strompreise und ein Verlustgeschäft für Betreiber großer Anlagen.